Switzerland

Impfstoff aus Visp: Hat der Bund die Chance doch verpasst, selbst Corona-Impfstoff herzustellen?

Lonza-Präsident Albert Baehny sagt, dass er dem Bund im Mai 2020 helfen wollte, eine Impfstoffproduktionslinie in Visp zu kaufen. Doch die Beamten seien auf sein Angebot nicht eingegangen.

«Mein Angebot war: Wollen wir dies ansehen?» Lonza-Präsident Albert Baehny widerspricht Gesundheitsminister Alain Berset bei der Frage staatlicher Impfstoffherstellung.

«Mein Angebot war: Wollen wir dies ansehen?» Lonza-Präsident Albert Baehny widerspricht Gesundheitsminister Alain Berset bei der Frage staatlicher Impfstoffherstellung.

Foto: Yvon Baumann

Die Affäre um eine staatseigene Produktion des Moderna-Vakzins in Visp dreht weiter. Grund ist ein Interview mit Lonza-Präsident Albert Baehny in der «NZZ am Sonntag». Baehny sagt darin, am 1. Mai 2020 habe er bei einem Treffen mit Bundesvertretern die Möglichkeit einer staatlichen Impfstoffproduktionslinie in Visp angesprochen.

Gemäss dem Interview hätte der Bund sich diese eigene Produktionslinie für 60 Millionen Franken sichern können. Der Bund habe aber auf sein Angebot, diese Option zu prüfen, nicht reagiert, so Baehny. «Es ist nicht dazu gekommen, mit dem Bundesamt für Gesundheit darüber zu reden. Ich hätte mehr insistieren sollen.»

Für Berset hätte Investition nichts gebracht

Die Aussage des Lonza-Präsidenten birgt Zündstoff. Erstens, weil die Schweiz weiterhin stark unterversorgt ist mit Covid-19-Vakzinen. Dies, obwohl Lonza in Visp drei Produktionslinien für den Moderna-Wirkstoff betreibt. Jede Linie hat eine Produktionskapazität von rund 100 Millionen Impfdosen pro Jahr. Rein theoretisch könnte die Schweiz ihren Eigenbedarf mit einer solchen Linie sehr rasch decken.

Bundesrat Alain Berset bei einem Besuch der Impfstofffertigung von Lonza.

Bundesrat Alain Berset bei einem Besuch der Impfstofffertigung von Lonza.

Foto: Alessandro della Valle (Keystone) 

Zusätzliche Brisanz erhält Baehnys Aussage, weil Gesundheitsminister Alain Berset vor rund zwei Wochen an einer Medienkonferenz dementierte, dass der Bund eine staatliche Produktionslinie hätte übernehmen können. Gemäss Berset suchte Lonza im Mai 2020 Investoren, die die Impfstoffanlage finanzieren. Die Produktion wäre aber «zu hundert Prozent in den Händen von Moderna» geblieben, so Berset.

Für Berset hätte ein Investment in die Visper Produktion nicht nur eine Abkehr der bisherigen Schweizer Industriepolitik bedeutet, sondern dem Bund auch «überhaupt nicht geholfen, einen Zugang zur Impfung zu haben». Der Bund habe stattdessen direkt mit Moderna verhandelt und frühzeitig eine Kaufvereinbarung unterzeichnet.

Lonza-Präsident Albert Baehny räumt gegenüber der «NZZ am Sonntag» denn auch ein: «Natürlich hätte der Bund dies mit Moderna verhandeln müssen. Ich sage nicht, dass es sicher geklappt hätte. Alles, was ich damals sagte, war, dass hier eine Möglichkeit bestehen könnte.»

Baehnys Aussage fehlt im Protokoll

Wie konkret Albert Baehnys Angebot an die Bundesvertreter war, ist fraglich. Das Innendepartement von Alain Berset hat heute früh das Sitzungsprotokoll des Treffens mit Lonza vom 1. Mai 2020 publiziert. Darin heisst es zwar, Lonza möchte binnen zweier Wochen eine Antwort des Bundes in Bezug auf eine Beteiligung der Schweiz. Doch von einer staatseigenen Impfstoffproduktion oder von einem privilegierten Zugang zu Moderna-Impfdosen ist im Protokoll, das von einem Mitarbeiter des BAG erstellt wurde, nirgends die Rede.

Zudem stellte das Innendepartement eine Stellungnahme mit dem Titel «Fakten zu allfälligen Investitionen des Bundes zu Lonza» online. Auch darin heisst es, dass bei der fraglichen Besprechung zwischen Lonza und Vertretern des Bundes «eine Produktionsstrasse nur für die Schweiz kein Thema war».

Allerdings hat Lonza-Präsident Baehny nie von einer Fertigung «nur für die Schweiz» gesprochen. Denn eine staatlich finanzierte, zusätzliche Fertigungsstrasse hätte weit mehr Impfstoff produzieren können, als die Schweiz braucht. Die Idee des Lonza-Präsidenten war vielmehr, die nicht benötigten Impfdosen an Entwicklungsländer abzugeben. «Ich hatte die Vision, dass die Schweiz eine Geste machen und arme Länder mit Impfstoff unterstützen könnte», sagte Baehny. Und der Bund habe diese Idee, eine staatliche Impfstoffproduktion aufzuziehen, nicht weiterverfolgt.

Das Innendepartement hält fest, dass nach der Sitzung vom 1. Mai 2020 die Gespräche mit Moderna weitergeführt worden seien. Am 9. Juni habe der Bund mit Impfstoffhersteller Moderna vereinbart, dass die Schweiz von Moderna eine namhafte Menge Impfstoff kauft sowie dass Moderna in Visp mit Lonza produziert und dort investiert.

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