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Erdogans Beleidigungen gegen Macron zeigen Wirkung: Türken und Araber rufen zum Boykott auf

In Frankreich markiert die Regierung Härte, nachdem ein Geschichtslehrer wegen einer Debatte über Meinungsfreiheit und Satire von einem 18-jährigen Tschetschenen brutal umgebracht worden ist. Präsident Macron lässt radikale Moscheen schliessen und Prediger des Landes verweisen. Das umstrittene «Kollektiv gegen Islamfeindlichkeit» (CCIF) will er verbieten.

Wie weit die Reaktion geht, zeigte am Samstag der Fall einer bosnisch-muslimischen Familie, die ihre Tochter kahlrasiert hatte, weil sie mit einem serbischen Christen ausging: Innenminister Gérald Darmanin hat die Ausschaffung von fünf Familienmitgliedern nach Sarajewo angeordnet.

Ganz anders, ja gegenteilig klingt es im Nahen und Mittleren Osten: Dort wird Macron der Islamfeindlichkeit, ja der Geistesgestörtheit bezichtigt. Den Wortführer dieser Anfeindungen spielt einmal mehr der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Bei einem Parteikongress ortete er «beunruhigende Zeichen einer zunehmenden Islamfeindlichkeit in Europa», um dann an «diese Person namens Macron» gewandt anzufügen: «Gehen Sie Ihre geistige Gesundheit testen!»

Frankreich ruft Botschafter aus Ankara zurück

Der französische Aussenminister Jean-Yves Le Drian bezeichnete diese persönliche Attacke als inakzeptabel und rief seinen Botschafter in Ankara nach Paris zurück. Auch behauptete er, die Türkei habe den Mord an Lehrer Samuel Paty nicht einmal verurteilt – was von türkischer Seite mit einem Twitterbeleg dementiert wird.

Die Mohammed-Karikaturen sind nur der jüngste Höhepunkt eines längeren Hickhacks zwischen Paris und Ankara. Im Libyenkrieg liegen die beiden Länder genauso über Kreuz wie in der Frage der türkischen Rohstoffsuche in griechischen Gewässern; im Konflikt in Bergkarabach stellt sich Macron derzeit schützend vor die Armenier und wirft Erdogan Einmischung vor.

Konsequenzen im arabischen Raum

Erdogans antifranzösische Tiraden zeigen langsam Wirkung im ganzen arabischen Raum. Die 57 Länder der Organisation für islamische Kooperation (OIC) verurteilten in einem Communique die «systematischen Attacken» gegen Frankreichs Muslime und behaupteten, dass «gewisse französische Verantwortliche» einen Hassdiskurs gegen sie nährten.

Am Wochenende zeigten sich erstmals konkrete Folgen. Während im Gaza-Streifen Porträtbilder Macrons verbrannt und mit Füssen getreten wurden, rief in Jordanien eine Oppositionspartei zum Boykott französischer Produkte auf. In Katar verschwinden bereits Käse und Kosmetika aus Supermarktregalen; in Kuwait streichen Tourismusagenturen Paris-Reisen aus dem Angebot.

Macron als Verteidiger westlicher Positionen

Pariser Stimmen wie die Radiostation Europe 1 fragen sich in Coronazeiten bang, ob dieser Boykott zusätzliche Konsequenzen für die französische Wirtschaft nach sich ziehen könnte. Der Politologe Hasni Abdi sieht zwar - im Unterschied zur Zeit der ersten Mohammed-Karikaturen im Jahr 2005 - noch keine geschlossene Reaktion der arabischen Welt.

Die Staatsführung sorgt sich bisher eher um die politischen Folgen. Macron ist der verbalen Auseinandersetzung mit Erdogan nie aus dem Weg gegangen, hat sie zeitweise sogar gesucht, um als Verteidiger westlicher Positionen gegen die türkischen Offensiven anzutreten. Auch in der Frage der Mohammed-Karikaturen scheute er nicht vor präsidialen Selbstinszenierungen zurück. Die geopolitischen Kollateralschäden dieser innenpolitisch motivierten Positionsbezüge beachtete er bisher kaum.

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