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Auto rast in Gruppe von Demonstranten in Seattle, Mississippis umstrittene Flagge ist nun Geschichte – die neusten Entwicklungen zu den Protesten in den USA

Der Afroamerikaner George Floyd ist Ende Mai von Polizisten umgebracht worden. Seither protestieren weltweit Menschen gegen Polizeigewalt und Rassismus. Am 12. Juni erschiessen Polizisten in Atlanta Rayshard Brooks.

Die neusten Entwicklungen

  • Ein Mann ist mit seinem Auto in einen wegen Protestaktionen gesperrten Autobahnabschnitt in Seattle gerast und hat zwei Frauen erfasst. Eine der Frauen sei mit lebensgefährlichen, die andere mit schweren Verletzungen ins Spital gekommen, erklärten Polizei und Feuerwehr in der Nacht auf Samstag (4.7.) auf Twitter. Der Fahrer des Wagens sei festgenommen worden. Sein Motiv war zunächst unklar, wie der Polizeibeamte Rick Johnson mitteilte. Auf einem von amerikanischen Medien verbreiteten Video ist zu sehen, dass sich mehrere Menschen auf der gesperrten Fahrbahn aufhielten, als das weisse Auto mit hoher Geschwindigkeit auf sie zuraste.
  • Der amerikanische Präsident Donald Trump hat sich auf Twitter über einen auf der New Yorker Fifth Avenue geplanten «Black Lives Matter»-Schriftzug beschwert. Bürgermeister Bill de Blasio hatte vergangene Woche angekündigt, dass damit die Strasse direkt vor dem Trump-Tower im Zentrum Manhattans grossflächig bemalt werden soll. Trump nannte den in ähnlicher Form auch vor dem Weissen Haus angebrachten Schriftzug ein «Symbol des Hasses». Trump kritisierte auf Twitter, dass die Stadt mit einem «grossen, teuren, gelben Zeichen die Luxus-Strasse verunglimpft» und gleichzeitig das Polizeibudget um eine Milliarde Dollar reduziere. Diesen Beschluss hatte am frühen Mittwochmorgen (1. 7.) der Stadtrat getroffen. Eine Streichung von Stellen soll es dabei nicht geben, die Kürzung von rund sechs auf etwa fünf Milliarden Dollar geschieht vor allem durch Veränderungen in der Verwaltung und Arbeitsorganisation. So fallen beispielsweise künftig rund 5300 Polizisten in Schulen unter die Zuständigkeit des Bildungsressorts.
  • Der Gouverneur von Mississippi hat die umstrittene Flagge des amerikanischen Gliedstaats mit seiner Unterschrift in die Geschichtsbücher verbannt. Es sei Zeit für eine Flagge, die nicht für die Vergangenheit, sondern für die Gegenwart und die Zukunft des Gliedstaats stehe, erklärte der Republikaner am Dienstag (30. 6.). Zuvor hatten am Wochenende beide Kammern des Parlaments dafür gestimmt, eine neue Flagge entwerfen zu lassen. Die bisherige, seit 1894 gültige Fahne erinnerte an die einstigen Sklavenhalter im amerikanischen Süden, die sogenannten Konföderierten. Eine Kommission soll nun bis Mitte September eine neue Flagge ausarbeiten. Sie soll das Motto «Wir vertrauen auf Gott» enthalten und am 3. November – parallel zur Präsidentschaftswahl – den Wählern zur Abstimmung vorgelegt werden.
Mississippi ist der letzte amerikanische Gliedstaat, der das Symbol der Konföderierten noch auf der Flagge trägt. Nun lässt das Parlament dieses von der Fahne entfernen.

Mississippi ist der letzte amerikanische Gliedstaat, der das Symbol der Konföderierten noch auf der Flagge trägt. Nun lässt das Parlament dieses von der Fahne entfernen.

Suzi Altman / Imago

Ein Video vom 25. Mai zeigt, wie ein Polizist auf dem Hals eines Mannes in Handschellen kniet. Der Mann war George Floyd – und er starb kurz danach.

Ein Video vom 25. Mai zeigt, wie ein Polizist auf dem Hals eines Mannes in Handschellen kniet. Der Mann war George Floyd – und er starb kurz danach.

