Switzerland

Chefsuche bei Clariant zieht sich in die Länge

Seit Juli 2019 liegt beim Chemiekonzern Clariant auch die operative Führung wieder in den Händen von Hariolf Kottmann. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich ungewöhnlich schwierig, was nicht nur an Einschränkungen wegen der Pandemie liegen dürfte.

Das Baselbieter Chemieunternehmen hat noch immer keinen Nachfolger für Hariolf Kottmann an der Spitze der Geschäftsleitung gefunden. Im Juni war innerhalb der Konzernführung noch die Erwartung, dass die Suche im Verlauf des dritten Quartals abgeschlossen werde. Nun soll es aber erst Anfang nächsten Jahres so weit sein, wie der Finanzchef Stephan Lynen im Gespräch mit der NZZ ausgeführt hat.

Lynen begründet die Verzögerung damit, dass sich das Prozedere schwierig gestalte, weil wegen der Coronavirus-Pandemie kaum physische Kontakte stattfinden könnten. Diese Erschwernis bestätigt ein bekannter Schweizer Headhunter, mit dem diese Zeitung jüngst in anderem Zusammenhang Kontakt hatte. Während Firmen im jetzigen Umfeld bereit seien, selbst für Führungspositionen auf mittleren Stufen der Hierarchie Bewerbungsgespräche online durchzuführen, seien physische Treffen bei der Auswahl eines neuen Konzernchefs unabdingbar. Kein Verwaltungsrat werde einen neuen CEO ernennen, ohne ihn vorher gesehen zu haben.

«Chef ohne Arbeitsvertrag»

Allein der Pandemie dürften sich die Probleme bei der Regelung der Kottmann-Nachfolge aber nicht zuschreiben lassen. Der Vorgänger an der Konzernspitze, Ernesto Occhiello, war im Juli 2019 nach nur neunmonatiger Tätigkeit überraschend aus dem Amt ausgeschieden. Kottmann, der das Unternehmen vor der Ernennung Occhiellos schon zehn Jahre lang als CEO geführt und sich danach zum Verwaltungsratspräsidenten hatte wählen lassen, sah sich gezwungen, die operative Leitung interimistisch erneut zu übernehmen.

Seither führt Kottmann den Konzern, wie er auch schon betont hat, «als Chef ohne Arbeitsvertrag». Mittlerweile 65-jährig, befindet er sich in einem Alter, in dem die meisten Manager auf dieser Stufe längst kürzertreten. Die Umstände der Ablösung Occhiellos sind bis heute schwer durchschaubar. Wurde der Italiener von seinem vormaligen Arbeitgeber, dem saudiarabischen Petrochemieriesen Sabic, als Divisionsleiter an seine bisherige Wirkungsstätte zurückbeordert, oder war er, wie ebenfalls behauptet wird, tatsächlich nicht in der Lage, das Vertrauen der übrigen Führungsmannschaft bei Clariant und damit auch Kottmanns zu gewinnen?

Verzichtet Kottmann auf Wiederwahl?

Diese Frage wird zumindest für die Öffentlichkeit wohl immer unbeantwortet bleiben. Klar ist indes, dass sich auch der künftige Konzernchef von Clariant zumindest zu Beginn mit Kottmann wird arrangieren müssen. Kottmann hat die Geschicke bei der Firma 12 Jahre lang geprägt und wird auch als Verwaltungsratspräsident weiterhin eine dominierende Rolle spielen, sofern er im kommenden Jahr nicht auf eine Wiederwahl verzichtet.

Offen ist, ob Kottmann noch das Vertrauen des Grossaktionärs Sabic bzw. von dessen neuem Haupteigentümer Aramco geniesst. Sabic war 2018 von Kottmann, der in der Chemiebranche als bestens vernetzt gilt, als weisser Ritter ins Unternehmen geholt worden. Der saudische Konzern erwarb von den unliebsamen aktivistischen Investoren um die US-Gruppe White Tale 24,99% des Kapitals von Clariant und erhöhte die Beteiligung später auf 31,5%.

Wertschätzung aus Saudiarabien

Der Finanzchef Lynen bezeichnet das Klima, das gegenwärtig zwischen Clariant und Sabic bzw. der saudischen Erdölgruppe Aramco herrscht, als positiv. Man spüre die Wertschätzung, die dem Unternehmen aus Saudiarabien entgegengebracht werde.

