Switzerland

Junioren mit Federer in Dubai: «Er gab Tipps, die noch kein Trainer gab»

Es droht eine Dürre im Schweizer Männer-Tennis. Roger Federer, der 20-fache Grand-Slam-­Sieger, ist bereits 38 Jahre alt. Stan Wawrinka, der dreifache Major-Champion, zählt schon 34 Lenze. Ob beide nächste Saison noch spielen, ist höchst ungewiss. Die nahe Zukunft nach ­ihnen sieht düster aus.

Doch da ist eine Oase in Sicht. Und Federer ist höchstpersönlich darum besorgt, dass sie zum Erblühen kommt. Der Maestro hat drei Schweizer Talente auf das Juniorenturnier der Australian Open eingestimmt. Wie das? Nun, das kam ganz spontan. Als dem ­Baselbieter bei seinem ­Trainingsblock in Dubai ein Sparringspartner ausfiel, rief Coach Severin Lüthi am 28. Dezember im Nationalen Leistungs­zentrum in Biel an. Was wie ein Neujahrs-Scherz klang, war Tatsache: Federer bot drei Zukunftsversprechen eine Trainingswoche in den Arabischen Emiraten an. «Schon am 1. Januar sassen wir nachts im Flugzeug», ­erinnert sich Dominic Stricker (17).

Lange überlegen mussten er, ­Leandro Riedi (17) und Jérôme Kym (16) natürlich nicht. Wer von Roger gerufen wird, springt. «Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was noch besser sein könnte, als mit Roger in Dubai zu trainieren», so Leandro. Statt Indoor-Training in Biel neun Tage im warmen Dubai!

Das Trio steht für die Zukunft im Schweizer Tennis. Im Aussie-Open-Tableau des Juniorenturniers, das gestern startete, befinden sich gleich vier Schweizer – eine derart zahlreiche Teilnahme gabs noch nie!

Mit Jeffrey von der Schulenburg (17), Riedi und Stricker stehen zurzeit gleich drei in den Top 11 des ­internationalen ITF-Rankings der Junioren (unter 18 Jahren). Der ein Jahr jüngere Kym folgt auf Platz 46. Der zwei Meter grosse Teenager, der schon Davis Cup spielen durfte, feiert als einziger sein Grand-Slam-Debüt.

Das nach ­Dubai eingeladene Trio stand viermal mit Federer auf dem Platz. «Wir sollten jeweils gegen elf Uhr morgens auf die Anlage kommen», erzählt Jérôme, «ein Block dauerte rund zwei Stunden.» Sie hätten sich abgewechselt, meist seien sie zu zweit auf einer Seite gestanden und Roger allein auf der anderen, ­erzählen alle drei aufgeregt durch­einander.

Unglaubliches Mittagessen

Als Federer Pausentage einlegte, durften die Jungs weiter von den optimalen Trainingsbedingungen vor Ort profitieren. Bis es am 10. Januar nach Australien weiterging, wo sie beim Juniorenturnier in Traralgon erwartet wurden. Ein Traum, der viel zu schnell vorbeiging. Riedi zieht Bilanz in aller Namen: «Es war unglaublich, einmalig! Erst noch mit den Kollegen gehen zu dürfen – ­einfach geil.»

Nicht minder spannend seien die gemeinsamen Essen gewesen. «Zmittag mit Roger, das kommt ja nicht alle Tage vor», sagt Dominic ­lachend. Leandro ergänzt: «Einmal führte er uns sogar in dieses Hotel Burj al-Arab aus, das aussieht wie ein grosses Segel. Nur schon dort zu sein, und dann noch mit ihm am Tisch zu sitzen, war unglaublich ­speziell!» Der Bassersdorfer schätzt besonders die Gespräche mit der Tennis-Legende: «Er erkannte mein Spiel und meine Schwächen sofort, gab mir Inputs, die mir Trainer so noch nie gesagt haben.»

Einladung auf Tribüne

Auch Dominic schwärmt: «Wir ­konnten ihn alles fragen.» Ihn habe interessiert, wie man mit Verletzungen umgeht. «Egal, ob krank, verletzt oder einfach nur müde: Nichts ­anmerken lassen!», sei Rogers Rat gewesen. Leandro lacht. «Wie das geht, zeigte er ja am Freitag wieder.»

Weil Leandro und Jeffrey gestern spielen mussten, sahen sie Federers Fünfsatz-Krimi gegen John Millman nur bis zur Schlafenszeit am TV. Kym und Stricker waren live vor Ort in der «Rod Laver Arena». Einmal mehr ­eingeladen von Federer und Coach Lüthi, die ihnen Eintrittskarten ­besorgten. Keine Frage: An Inspiration mangelt es unserer Tennis-­Zukunft nicht.

Von der Schulenburg, als Junioren-Nummer 7 der Bestklassierte, scheidet gestern am ersten Tag des Juniorenturniers aus. Riedi (Rang 10) landet überglücklich gegen Stijn Pel (Ho) seinen ersten Sieg. Stricker (Rang 11) und Kym (Rang 46) sind heute dran. Alle Talente hoffen auf ihren Durchbruch. Sie wollen keine Fata Morgana sein.