Darnella Frazier via AP

Der 46-jährige Afroamerikaner George Floyd starb nach einem brutalen Polizeieinsatz am 25. Mai 2020. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein weisser Polizist während sieben Minuten und 46 Sekunden sein Knie auf Floyds Hals drückt. Wegen eines Berechnungsfehlers waren die Ermittler zuvor von acht Minuten und 46 Sekunden ausgegangen. Im Video fleht Floyd mehrfach um Hilfe, verspricht zu kooperieren und sagt wiederholt: «Ich kann nicht atmen.» Dann verliert Floyd, den die Polizei wegen der Verwendung eines mutmasslich falschen Geldscheins festgenommen hatte, das Bewusstsein. In der herbeigerufenen Ambulanz verstirbt der Familienvater noch vor der Ankunft im Spital. Auf dem Video ist nicht sichtbar, wie hinter dem Auto weitere Polizisten auf Floyd knien. Insgesamt vier Beamte waren beteiligt.

Floyds Tod war ein Tötungsdelikt. Nach einem privaten hat dies auch der offizielle Autopsiebericht ergeben. Demnach hat Floyd einen Herzstillstand erlitten, der letztlich durch den Druck auf seinen Nacken verursacht worden sei. Diesen hatten die Polizisten ausgeübt, als sie auf ihm knieten.

George Floyd wurde 1974 in North Carolina geboren, wuchs in Texas auf und zog 2014 nach Minneapolis, wo er zuletzt als Türsteher arbeitete. Den Job verlor er aufgrund der Coronavirus-Pandemie. Floyd war Vater mehrerer Kinder. Nach einer emotionalen Trauerfeier in der texanischen Metropole Houston war Floyds Sarg zum Friedhof Houston Memorial Gardens in der Nachbarstadt Pearland gebracht worden. Dort wurde er am 9. Juni beigesetzt.

Der Afroaomerikaner Rayshard Brooks war am 12. Juni, einem Freitagabend, am Steuer seines Wagens eingeschlafen, als er in der Schlange an einem Schnellrestaurant wartete. Die hinzu gerufenen Polizisten – beide weiss – stellten fest, dass er zu viel getrunken hatte und wollten ihn festnehmen. 40 Minuten verbrachten sie zunächst damit, ihn zu befragen, unterzogen ihn Alkoholtests und durchsuchten ihn nach Waffen.

Ausschnitt aus einem Video der Bodycam eines der Beamten, das die Momente kurz vor der tödlichen Auseinandersetzung in Atlanta zeigt. Links steht Rayshard Brooks, mit Ausweis und Telefon in den erhobenen Händen.

Ausschnitt aus einem Video der Bodycam eines der Beamten, das die Momente kurz vor der tödlichen Auseinandersetzung in Atlanta zeigt. Links steht Rayshard Brooks, mit Ausweis und Telefon in den erhobenen Händen.

Atlanta Police Department / Imago

Als sie ihm Handschellen anlegen wollten, kam zu einem Handgemenge. Brooks griff nach einem Elektroschockgerät eines Beamten und floh. Einer der beiden Polizisten feuerte Schüsse ab, die Brooks im Rücken trafen und tödlich verletzten. Über zwei Minuten habe sich niemand um Brooks gekümmert, während dieser um sein Leben gekämpft habe, wirft die Staatsanwaltschaft den Beamten vor.

Brooks wurde schliesslich ins Spital gebracht, aber eine Notoperation kam zu spät. Er war 27 Jahre alt und Vater von vier Kindern.

Einer der am tödlichen Einsatz beteiligten Polizisten ist in eine Strafanstalt eingeliefert worden. Die Staatsanwaltschaft hatte am 17. Juni mitgeteilt, den Polizisten wegen Mordes anzuklagen und ihn aufgefordert, sich zu stellen. Nun droht dem Angeklagten lebenslange Haft ohne Bewährung oder gar die Todesstrafe. Auch der zweite beteiligte Polizist, der unter anderem wegen schwerer Körperverletzung angeklagt ist, stellte sich. Er wurde aber nach Medienberichten bis zu einem Prozessbeginn wieder auf freien Fuss gesetzt. Der Polizist hatte sich laut Anklage auf die Schultern des in den Rücken geschossenen Sterbenden gestellt, wie auf Aufnahmen zu sehen gewesen sei.

