Switzerland

Eine Konkurswelle ist derzeit nicht in Sicht, mehr Stellensuchende – und alles Weitere zur Wirtschaftserholung in Echtzeit

In der Corona-Krise verändert sich die Wirtschaftslage fast im Wochenrhythmus. Wir zeigen mit neuartigen Daten in siebzehn Grafiken den Verlauf der Krise – und wo wir gegenwärtig stehen.

Matthias Benz, Gerald Hosp, René Höltschi, Nicole Rütti, Florian Seliger

«Kommt es zu einer Konkurswelle und Massenentlassungen?», so lautet die Frage, die Konjunkturforscher derzeit wohl am meisten bewegt. Treten solche Krisenphänomene gehäuft auf, wird die Erholung wohl Jahre auf sich warten lassen. Die Folgen wären Wohlstandsverluste auf breiter Front. Bleiben hingegen solche schwerwiegenden Krisenfolgen aus, stünden die Chancen auf eine allmähliche wirtschaftliche Erholung ohne einschneidende Spätfolgen gut.

Verfolgt man den Konkursverlauf, so besteht Grund zur Hoffnung: Die Daten der Plattform Moneyhouse, die sich auf tägliche Handelsregistereinträge abstützt, lassen momentan jedenfalls keine grösseren Abweichung gegenüber dem Vorjahr erkennen. Dies hängt nicht zuletzt mit dem vom Bundesrat verkündeten vorübergehenden Rechtsstillstand im Betreibungswesen mit anschliessenden «Betreibungsferien» zusammen, der zu einer Entlastung der Unternehmen beigetragen hat: Bis zum Ende der gesetzlichen Betreibungsferien, dem 19. April, ist die Anzahl der Konkurse und Liquidationen stark zurückgegangen. Danach zeigt sich ein gewisser Aufholeffekt, doch der befürchtete Aufwärtssprung ist bisher ausgeblieben. Im Juli ist die Zahl der Firmenschliessungen wohl auch saisonal bedingt gar zurückgeglitten.

Eine Analyse der KOF Konjunkturforschungsstelle bestätigt die NZZ-Analyse, dass die Anzahl der Firmenkonkurse in den letzten Monaten in keiner Grossregion und in keinem Wirtschaftsbereich deutlich über der erwarteten Häufigkeit («Übersterblichkeit») lag. Zwischen März und Juli 2020 gab es im Gegenteil 21% weniger Konkurse als in der Vorjahresperiode, im Baugewerbe und Handwerk waren im Schnitt sogar 32% weniger Konkurse zu verzeichnen.

Interessanterweise sind auch das vom Lockdown stark betroffene Gastgewerbe und die Freizeit-/Unterhaltungsindustrie bisher wenig davon betroffen worden. Im Gegenzug scheint die Corona-Krise eine höhere Konkurshäufigkeit im Gross- und Einzelhandel zu verursachen.

Der Einbruch zeigte sich in allen Grossregionen, allerdings unterschiedlich stark. Während es im Tessin zu fast 50% weniger Konkursen kam, waren es in der Zentralschweiz nur 10% weniger. Einzig der Kanton Wallis verzeichnete im Juni und Juli überdurchschnittlich viele Firmenpleiten.

Für eine Entwarnung gibt es vorderhand keinen Anlass, da einige Firmenschliessungen durch den erleichterten Zugang zu Kurzarbeit, das Covid-19-Kreditprogramm oder den bis Anfang April geltenden Betreibungsstopp lediglich aufgeschoben worden sein dürften. Ausserdem hat die Konkurshäufigkeit auch nach vergangenen Wirtschaftskrisen nicht abrupt, sondern jeweils graduell zugenommen. Es könnte durchaus sein, dass die befürchtete Konkurswelle erst zeitverzögert im Herbst oder Winter eintritt.

