Switzerland

Berner Polizei will bei Tasern aufrüsten

In der Schweiz greifen Polizisten immer öfter zum Taser anstatt zur Schusswaffe. Insgesamt 125-mal kam 2018 die Elektroschockpistole zum Einsatz, mehr als dreimal so oft wie im Jahr davor. Der markante Anstieg sei auf die zugenommene Verbreitung des im Vergleich zur Schusswaffe milderen Einsatzmittels zurückzuführen, begründet die Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten. Im Zusammenhang mit der tödlichen Schussabgabe vom vergangenen Mittwoch in Bern durch einen Polizisten stellt sich daher die Frage: Warum kam der Taser hier nicht zum Einsatz?

Ausbildungen sind im Gange

Die Antwort ist simpel: Die ausgerückte Patrouille hatte aller Wahrscheinlichkeit nach gar keine Elektroschockpistolen dabei. Dies geht zumindest aus einer Antwort der Kantonspolizei Bern hervor und entspricht dem heutigen Berner Standard. Derzeit sei ausschliesslich die Sondereinheit Enzian mit Tasern ausgerüstet, sagt Christoph Gnägi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern.

Die Spezialeinheit kommt etwa zum Einsatz, wenn ein hoher Gefährdungsgrad an Leib und Leben besteht. Von einer derartigen Gefährdung ging die Polizei am Mittwoch offenbar nicht aus. Als die Patrouille zum Elternhaus des gesuchten 36-Jährigen ausrückte, wussten die Beamten nicht, dass der aus der psychia­trischen Klinik Entlaufene bewaffnet war. «Die Schusswaffe wurde erst im Haus drinnen zum Thema», so Gnägi.

Doch schon bald ändert sich die Situation in Bern: «Die Einführung solcher Geräte ist noch in diesem Jahr geplant», sagt der Kapo-Mediensprecher. Die dazu nötigen Ausbildungen der Polizistinnen und Polizisten seien im Gange. Der Entscheid dafür sei schon vor den jüngsten Ereignissen gefallen.

Käser war skeptisch

Damit scheint die Berner Kantonspolizei ihre ursprüngliche Zurückhaltung gegenüber Tasern abgelegt zu haben und mit anderen Schweizer Polizeikorps gleichziehen zu wollen. Die Zürcher Kantonspolizei beispielsweise verfügt heute über 150 Taser. Als erstes Korps der Schweiz hat sie bereits im Oktober 2013 sogar Regional- und Verkehrspolizisten mit Elektroschockpistolen ausgerüstet – etwas, was für die Berner Kapo nicht infrage kam. Der damalige Polizei­direktor Hans-Jürg Käser (FDP) stand der Waffe kritisch gegenüber.

«Die nötigen Ausbildungen der Polizistinnen und Polizisten sind im Gange.»Christoph GnägiMediensprecherKantonspolizei Bern

Als Gründe für seine Zurückhaltung führte er einerseits die hohen Ausbildungskosten ins Feld, andererseits aber auch die Wirkung der Waffe. «Ich war schon dabei bei solchen Einsätzen. Es ist eindrücklich, was der Strom mit einem Körper macht», sagte Käser vor vier Jahren gegenüber dieser Zeitung. «Ich hätte Hemmungen, das ganze Korps mit solchen Geräten auszurüsten.»

Ermittlungen der Polizei

Der genaue Hergang des tödlichen Dramas vom Mittwoch wird nun von der Kantonspolizei Zürich ermittelt – ein übliches Vorgehen. Auch wenn es sich dabei um ein ausserkantonales Korps handelt, wie unabhängig sind Polizisten, die gegen andere Polizisten ermitteln? «Es gibt keine Alternative zur Polizei im Rahmen der Ermittlung von Straftaten», sagt dazu Christof Scheurer, Informationsbeauftragter der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern.

Die Polizei sei eine voll­wertige Strafbehörde mit entsprechenden Rechten und Pflichten. Bei ihren Ermittlungen unterstehe die Kapo Zürich zudem der Weisung und Aufsicht der Berner Staatsanwaltschaft. «Die Ermittlungsergebnisse der Kapo Zürich werden lediglich ein Puzzleteil im Gesamtbild dar­stellen», so Scheurer. Daneben wird die Staatsanwaltschaft etwa auch Einvernahmen mit Personen durchführen.

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