Der inzwischen entlassene Polizist, der sein Knie auf Floyds Nacken gedrückt hatte, ist am 29. Mai angeklagt worden, wobei die Justiz im Gliedstaat Minnesota die Anklage am 3. Juni verschärft hat. Im Fall einer Verurteilung droht ihm eine deutlich längere Haftstrafe. Er muss sich nun wegen Mordes zweiten Grades ohne Vorsatz vor Gericht verantworten. Darauf stehen in Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Des Weiteren lastet ihm die Justiz auch Totschlag zweiten Grades an, wofür ihm zehn Jahre Haft drohen könnten. Am 8. Juni musste er vor Gericht erscheinen.

Bis zu einem möglichen Urteil könnte er aber auf Kaution aus dem Gefängnis kommen. Diese beträgt jedoch 1,25 Millionen Dollar. Der Angeklagte dürfte dann den Gliedstaat nicht verlassen und nicht als Polizist arbeiten. Ausserdem ist es ihm demnach verboten, Kontakt zu Floyds Familie zu haben, auch muss er seine Schusswaffen abgeben.

Seine drei ebenfalls beteiligten Kollegen werden der Mittäterschaft in einem Mordfall zweiten Grades und Totschlag zweiten Grades beschuldigt. Ihnen drohen ebenfalls bis zu 40 Jahre Haft. Zwei von ihnen sind auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen worden. Auch ein dritter Polizist könnte bald auf Kaution freikommen, wie Gerichtsunterlagen aus Minnesota zeigen. Sollten sie gewisse Auflagen akzeptieren, darunter ein Verbot von Kontakten zu Floyds Familie, würde die Summe von einer Million Dollar auf 750 000 Dollar reduziert. Der Prozess soll erst in einigen Monaten beginnen.

Der Tod von George Floyd hat in Amerika zu anhaltenden Protesten geführt. Die Wut richtet sich gegen Polizeigewalt und Benachteiligungen, die viele Afroamerikaner im Alltag erfahren. Nach der Veröffentlichung des Videos von Floyds Verhaftung kam es zu schweren Ausschreitungen in Minneapolis im Gliedstaat Minnesota. In mindestens 140 anderen amerikanischen Städten, darunter New York, Chicago, Detroit, Washington, Louisville, Portland und Oakland, gehen Menschen seither auf die Strasse.

Nachdem am 12. Juni mit Rayshard Brooks abermals ein Afroamerikaner bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam, dieses Mal in Atlanta, kam es tags darauf zu Protesten in der Stadt – die Aktivisten zündeten das Schnellrestaurant an, vor dem der vierfache Familienvater angeschossen worden war.

In Seattle haben BLM-Aktivisten eine «autonome Zone» eingerichtet, in der es zunächst friedlich zuging. Nachdem ein 19-Jähriger in der Nacht auf den 20. Juni erschossen worden war und tags darauf wieder Schüsse fielen, hat die Bürgermeisterin der Stadt, Jenny Durkan, die Auflösung der Zone angekündigt. Dies solle jedoch friedlich und unter Einbezug der Organisatoren erfolgen. Ein Versuch, in Washington D. C. eine autonome Zone zu erreichten ist misslungen.

Auch im Ausland haben sich Aktivisten mit der Anti-Rassismus-Bewegung solidarisiert, so etwa in Zürich, Biel, Basel, London, Berlin, Kopenhagen oder Göteborg. Künstler und Stars wie Ryan Reynolds und Blake Lively, Drake und John Legend spenden für inhaftierte Demonstranten und Bürgerrechtsbewegungen.

Quincy Mason Floyd, der Sohn des getöteten George Floyd, hatte bereits früh zu einem Gewaltverzicht aufgerufen. Sein Bruder Terrence Floyd forderte die Aktivisten dazu auf, wählen zu gehen. Die Amerikaner wählen am 3. November 2020 ihren Präsidenten. Da der republikanische Amtsinhaber Donald Trump dem rechten Spektrum der Gesellschaft zugeneigt ist, hoffen die Demokraten, ihn mit dem ehemaligen Vize-Präsidenten (unter Obama) Joe Biden aus dem Amt jagen zu können.

«Black Lives Matter» (BLM) heisst übersetzt «Schwarze Leben zählen». Es handelt sich um eine Bewegung, die im Jahr 2013 begann und sich seither international ausgeweitet hat. Heute besteht die NGO Black Lives Matter Foundation mit Hauptsitz in Santa Clarita, Kalifornien. Nach eigenen Angaben hat die Organisation Ableger in den USA, im Vereinigten Königreich und in Kanada. Sie hat sich auf die Fahne geschrieben, die Vormachtstellung weisser Menschen auszurotten und bei Gewaltakten gegen Dunkelhäutige einzugreifen. BLM-Aktivisten fordern ein Ende der Benachteiligung von dunkelhäutigen gegenüber hellhäutigen Menschen. Sie organisieren weltweit Proteste und fordern Entscheidungsträger zum Handeln auf.