Nach dem Ende der «Betreibungsferien» ist die Anzahl der Konkurse wieder auf Vorjahresniveau

Anzahl Konkurse und Liquidationen pro Tag, gleitender Sieben-Tage-Durchschnitt

Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 202002040608010012012

1 Rechtsstillstand im Betreibungswesen (18. März)

2 Ende der gesetzlichen «Betreibungsferien» (19. April)

Die Anzahl der Konkurse liegt überall ungefähr auf Vorjahresniveau

Anzahl Konkurse und Liquidationen pro Tag nach Grossregionen, gleitender 14-Tage-Durchschnitt

Die Anzahl der Konkurse liegt überall ungefähr auf Vorjahresniveau - Anzahl Konkurse und Liquidationen pro Tag nach Grossregionen, gleitender 14-Tage-Durchschnitt

Firmenneugründungen bilden die andere Seite der Medaille – wenn Unternehmen aus dem Markt ausscheiden, können diese wenigstens teilweise durch neue Unternehmen ersetzt werden. Die Zahl der Neugründungen ist erwartungsgemäss mit Beginn des Lockdown eingebrochen. Mit den Lockerungen stieg sie im Mai wieder an.

Von Juni bis Mitte Juli erreichte die Zahl der Firmenneugründungen sogar ein Rekordniveau. Ende des zurückliegenden Monats liess die Gründungsdynamik wieder etwas nach, sie bewegt sich jedoch immer noch über dem Vorjahresniveau.

Nachholeffekt nach Ende des Lockdown

Anzahl Neugründungen von Firmen pro Tag, gleitender Sieben-Tage-Durchschnitt

Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 202001002003001234

1 Lockdown: Schliessung von Läden und Restaurants (16. März)

2 Öffnung von Baumärkten, Coiffeur- und Kosmetiksalons (27. April)

3 Öffnung von Läden und Restaurants unter Auflagen (11. Mai)

4 Grenzöffnung zu allen EU-/Efta-Staaten (15. Juni)

Warum ausgerechnet jetzt Firmen gegründet werden, kann unterschiedliche Ursachen haben: Vermutlich spielen Nachholeffekte eine grosse Rolle, zum Beispiel, wenn Gründungen verschoben oder erst verspätet bearbeitet wurden. Möglicherweise sind während der Zeit im Lockdown Ideen für neue Geschäftsmodelle entstanden. Schliesslich könnten auch wirtschaftliche Not und Arbeitslosigkeit Motive sein für eine Flucht in die Selbständigkeit.

Die Corona-Krise wird mittelfristig wohl deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Täglich verfügbare Daten aus dem Job-Room des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen, dass die Zahl der registrierten Kandidaten, die eine Stelle suchen, zurzeit deutlich höher als im Vorjahr ist. Derzeit treffen dort 184 000 gemeldete Stellensuchende auf 45 000 offene Jobs.

Die Zahl der Stellensuchenden liegt deutlich über Vorjahresniveau

Anzahl der Kandidaten im Job-Room-Portal des Seco (in Tausend)

Jan. 2020Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020050100150200

Auch wöchentliche Daten aus den USA zeigen, dass die Zahl der Stellenangebote immer noch unter dem Vorkrisenniveau liegt. Am Höhepunkt der Krise Ende April bestand eine Differenz von 40%, zurzeit liegt der Wert bei minus 8% gegenüber dem Durchschnittswert vom Januar.

Die Zahl der Stellenangebote liegt 8 Prozent unter dem Niveau vom Januar

Job-Angebote in den USA, in % des Januar-Werts

Jan. 2020Jan. 2020Jan. 2020Jan. 2020Febr. 2020Febr. 2020Febr. 2020Febr. 2020März 2020März 2020März 2020März 2020April 2020April 2020April 2020April 2020Mai 2020Mai 2020Mai 2020Mai 2020Mai 2020Juni 2020Juni 2020Juni 2020Juni 2020Juli 2020Juli 2020Juli 2020Juli 2020Juli 2020Aug. 2020–40–20020

Das Mobilitäts- und Kaufverhalten der Schweizer hat sich im Juli wieder vollständig normalisiert. Darauf deutet ein Aktivitätsindex der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) hin.

