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Der neue Pinocchio-Film: Pädagogisch überholt

An die 30 Mal wurde Carlo Collodis zunächst ab 1881 in einer italienischen Wochenzeitung als Fortsetzungsgeschichte erschienene und dann zum Buch ausgebaute Geschichte um den ungezogenen Holzjungen Pinocchio seit 1911 verfilmt. Und ungebrochen scheint die Faszination des Kinderbuchs, denn für 2021 wird nicht nur eine Stop-Motion-­Animation von Guillermo del Toro angekündigt, sondern ­parallel arbeiten auch Robert Zemeckis mit Tom Hanks und Ron Howard mit Robert Downey Jr. an Realfilm-Adaptionen.

Berauschende Bilder und Roberto Benigni

Matteo Garrone ist zwar eher für harte Filme wie den Mafiafilm «Gomorrha» und «Dogman» bekannt, bewies aber schon 2015 mit dem visuell überbordenden «Das Märchen der Märchen» sein Gespür für die bildmächtige und einfallsreiche Verfilmung von Märchen. In jeder Einstellung spürt man nun in seinem Realfilm «Pinocchio» seine Liebe zur Vorlage.

In prächtigen, in goldgelbes Licht getauchten Bildern (Kamera: Nicolai Brüel) beschwört er die pittoreske Landschaft der Toskana und erweckt mit grosser Liebe zum Detail das Dorf, in dem der arme Tischler Gepetto (Roberto Benigni) wohnt, zum Leben. Genau hält sich Garrone an die Vorlage, verzichtet auf Modernisierungen oder Brechungen und erzählt mit viel Gefühl diese ungewöhnliche Vater-Sohn-Geschichte.

Grossartig gelungen sind auch die von Mark Coulier geschaffenen Masken der von Schauspielern gespielten Holzfigur, des betrügerischen Duos Fuchs und Katze oder einer Schnecke, die Pinocchio aufnimmt. Ergänzt wird dies durch perfekte Animation bei der Verwandlung Pinocchios in einen Esel, beim Wachsen seiner Nase, als er lügt, oder eines riesigen Wals.

Überholte, unzeitgemässe Pädagogik

Gleichzeitig erstarrt Garrone aber geradezu in Ehrfurcht vor der Vorlage und beschränkt sich auf eine Eins-zu-eins-Umsetzung von Collodis Buch. Bieder und uninspiriert ist die Erzählweise, nichts findet man hier von der mitreissenden Fabulierfreude und den spektakulären Bildeinfällen, die «Das Märchen der Märchen» kennzeichneten. Die Geschichte steht ganz im Zentrum, Garrone tritt hinter sie zurück. Deutlich wird dadurch auch, wie sehr die Botschaft des Buchs quer zu heutigen Erziehungsregeln steht. Da wird nämlich nicht die Selbstständigkeit der Holzfigur gefeiert, sondern vielmehr wird dazu angehalten, dem Vater zu gehorchen, brav die Schule zu besuchen und zu lernen, während Lügen ebenso mit der langen Nase wie das Schwänzen der Schule mit Entführung durch ein Marionettentheater und die Lust auf ein grenzenloses Spieleland mit Verwandlung in einen Esel bestraft werden.

Nicht nur diese zwar der Vorlage entsprechende, aber überholte schwarze Pädagogik wirkt unzeitgemäss, sondern auch insgesamt wirkt dieser «Pinocchio» wie aus der Zeit gefallen. So sehr man die runde und geschlossene Inszenierung bewundern mag, so sehr Roberto Benigni als armer, aber liebender und sich über diesen Holzsohn freuender Vater Gepetto ebenso wie alle anderen Figuren dank des empathischen Blicks Garrones überzeugen, und so sehr man dieses sanfte Plädoyer für Menschlichkeit schätzen mag, so sehr fragt man sich doch, wer diesen Film sehen will: Zu behäbig dürfte für Kinder der Erzählrhythmus sein, zu geradlinig und einfach für Erwachsene die Erzählweise, die zwar viel Augenschmaus bietet, aber jede Originalität und eine zweite Ebene vermissen lässt.

«Pinocchio» von Matteo Garrone (Italien, 2019). Ab Do in den Kinos.

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