Schwarze werden häufiger von Polizisten getötet

Tötungen durch die Polizei pro Million Einwohner in den USA seit 2015, nach Ethnie

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Schwarze werden überproportional häufig von der Polizei gestoppt

Verhältnis zwischen Polizeikontrollen und Bevölkerungsanteilen in Minneapolis, 31.10.2016 – 27.5.2020

WeisseSchwarzeLatinosAsiatische AmerikanerIndianer (Ureinwohner)Andere0,482,460,550,231,440,67

Ursprünglich hat sich die Bewegung am Freispruch des Amerikaners George Zimmermann im Jahr 2013 entzündet. Der damals 28-jährige Wachmann lateinamerikanischer Abstammung hatte im Februar 2012 in Sanford, Florida, den 17-jährigen Afroamerikaner Trayvon Martin erschossen. Zunächst hatte er die Polizei verständigt, weil ihm der Teenager verdächtig vorkam, als wolle er «irgendwo einbrechen», und als sei er «auf Drogen». Zimmermann verfolgte Martin. Als es zum Handgemenge kam, erschoss der Wachmann den Schüler «aus Notwehr», wie er später vor Gericht sagte. Tatsächlich sprach ihn eine Jury im Juli 2013 vom Vorwurf des Mordes mit bedingtem Vorsatz frei.

Der Fall löste eine Debatte über Rassismus und ungesühnte Gewalt gegen Schwarze aus, die sich in den sozialen Medien unter dem Hashtag #BlackLivesMatter konzentrierte. Im Jahr darauf, 2014, kam es mit Michael Brown (von Polizist erschossen) in Ferguson, Missouri, und Eric Garner (von Polizist zu Tode gewürgt) in New York zu weiteren aufsehenerregenden Todesfällen. Das löste schwere Ausschreitungen aus und machte BLM international bekannt. Die Aktivisten kritisieren bis heute die Gewalt und rassistisch motivierten Vorurteile (Racial Profiling) besonders der Polizei gegenüber Afroamerikanern. «I can't breathe» nutzen viele als Slogan – «ich kann nicht atmen». Das waren Garners sowie Floyds letzte Worte.

Dieses Bild wurde zu einer Ikone der Protestbewegung: Eine Demonstrantin protestiert im Juli 2016, weil Alton Sterling aus nächster Nähe von zwei weissen Polizeibeamten in Baton Rouge, Louisiana, erschossen wurde.

Dieses Bild wurde zu einer Ikone der Protestbewegung: Eine Demonstrantin protestiert im Juli 2016, weil Alton Sterling aus nächster Nähe von zwei weissen Polizeibeamten in Baton Rouge, Louisiana, erschossen wurde.

Jonathan Bachman / Reuters

In den USA sterben jährlich rund 1000 Menschen bei Polizeieinsätzen. Laut einer Analyse der Bowling Green State University in Ohio kam es zwischen 2005 und 2018 nur in 97 Fällen zur Festnahme eines Polizisten wegen Mord oder Totschlag und nur in 35 Fällen zu einer Verurteilung. Polizeigewalt ist in Amerika seit Jahren ein Thema, besonders, weil sie überproportional häufig Schwarze trifft. Eine Übersicht der Vorfälle, die seit 2012 am meisten Aufsehen erregt haben, finden Sie hier.

Bei den aktuellen Protesten haben auch Forderungen nach einem «Defunding» der Polizei zugenommen. Dahinter steht vor allem die Idee, die Budgets für Polizeibehörden zusammenzustreichen und die Gelder an soziale Projekte umzuleiten. Die Forderung scheint auf den ersten Blick radikal. Viele Vertreter meinen damit aber nicht die komplette Streichung von Geldern, sondern nur ihre Reduzierung und Umverteilung. So könnte etwa mehr in psychologische Versorgung und bezahlbares Wohnen investiert werden, so die Vorstellung vieler Demonstranten. Nur einige wenige von ihnen fordern die komplette Abschaffung der Polizei.