Der täglich aktualisierte Index erfasst einerseits Mobilitätsdaten wie die (mittels Smartphone-App gemessenen) zurückgelegten Tagesdistanzen, die täglichen ÖV-Frequenzen oder das Verkehrsaufkommen im Individualverkehr. Andererseits werden die Kaufaktivitäten der Schweizer gemessen, etwa anhand des Einsatzes von Bank- und Kreditkarten sowie von Google-Suchanfragen für Einkaufswaren.

Der Indikator zeigt einen deutlichen Rückgang der Aktivitäten bereits vor der Ausrufung der ausserordentlichen Lage durch den Bundesrat. Seit dem Tiefstand Ende März war jedoch eine graduelle Erholung zu verzeichnen. Laut dem Indikator haben sich die Kaufaktivitäten jedoch stärker und früher erholt als die Mobilität.

Stärkere Erholung bei den Kaufaktivitäten

Der Aktivitätsindikator bildet die Mobilität (z. B. Verkehrsaufkommen und täglich zurückgelegte Kilometer) und die Einkaufs- und Verkaufsaktivität (z. B. das Volumen und die Anzahl von Kredit-​ und Debitkartentransaktionen sowie Google-​Suchen nach Einkaufswaren) ab.

Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020–30–20–10010123456

1 «Besondere Lage»: Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern (28. Februar)

2 «Ausserordentliche Lage»: Schliessung von Läden, Restaurants und Freizeiteinrichtungen (16. März)

3 Öffnung von Baumärkten, Coiffeur- und Kosmetiksalons (27. April)

4 Öffnung von Schulen, Läden und Gastronomie (11. Mai)

5 Grenzöffnung zu allen EU-/Efta-Staaten (15. Juni)

6 Lockerung der meisten Massnahmen (22. Juni)

Der Indikator erlaubt auch eine Unterscheidung zwischen den Aktivitäten im In- und im Ausland. Nachdem die Schweizer lange zurückhaltend gewesen waren, reisten sie Mitte Juli wieder häufiger über die Grenzen.

Die Auslandsaktivitäten haben sich vollständig erholt

Der Aktivitätsindikator bildet die Mobilität und die Einkaufs- und Verkaufsaktivität ab und lässt sich in Inlands- und in Auslandsaktivität (z. B. Auslandsreisen, Einkaufstourismus) aufsplitten.

Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020–40–30–20–10010123456

1 «Besondere Lage»: Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern (28. Februar)

2 «Ausserordentliche Lage»: Schliessung von Läden, Restaurants und Freizeiteinrichtungen (16. März)

3 Öffnung von Baumärkten, Coiffeur- und Kosmetiksalons (27. April)

4 Öffnung von Schulen, Läden und Gastronomie (11. Mai)

5 Grenzöffnung zu allen EU-/Efta-Staaten (15. Juni)

6 Lockerung der meisten Massnahmen (22. Juni)

Wirtschaftlich von grosser Bedeutung ist der Privatkonsum, er steuert in der Schweiz mehr als die Hälfte zum Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. Einen detaillierten Einblick in das Konsumverhalten während der Corona-Krise liefert das Projekt «Monitoring Consumption Switzerland» von Martin Brown und Matthias Fengler (Universität St. Gallen), Rafael Lalive (Universität Lausanne), dem Daten-Unternehmen Novalytica und Robert Rohrkemper (Worldline/SPS).

Die Forscher haben gesamtschweizerische Konsumdaten auf Wochenbasis erhoben. Diese messen, welche Ausgaben die Schweizer mit Bank- und Kreditkarten tätigen und wie viel Bargeld sie an Automaten abheben. Die Berücksichtigung aller Zahlungsarten ist wichtig, um die Konsumentwicklung verlässlich abzuschätzen, da jetzt mehr mit Karte bezahlt wird als vor der Corona-Krise.

