Längst ist es spät geworden im Estadio de la Ceramica in Villarreal, aber das Lächeln des kleinen Zauberkünstlers ist gleichwohl herzlich. Da steht er also, Thiago Alcantara, Regisseur in diesem hoffnungsgeladenen spanischen Team. Umringt von vielen Radioantennen, die irgendwie völlig aus der Zeit gefallen wirken, aber noch immer ihren Zweck erfüllen.

In Spanien, da wird der Fussball-Star nach dem Spiel in der Medienzone direkt verbunden mit dem Hörer und Experten im Stadion. Und beantwortet deren Fragen.

Als die Pflicht getan ist, wendet sich Thiago der «Nordwestschweiz» zu. Und nimmt sich exakt 26 Sekunden Zeit, um über das Schweizer Nationalteam zu sprechen. Doch das – der Spanier ist des schnellen Sprechens ja durchaus mächtig – reicht, um der Schweiz ein kleines Kompliment zu machen. Verdient ist das nach einem 1:1 gegen einen der grössten Anwärter auf den WM-Titel durchaus.

Thiago Alcantara hatte ein Kompliment für die Schweizer Leistung übrig.

Thiago Alcantara hatte ein Kompliment für die Schweizer Leistung übrig.

«Die Schweizer möchten den Ball haben und spielen, das gefällt mir. Sie haben eine klare Ordnung, auch gegen vorne. Und sie verfügen über schnelle Spieler. Ich denke, sie werden sich gut präsentieren auf der russischen Bühne.»

Thiago traut der Schweiz an der WM also eine gute Rolle zu. Natürlich, vielleicht ist da auch ein bisschen Respekt für den Gast dabei. Aber ein wenig Eindruck hat die Schweizer Stabilität auch dem Bayern-Star gemacht. Schliesslich erinnerten die letzten Gäste – Argentinien – nach einer 1:6-Packung eher an elf aufgespiesste Toreros als an Widerstand leistende Opponenten.

Was aber halten die Schweizer selbst von diesem 1:1 gegen Spanien im ersten WM-Testspiel? Soll das Resultat mehr zählen? Oder der Fokus doch eher auf dem Auftritt als ganzem liegen? Einem Auftritt, der auch zeigte, dass der Schweiz schon noch einiges fehlt, um im spielerischen Bereich mit Topteams mitzuhalten – gerade in der Offensive.

Die Spieler bewerteten ihre Leistung durchaus kritisch. Jeder, der im Anschluss an die Partie seine Überlegungen kundtat, erkannte Verbesserungspotenzial. Das ist gewiss nicht die schlechteste Herangehensweise.

Yann Sommer hate im Test gegen Spanien doch mehr zu tun, als ihm wohl lieb war.

Yann Sommer war als Torhüter häufiger mittendrin im Geschehen, als er sich das noch aus den meisten Spielen der WM-Qualifikation gewohnt war. Er sagte: «Mit dem Resultat nehmen wir ein positives Gefühl in Richtung WM mit. Aber manchmal hätte schon ein bisschen mehr Entlastung gelingen müssen.» Seine Erkenntnis, die er mitnimmt, lautet: «Wir wissen jetzt, dass wir schwierige Situationen überstehen können. Dass wir nicht auseinanderfallen.»

Das liegt auch an ihm. Sommer zeigte einige gute Paraden, er ist schon jetzt in WM-Form.
Während die Schweizer Abwehr dem Druck eines der grössten WM-Favoriten mehrheitlich gut standhielt, wurden die Defizite in der Offensive schon ab und zu offensichtlich.

Auch Xherdan Shaqiri sah das so. «Wir können einige Dinge verbessern. Manchmal müssten wir den Ball besser halten. Oder die Konter besser ausspielen. Überhaupt gedanklich schneller agieren.» Er selbst hatte nicht seinen besten Abend. Weder auf dem Flügel noch in der Mitte nach der Pause kam er richtig zur Geltung.

Switzerland's midfielder Xherdan Shaqiri, left, fights for the ball with Spain's defender Jordi Alba, right, during an international friendly soccer match in preparation for the upcoming 2018 Fifa World Cup in Russia between Spain and Switzerland at La Ceramica stadium in Villarreal, Spain, Sunday, June 3, 2018. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Xherdan Shaqiri (links) kam im WM-Test gegen die Spanier (hier mit Jordi Alba) des öfteren zu spät.

Switzerland's midfielder Xherdan Shaqiri, left, fights for the ball with Spain's defender Jordi Alba, right, during an international friendly soccer match in preparation for the upcoming 2018 Fifa World Cup in Russia between Spain and Switzerland at La Ceramica stadium in Villarreal, Spain, Sunday, June 3, 2018. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Mit dem Spiel gegen Spanien wollten die Schweizer das erste WM-Spiel gegen Brasilien simulieren. Einiges wird durchaus ähnlich sein am 17. Juni. «Aber», warnt Valon Behrami, «an der WM wird alles anders sein. Das Tempo im Spiel. Die Stimmung. Der Druck. Wirklich vergleichbar ist das nicht.»

Behrami vertritt die Ansicht, dass die Schweiz schon noch einiges lernen muss, um weiterzukommen. «Wir hatten einige Fehler zu viel, die den Spaniern gute Möglichkeiten offerierten. Manchmal gelang es uns nicht, die richtige Entscheidung zu treffen.»

Behrami sprach die Absicht an, von hinten heraus zu kombinieren. «Das ist schon gut. Aber wir dürfen es nicht übertreiben. Wenn Spanien unter Druck gerät, scheuen sie sich auch nicht, den langen Ball zu spielen. Diese Balance müssen wir noch finden.»

12 Tage Zeit bleiben noch. Dann wartet Brasilien. Und die Schweiz wird wissen, wie gut sie tatsächlich ist.