Lynen, der das Amt des Finanzchefs erst seit vergangenem April bekleidet, erklärt sich dies mit der Tatsache, dass die Geschäfte von Clariant vergleichsweise robust liefen. Das Unternehmen sei deutlich weniger von der Krise am Erdölmarkt betroffen als Sabic und Aramco. Tatsächlich hat sich Clariant in den ersten neun Monaten dieses Jahres trotz der Pandemie und deren Auswirkungen auf diverse Abnehmerbranchen der Firma ansprechend gehalten. Zwar brachen die Verkäufe im fortgeführten Geschäft selbst in Lokalwährungen um 6% (in Franken sogar um 13%) auf 2,8 Mrd. Fr. ein, doch reduzierte sich die Umsatzrendite auf Stufe Betriebs-Cashflow (Ebitda) vor Einmaleffekten nur geringfügig von 16 auf 15,7%.

Dem Unternehmen kam zugute, dass seine Aktivitäten nach dem Verkauf des Geschäftsbereichs Masterbatches (die Einheit wurde per 1. Juli 2020 für 1,6 Mrd. $ an den US-Konkurrenten PolyOne veräussert) nicht mehr im selben Ausmass von Preisdruck betroffen sind wie vorher. Laut Lynen sorgten jüngst vor allem Geschäfte mit Firmen aus dem Konsumgütersektor (Körperpflege- und Reinigungsmittel sowie Farben) und aus der Agrochemie für Stabilität. Das Management ist trotz dem starken erneuten Anstieg der Coronavirus-Fallzahlen auch für die Schlussmonate zuversichtlich. Bemerkenswerterweise rechnet es sogar mit «weniger negativen Auswirkungen» der Pandemie im vierten als im dritten Quartal.

Abbau von 600 Stellen läuft

Der neue Konzernchef könnte so gesehen, falls er denn tatsächlich bis Anfang nächsten Jahres bereitsteht, ein Unternehmen in robuster Verfassung übernehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte nach Erwartung Lynens auch der schon früher kommunizierte und mit Effizienzüberlegungen begründete Abbau von 600 Stellen vollendet sein. Die Veräusserung des Geschäftsbereichs Pigmente, dessen Wert Analytiker bis anhin auf 600 Mio. bis 800 Mio. Fr. geschätzt haben, wird aller Voraussicht nach aber der neue CEO zum Abschluss bringen müssen. Zwar sei das Interesse aufseiten möglicher Käufer gross, doch erwarte man erst Mitte 2021 eine Einigung, sagte Lynen.

Football news:

Anton Ferdinand über den rassistischen Terry-Skandal: mir wurde eine Kugel per post geschickt. Die Beleidigungen in den sozialen Netzwerken kamen jede Stunde
Man City hat für den 17-jährigen argentinischen Nationalspieler Sarmiento 19 Millionen Euro angeboten, Manchester City verhandelt über einen Transfer von Estudiantes-Trainer Dario Sarmiento. Das startangebot der Bürger Liege bei 19 Millionen Euro inklusive Boni, berichtet Insider Fabrizio Romano. Wenn der 17-jährige Argentinier dem Wechsel zugestimmt hat, wird er im Juni 2021 an den vereinsstandort kommen, um seine Zukunft bei den Klubs der City Football Group zu besprechen. Neben Manchester City sind es noch 9 Teams in Spanien, Frankreich, den USA und anderen Ländern
Rehhagel ist ein Bandit, von dem ich keine Entschuldigung annehmen werde. Die Geschichte der schlimmsten Verletzung in der Geschichte der Bundesliga
Die Wahl des Präsidenten von Barcelona wird am 24. Januar stattfinden
Koke: um die Bayern zu schlagen, muss man ein nahezu perfektes Spiel machen. Ich hoffe, dass Ihre Serie ohne Niederlage morgen unterbrochen wird
Löw könnte Müller, Boateng und Hummels zurück in die Deutsche Nationalmannschaft Holen, wenn es viele Verletzungen gibt
Nacho über das Spiel von Real Madrid: so werden Titel nicht gewonnen. Real-Verteidiger Nacho Fernandez hat sich über die letzten Auftritte der Mannschaft geäußert