Erholung des Konsums in der Schweiz

Wöchentliche Ausgaben mittels Bank- und Kreditkarten sowie Bargeldbezüge an Automaten, Schweizerfranken (in Milliarden)

Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 20200123123456

1 «Besondere Lage»: Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern (28. Februar)

2 «Ausserordentliche Lage»: Schliessung von Läden, Restaurants und Freizeiteinrichtungen (16. März)

3 Öffnung von Baumärkten, Coiffeur- und Kosmetiksalons (27. April)

4 Öffnung von Schulen, Läden und Gastronomie (11. Mai)

5 Grenzöffnung zu allen EU-/Efta-Staaten (15. Juni)

6 Lockerung der meisten Massnahmen (20. Juni)

Die Daten dokumentieren den Verlauf der Krise. Als am 16. März der Lockdown in Kraft trat, brach der Konsum massiv ein. Mit den Lockerungen Ende April setzte hingegen eine erstaunliche Erholung ein.

Im Mai und im Juni konsumierten die Schweizer fast wieder wie vor der Krise. Gegen Anfang Juli zeigten sich die Schweizer besonders konsumfreudig, ihre wöchentlichen Ausgaben lagen so hoch wie noch nie in diesem Jahr. Bei der Interpretation des Rückgangs Ende Juli muss man berücksichtigen, dass dies generell die umsatzschwächsten Tage eines Jahres sind.

Auch wenn momentan alle Kantone im Plus sind, zeigt ein Vergleich der Ausgaben mit Bankkarten gegenüber dem Vorjahr, dass Bergkantone momentan am meisten profitieren, was wohl mit dem vermehrten Inlandtourismus zu tun hat.

Die reinen Bergkantone profitieren im Moment besonders

Veränderung der Ausgaben mittels Bankkarten sowie der Bargeldbezüge an Automaten gegenüber Vorjahr in % (letzte vier Wochen)

Die reinen Bergkantone profitieren im Moment besonders - Veränderung der Ausgaben mittels Bankkarten sowie der Bargeldbezüge an Automaten gegenüber Vorjahr in % (letzte vier Wochen)

Allerdings sind die Daten – wie alle Echtzeit-Indikatoren – mit Vorsicht zu interpretieren. Die Entwicklung bedeutet nicht per se, dass das Vorkrisenniveau bereits wieder gänzlich erreicht worden ist. So geben die Schweizer auch in normalen Jahren im Frühling mehr Geld aus als am Jahresanfang. Zudem spiegeln die gezeigten Daten nur einen Teil des gesamten Privatkonsums, dieser umfasst etwa auch Ausgaben für die Miete oder für Autokäufe. Insgesamt dürfte der Privatkonsum derzeit noch um einige Prozentpunkte niedriger liegen, als es normalerweise zu erwarten wäre.

Wie hat sich die gesamte Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt, BIP) während der Corona-Krise entwickelt? Den ersten umfassenden Indikator dazu haben Forscher der Österreichischen Nationalbank erstellt. Dieser zeichnet den Wirtschaftsverlauf auf wöchentlicher Basis nach.

Zum Beispiel wird mittels Daten zur Benutzung von Bankkarten und Bargeld der Privatkonsum abgeschätzt. Informationen zum Lastwagenverkehr an der Grenze liefern Hinweise auf die Exporttätigkeit. Aus dem Stromverbrauch lässt sich auf die Industrieaktivität schliessen.

Der wöchentliche BIP-Indikator für Österreich dürfte im Grossen und Ganzen auch auf die Schweiz und Deutschland übertragbar sein, wo die Wirtschaftsstruktur ähnlich ist.