Die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung steht dem Slogan «Defund the Police» skeptisch gegenüber, wie eine Umfrage des Instituts «Yougov» zeigt. Demnach stimmen zwei Drittel der Amerikaner der Forderung nicht zu. Unklar ist jedoch, wie viele die Forderung dabei richtig einordnen können. Eine deutliche Mehrheit spricht sich aber für Reformen aus. Dazu gehören das Verbot für Polizisten, Gewalt gegen den Hals auszuüben (67 Prozent), ein Frühwarnsystem für problematische Beamte (80 Prozent) oder der Einsatz von Kameras an Polizeiuniformen (mehr als 80 Prozent).

Tatsächlich gibt die USA relativ viel Geld für die Polizei aus. Städte wie Los Angeles und Chicago wenden 30 bzw. 40 Prozent ihres Haushalts für die Polizei auf, Oakland sogar beinahe die Hälfte. Das riesige Budget kommt auch daher, dass die Polizei in den USA eine grosse Rolle einnimmt und früh alarmiert wird. Christy Lopez, Professorin an der Georgetown Universität und Expertin für innovative Polizeikonzepte, beschreibt den Umgang mit der Polizei in der «Washington Post» folgendermassen: «Wir rufen die Polizei an, um Obdachlose von Ecken und Einfahrten zu vertreiben, verbale Streitigkeiten zwischen Familienmitgliedern und Fremden zu lösen und Kinder wegen Verhaltens zu verhaften, das früher als Disziplinarangelegenheit in der Schule behandelt worden wäre.»

Die Gruppe «The Freedom Neighborhood» hat am 23. Juni ihren Plan verkündet, die Statue von Abraham Lincoln (im Hintergrund) abreissen zu wollen. Sie steht in Washington D. C. Der Ex-Präsident steht dabei über einem dunkelhäutigen Sklaven.

Die Gruppe «The Freedom Neighborhood» hat am 23. Juni ihren Plan verkündet, die Statue von Abraham Lincoln (im Hintergrund) abreissen zu wollen. Sie steht in Washington D. C. Der Ex-Präsident steht dabei über einem dunkelhäutigen Sklaven.

Jim Lo Scalzo / EPA

Doch nicht nur die Polizei steht bei den aktuellen Protesten in der Kritik. Inzwischen ist auch eine Debatte um die amerikanische Erinnerungskultur entbrannt. Demonstranten aber auch einige Politiker fordern etwa die Umbenennung von Strassen und Militärbasen, die nach militärischen Führern der Konföderierten aus den Südstaaten benannt sind, wo die Sklavenhaltung noch lange üblich war. Auch Statuen, etwa jene des Entdeckers Christopher Kolumbus, als auch die Konföderiertenflagge sollen aus der Öffentlichkeit verschwinden. Zuletzt häuften sich Nachrichten von Entfernungen oder gar Beschädigungen von Denkmälern in den USA. Tatsächlich hat das Armed Service Committee des Senats das Verteidigungsministerium beauftragt, die Namen jener Militärbasen, Strassen, Flugzeugen und Schiffen zu ändern, die nach konföderierten Generalen benannt sind. Präsident Trump hingegen hat angekündigt, sein Veto einzulegen. Es ist also noch nicht ausgemacht, dass der Beschluss von Anfang Juni Gesetz wird.

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Der Gliedstaat New York verbietet seiner Polizei die Anwendung des Würgegriffs. Der Gouverneur des Gliedstaats New York, Andrew Cuomo, hat am 12. Juni ein erstes Gesetzespaket mit Reformen unterzeichnet. Es sieht unter anderem maximale Haftstrafen von bis zu 15 Jahren für Polizisten vor, die durch einen Würgegriff Menschen verletzen oder töten. Ausserdem sollen künftig die Akten zu Fehlverhalten und Disziplinarverfahren von Polizisten leichter einsehbar sein.

Auch Minnesotas Gouverneur Tim Walz hatte am 5. Juni angekündigt, den polizeilichen Würgegriff verbieten zu lassen. Ausserdem sollen Polizisten künftig verpflichtet sein, unrechtmässige Gewaltanwendung ihrer Kollegen zu unterbinden und zu melden. Ob und wann die entsprechende Regelung in Kraft tritt, ist noch unklar. Eine Mehrheit des Stadtrats in Minneapolis will noch weiter gehen und die örtliche Polizei durch eine neue Organisation für öffentliche Sicherheit ablösen, da das örtliche Polizeikorps nicht mehr reformierbar sei.

