Switzerland

Gastrokritik: Restaurant Bären, Münsingen: Wild, wild esst

Ein holzgetäfelter Saal im wohl ältesten Gasthaus des Kantons im Oktober – da drängt sich das Verköstigen eines Wildmenüs geradezu auf. Gesagt und getan im Restaurant Bären Münsingen.

Rehpfeffer im Bären Münsingen: Ä Guete.

Rehpfeffer im Bären Münsingen: Ä Guete.

Foto: Katja Zellweger


Eine geschichtsträchtige, hölzerne Türschwelle hat das Restaurant Bären in Münsingen. In der Mitte ist sie ausgetreten. So ausgebuchtet wie ein Apfel ohne Kerngehäuse, wie ein vom Fluss über Jahre ausgeschliffener Stein. Diese Schwelle muss nun als Sinnbild für die traditionsreiche Geschichte des Hauses herhalten. Denn: Seit 1371, also fast genau 650 Jahren, wird an dieser Stelle gewirtet. Überlieferungen nach soll auch schon Napoleon höchstpersönlich hier untergekommen sein.

Zu dritt betreten wir dieses «älteste Gasthaus im Kanton Bern» mit der dunkelbraunen Holzfassade, worin Ricardo Perétua wirtet. In einer Stube, die gänzlich mit Holz und ums Eck mit einer durchgehenden Bank ausgestattet ist, nehmen wir Platz. Während wir von den anderen Gästen begutachtet werden, betrachten wir die schönen weissen, antiken Glas- und Porzellanlampen und die Gurtschnalle der sehr aufmerksamen Servicefrau. Darauf steht die Jahrzahl der Restaurantgründung.

Weil wir mit klaren Absichten gekommen sind, schenken wir vor allem der Wildkarte viel Aufmerksamkeit. Dies, obwohl auch die reguläre Speisekarte mit währschafter Kost überzeugt. Mit einem Glas Rosé
Oeil de Perdrix à Fr 5.20/dl entscheidet es sich leichter. Er verbreitet an diesem kalten und schon dunklen
Abend im Oktober noch einen Hauch Süden und versetzt uns an diesem Feierabend in wonnige
Herbstferienstimmung.

Weil wir alle zum ersten Mal heuer Wild essen, stechen die Klassiker sowohl die Quadrolini gefüllt mit Hirsch, Butterpilzen und Äpfeln an einer Preiselbeeren-Sauce (Fr. 28.–) und das Perlhuhn à l’ancienne (Fr. 30.–) aus. Zur Vorspeise gibt es einen Nüssler mit hausgemachter italienischer Sauce, Speck, Ei und Croûtons (Fr. 12.80) – comme il faut, nur über die zwiebackartigen Croûtons scheiden sich die Geister. Die zweite Testesserin bekommt eine Kürbiscremesuppe, die mit einigen Tropfen Kürbiskernöl und Kernen perfektioniert wurde. Die hier Schreibende schliesslich hat sich gegen Mille-Feuille mit Pilzragout und Blattspinat (Fr. 26.–) und für eine Suppe aus frischen Steinpilzen entschieden und es nicht bereut. Die Suppe ist wunderbar cremig und sehr geschmacksintensiv. Dazu gibts eine Flasche Yvorne «Bel-Honneur» aus der Schweiz (Fr. 51.–), kräftig, erdig, holzig.

Zum Hauptgang bestellen wir zweimal Rehpfeffer «Försterart» (Fr. 33.–) und einmal Hirschfilet-Medaillons mit Baumnussbutter überbacken (Fr. 42.–). Die Hirschmedaillons in Baumnusskruste sind nur leicht angebraten, innen fast so violett wie das Rotkraut und sehr zart. Auch das Rehpfeffer erhält viel Lob, trotz Croûtons. Beilagen sind hausgemachte Spätzli, Rotkraut, Rosenkohl und glasierte Edelkastanien. Das Rotkraut entspricht ganz unserem Geschmack – nicht zu kitschig, süss und schleimig, sondern mit deftigem Gout nach Wein, Pfeffer und Bouillon. Der weich gegarte Rosenkohl wiederum zeugt nicht von Erfindergeist. Die Garnitur hingegen schon: Gekochte Kürbisstreifchen zieren die grossen Portionen. Wir schlagen uns den Bauch so voll, dass ein Dessert leider nicht mehr drinliegt. An der frischen Luft können wir wieder klarer denken und diskutieren, ob das Rehpfeffer vielleicht sogar mit etwas Schokolade abgefertigt worden sein könnte. Eine Frage, die nur beantwortet kriegt, wer erneut über die Schwelle tritt.

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