BIP-Lücke schliesst sich langsam, aber stetig

Wöchentlicher BIP-Indikator für Österreich, Veränderung gegenüber dem Vorjahr, in %

März 2020März 2020März 2020März 2020März 2020April 2020April 2020April 2020April 2020Mai 2020Mai 2020Mai 2020Mai 2020Juni 2020Juni 2020Juni 2020Juni 2020Juni 2020Juli 2020Juli 2020Juli 2020Juli 2020–30–20–100101234567

1 Lockdown tritt in Kraft (16. März)

2 Öffnung kleiner Geschäfte (14. April)

3 Öffnung aller Geschäfte (2. Mai)

4 Öffnung der Restaurants (15. Mai)

5 Öffnung Hotels, Pensionen und Freizeiteinrichtungen (29. Mai)

6 Grenzöffnung zu den meisten europäischen Ländern (15. Juni)

7 Wiedereinführung Maskenpflicht in Supermärkten, Bank- und Postfilialen

Der BIP-Indikator zeigt einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von rund 25% auf dem Tiefpunkt der Corona-Krise. Im April setzte eine Erholung ein. Aber diese hat sich im Mai und im Juni verlangsamt.

Gegenwärtig ist immer noch ein Rückstand von rund 4% wettzumachen. Das mag nicht als viel erscheinen, aber gesamtwirtschaftlich ist dies immer noch eine beträchtliche Grössenordnung. Während sich die Binnenwirtschaft spürbar belebt hat, geht mehr als die Hälfte der Lücke auf das Geschäft mit dem Ausland (Exporte, Tourismus) zurück.

In Deutschland haben Ökonomen der Deutschen Bundesbank einen wöchentlichen Aktivitätsindex (WAI) entwickelt, der die realwirtschaftliche Aktivität des Landes möglichst zeitnah messen soll. Der Index ist allerdings schwer zu interpretieren und bietet keine Momentaufnahme am aktuellen Rand.

Deutsche Konjunkturforscher achten deshalb derzeit verstärkt auch direkt auf Echtzeit-Indikatoren wie Stromverbrauch, Verkehrsdaten und Passantenaufkommen in Innenstädten.

Ein Beispiel ist der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Fahrleistungsindex, der für die Dauer der Corona-Krise für jeden Arbeitstag aktualisiert wird. Er misst die Fahrleistung der mautpflichtigen Lastwagen mit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen. Da die Lkw-Fahrleistung laut dem Statistikamt in engem Zusammenhang mit der Industrieproduktion steht, liefert der Index frühe Hinweise zur Konjunkturentwicklung.

Die Lastwagen kehren auf Deutschlands Strassen zurück

Täglicher Lkw-Maut-Fahrleistungsindex (2015 = 100, saison- und kalenderbereinigt) im Jahr 2020

Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020901001101201234

1 Lockdown: Schliessung von Geschäften (mit Ausnahmen), Kneipen usw. (16. März)

2 Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen (22. März)

3 Beginn der schrittweisen Lockerung mit der Öffnung kleinerer Läden in den meisten Bundesländern (20. April)

4 Grenzöffnung zu allen Nachbarländern (15. Juni)

Nach dem Lockdown in Deutschland ging der Lastwagenverkehr massiv zurück. Seither hat er sich spürbar erholt. Ende Juli verkehrten zum ersten Mal seit über vier Monaten wieder genauso viele Lkw wie im Vorjahr.

Umfangreiche Wirtschaftsdaten in Echtzeit gibt es für die USA. Dort hat ein Team rund um den Harvard-Ökonomen Raj Chetty im Mai das Projekt «Track the Recovery» lanciert. Es sammelt täglich oder wöchentlich verfügbare Daten zum Arbeitsmarkt, zur Lohnentwicklung, zum Privatkonsum oder zur Lage der Unternehmen.

Die Schätzungen zum Privatkonsum, die auf Daten von Zahlungsverkehr-Dienstleistern basieren, zeigen einen drastischen Verlauf der Krise. Nach dem Lockdown brach der Konsum um rund 30% ein. Nach den ersten Öffnungen erholte sich das Ausgabenverhalten der Amerikaner. Dennoch lag der Konsum Anfang August noch um rund 8% unter demjenigen vor der Krise. Da die Pandemie weiterhin um sich greift, ist von einer schleppenden Erholung auszugehen.