Auf Regierungs- und Parlamentsebene bemühen sich die USA um Reformen bei der Polizei. Präsident Donald Trump hat eine Verordnung unterzeichnet, welche die Einrichtung eines landesweiten Informationssystems vorsieht. Darin verzeichnet sein sollen Polizeibeamte, die wegen exzessiven Gewalteinsatzes aufgefallen sind oder diszipliniert wurden. Bisher brauchten solche Beamten selbst nach einer Entlassung nur in ein andere Stadt, in ein anderes County oder in einen anderen Gliedstaat zu ziehen, wo man von allfälligen Verfehlungen nichts wusste. Im amerikanischen Senat haben die Republikaner um Tim Scott einen Gesetzesentwurf für eine Polizeireform vorgelegt. Dieser zielt auf den Würgegriff und mögliche frühere Vergehen im Dienst ab. Ausserdem plädieren die Republikaner für einen verstärkten Einsatz von Körperkameras. Im Kongress hatten die Demokraten einen ähnlichen Entwurf gegen Polizeigewalt vorgestellt. Der demokratischen Speakerin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, geht der Entwurf der Republikaner aber nicht weit genug.

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Die vier noch lebenden früheren Präsidenten der USA haben den systematischen Rassismus in ihrem Land verurteilt. Jimmy Carter, Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama kritisierten in Stellungnahmen die anhaltende Ungleichheit und die Benachteiligung Schwarzer in den USA. Bei allen schwang auch – mehr oder weniger direkt – Kritik an der Regierung von Präsident Donald Trump mit.

Trump äussert sich täglich zu den Protesten. Zwei Tage nach dem Vorfall kondolierte er Floyds Angehörigen und versprach: «Der Gerechtigkeit wird Genüge getan!» Im Hinblick auf die zunehmenden Gewaltexzesse und Plünderungen änderte er jedoch seine Tonlage: «Diese Schlägertypen entehren das Andenken an George Floyd, und das werde ich nicht zulassen», twitterte er. Falls sich die Gouverneure in den betroffenen Gliedstaaten weigerten, die nötigen Massnahmen zu ergreifen, werde er das Militär aussenden, drohte Trump am 1. Juni.

Trump macht linksradikale Gruppen für die Ausschreitungen in den Städten verantwortlich, allerdings ohne Beweise vorzulegen. «Linksradikalen Kriminellen, Verbrechern und anderen in unserem Land und auf der Welt wird nicht erlaubt werden, unsere Gemeinden in Brand zu stecken.» Trump twitterte: «Wenn die Plünderungen beginnen, beginnt das Schiessen.» Führende Demokraten werfen dem Präsidenten vor, mit seinen martialischen Äusserungen zu den Ausschreitungen am Rande der Proteste nur weiteres Öl ins Feuer zu giessen. Auch aus den eigenen Reihen, der Republikaner, wird Kritik laut.

Trum hatte früh damit gedroht, militärisch gegen die Demonstranten vorzugehen. Dies scheiterte jedoch am grossen Widerstand, besonders von den Gouverneuren der Gliedstaaten und von ranghohen Militärs. Die Nationalgarde wurde vereinzelt und lediglich defensiv zur Unterstützung der lokalen Polizeieinheiten eingesetzt. Sie ist vielerorts wieder abgezogen worden, unter anderem auch aus Washington D. C.

Forderungen der Demonstranten, die Finanzierung der Polizei zusammenzustreichen, will Trump nicht nachkommen. Im Gegenteil will er die Polizeibehörden sogar verstärken. «Wir müssen die Strassen dominieren», sagte er dazu. Das müsse allerdings «mit Mitgefühl» geschehen. Trump spricht sich auch für eine bessere Ausbildung der Polizei aus. In einem Interview mit «Fox News» verurteilte er zwar das Vorgehen der Polizei im Fall George Floyd, gleichzeitig stärkte er der Polizei auch den Rücken und betonte, dass die meisten Polizisten «wirklich gute Leute» seien. Das es systematischen Rassismus bei der Polizei gibt, hatte Trump zunächst bestritten. In einem Interview mit dem Wall Street Journal räumte er Mitte Juni jedoch ein, dass es «wahrscheinlich ein wenig systematischen Rassismus in den USA gibt».

Mit Agenturmaterial.

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