Erholung des Privatkonsums in den USA stagniert

Veränderung gegenüber Januar, in %

Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020–40–30–20–100101234

1 Verkündung des nationalen Notstands (13. März)

2 Kalifornien ordnet als erster US-Staat an, dass seine Bügerinnen und Bürger zu Hause bleiben sollen (19. März)

3 Präsident Trump präsentiert Richtlinien für stufenweise Lockerungen (16. April)

4 Einige Gliedstaaten schliessen wieder Bars und Freizeiteinrichtungen wegen stark steigender Fallzahlen (Anfang Juli)

Das Schweizer Marktforschungsunternehmen Evalueserve hat einen Work-Resumption-Index für 36 Länder erstellt. Er wird wöchentlich aktualisiert und misst, zu welchem Grad sich das Arbeitsleben in den einzelnen Ländern normalisiert hat.

Der Indikator basiert auf sechs Variablen: Stickstoffdioxidemissionen, Arbeitsplatz- und Ladenbesuche, Verkehrs- und Flugdaten sowie Beschränkungen für Grenzübertritte. Der Index wird in Prozent gemessen und erlaubt damit einen Vergleich zur Vorkrisenzeit.

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des Indikators über die vergangenen Wochen für alle Länder. Die Farbskala gibt an, wie stark das Arbeitsleben während dieser Zeit reduziert wurde bzw. wie es sich wieder erholt hat. Vor allem in mittel- und südeuropäischen Ländern ist das Arbeitsleben jüngst weitgehend zurückgekehrt.

Europäische Länder liegen vorne bei der Erholung des Arbeitslebens

Work-Resumption-Index, in Prozent des Vorkrisenniveaus; die Prozentzahlen rechts der Balken beziehen sich auf die zuletzt verfügbaren Wochenwerte.

Europäische Länder liegen vorne bei der Erholung des Arbeitslebens - Work-Resumption-Index, in Prozent des Vorkrisenniveaus; die Prozentzahlen rechts der Balken beziehen sich auf die zuletzt verfügbaren Wochenwerte.

Forscher der Oxford University haben zudem einen Stringency-Index zusammenstellt. Er misst, wie stark Regierungen weltweit das Alltags- und das Wirtschaftsleben eingeschränkt und diese Einschränkungen später wieder gelockert haben. In den täglich ermittelten Index fliessen etwa Schliessungen von Schulen und Läden, Verbote von Versammlungen und Veranstaltungen, Ausgangssperren oder Grenzschliessungen ein.

Der Index spiegelt nicht direkt die Wirtschaftsaktivität. Aber er bildet gewissermassen die angebotsseitigen Beschränkungen für die Wirtschaft ab: Was lässt sich wirtschaftlich machen? Kann produziert, gehandelt und gearbeitet werden? Je stärker die Restriktionen gelockert werden, desto mehr kann sich das Wirtschaftsleben grundsätzlich wieder erholen.

Die Grafik zeigt die Entwicklung des Indikators über die letzten Wochen für ausgewählte Länder. Die Farbskala richtet sich hierbei nach der Stärke der Einschränkungen. Je tiefer der Prozentwert, desto weniger Einschränkungen hat ein Land.

In Neuseeland gibt es kaum mehr Einschränkungen

Oxford-Stringency-Index, wöchentlicher Durchschnitt in Prozent; die Prozentzahlen rechts der Balken beziehen sich auf die zuletzt verfügbaren Wochenwerte.

In Neuseeland gibt es kaum mehr Einschränkungen - Oxford-Stringency-Index, wöchentlicher Durchschnitt in Prozent; die Prozentzahlen rechts der Balken beziehen sich auf die zuletzt verfügbaren Wochenwerte.

In der Corona-Krise ist der Welthandel massiv eingebrochen. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass sich der internationale Güteraustausch langsam erholt. Rund 90% des weltweiten Güterhandels werden gemessen am Gewicht per Schiff verfrachtet. Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IMF) schätzen täglich den Umfang des Seehandels anhand von Navigations- und Schiffsdaten.

Diese Zahlen zeigen einen starken Rückgang der chinesischen Exporte im Februar und im März, der deutlicher ausfällt als die Rückschläge der Ausfuhren der Euro-Länder und der USA. Dies könnte damit zusammenhängen, dass China als Werkbank der Welt gilt. Zudem dürfte in Europa und in den USA der Handel zu einem grossen Teil auch per Bahn und Strasse erfolgen.

Die Erholung ist schon fortgeschritten: Die chinesischen Exporte haben bereits wieder rund 98% der Vorjahresergebnisse erzielt.

China erlebte einen drastischen Einbruch bei den Exporten

Schiffsladungen im Jahr 2020 relativ zum Durchschnitt von 2017 bis 2019, in %

Jan. 2020Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020406080100120140

In der Corona-Krise haben vor allem die Ausfuhren von Autos gelitten, die einen Grossteil des weltweiten Handels ausmachen. Der Container-Handel und die Schiffstransporte mit Erdöl und Chemikalien sind weniger stark unter die Räder gekommen. Seit Mitte Mai steigen die Autoexporte deutlich an, wobei immer noch nur rund 80% des Niveaus der Vorjahre erreicht werden.

Einen Rückgang gab es vor allem bei den Autoexporten

Schiffsladungen im Jahr 2020 relativ zum Durchschnitt von 2017 bis 2019, in %

Jan. 2020Febr. 2020März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 202020406080100120

Ein weiterer bedeutender Teil des Welthandels wird über die Luft abgewickelt. Ökonomen der Welthandelsorganisation (WTO) greifen deshalb auch auf die Zahl der kommerziellen Flüge zurück. Zwischen Jahresbeginn und Mitte April sind die Passagier- und Frachtflüge um rund drei Viertel zurückgegangen. Seitdem steigen sie wieder an, jedoch von einer niedrigen Basis aus.

Die Flugbranche bekommt wieder Flügel

Kommerzielle Flüge weltweit, täglich (in Tausend)

Gleitender Sieben-Tage-Durchschnitt

März 2020April 2020Mai 2020Juni 2020Juli 2020Aug. 2020020406080100120

Den WTO-Ökonomen ist bewusst, dass der Indikator nicht perfekt ist. Bei der Genfer Institution geht man jedoch davon aus, dass die meisten Flüge seit März Frachtflüge waren, weil der Personenverkehr so gut wie zum Erliegen gekommen ist, was sich jetzt aber langsam wieder ändert. Neben dem Tourismus ist es für den Welthandel indes auch wichtig, dass Geschäftsleute und Dienstleister reisen können. In Passagierflugzeugen werden zudem auch Frachtgüter transportiert.

Zu Daten und Methodik. Früher sah man die Wirtschaft nur im Rückspiegel: Bis verlässliche Daten zum Wirtschaftsverlauf vorlagen, vergingen meist einige Wochen oder Monate. Aber in der Corona-Krise ist schlagartig ein grosses Interesse an zeitnahen Informationen erwacht.

Zahlreiche Ökonomen sind deshalb kreativ geworden. Sie haben neue Datenquellen erschlossen, um die Wirtschaftsaktivität fast in Echtzeit zu messen. Die Daten zeigen zum Beispiel, wie die Menschen in der Krise den Konsum eingeschränkt haben und wie sich das Wirtschaftsleben nach der Lockerung des Lockdown wieder belebt.

Wir geben einen Überblick über innovative Wirtschaftsdaten zur Schweiz, zu Österreich und zu Deutschland sowie zur weltweiten Wirtschaftsaktivität. Die gezeigten Zahlen und Grafiken werden jeweils Mitte Woche aktualisiert. So können Sie selbst verfolgen, wie die wirtschaftliche Erholung vorankommt.

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