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Konflikt um Nagorni Karabach: Jagd auf Armenier in französischen Städten

Die neusten Entwicklungen

Ende September ist der seit langem «eingefrorene» Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um Nagorni Karabach wieder eskaliert. Bei den Kämpfen sind bereits Hunderte von Menschen ums Leben gekommen.

Auf einem Friedhof der armenischen Hauptstadt Erewan werden Gräber für gefallene Soldaten ausgehoben. Auf armenischer Seite sind in diesem Herbst Hunderte Militärangehörige umgekommen.

Auf einem Friedhof der armenischen Hauptstadt Erewan werden Gräber für gefallene Soldaten ausgehoben. Auf armenischer Seite sind in diesem Herbst Hunderte Militärangehörige umgekommen.

Alex Mcbride / Getty

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Die mehrheitlich armenisch besiedelte Bergregion liegt innerhalb des Territoriums von Aserbaidschan. In Sowjetzeiten hatte Nagorni Karabach den Status eines autonomen Gebietes, was den in der Enklave wohnhaften Armeniern innerhalb der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik gewisse Autonomierechte gab.

Nach dem Ende der Sowjetunion im Jahr 1992 brach zwischen den neu unabhängigen Ländern Armenien und Aserbaidschan ein offener Konflikt aus. Dabei eroberte Armenien die Gebiete, welche das frühere Autonomiegebiet mit Armenien verbinden. So kann Karabach auf dem Landweg von Armenien aus versorgt werden. Es führt eine gut ausgebaute Strasse nach Stepanakert.

Nagorni Karabach nennt sich offiziell Republik Arzach und ist seit dem Ende des Krieges de facto unabhängig. Diese Eigenstaatlichkeit wird allerdings von keinem Uno-Mitglied anerkannt – nicht einmal von Armenien. Völkerrechtlich gehört das gesamte Gebiet weiterhin zu Aserbaidschan. Obwohl es in den letzten zwanzig Jahren immer wieder Kämpfe gab, hat sich der Frontverlauf nicht mehr stark verschoben.

Die ethnischen Konflikte zwischen christlichen Armeniern und muslimischen Aserbaidschanern reichen weit zurück. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Armenier im Südkaukasus in der Minderheit, zwischen 1846 und 1915 verachtfachte sich dann ihre Zahl. Dadurch nahmen die Spannungen zwischen den beiden Ethnien zu. 1905/06 und 1918/19 kam es in Baku und in armenischen und aserbaidschanischen Dörfern in Nagorni Karabach zu Massakern, denen Zehntausende Armenier und Aserbaidschaner zum Opfer fielen.

Mit der Gründung der Sowjetunion galt die Losung der Völkerfreundschaft. Der sowjetische Diktator Josef Stalin gestand den Armeniern in Nagorni Karabach zwar eine gewisse Autonomie zu, die arbiträre Grenzziehung war aber auch ein Mittel, nationale Bewegungen zu schwächen.

In der Endphase der Sowjetunion liess die Kontrolle durch Moskau nach. Die armenische war eine der ersten nationalen Bewegungen, die sich Gehör zu verschaffen begannen. 1987 formierte sich das Karabach-Komitee, das von dem Generalsekretär Michail Gorbatschow verlangte, Karabach an Armenien zu übertragen.

Im Februar 1988 kam es zu Massakern an Armeniern in der aserbaidschanischen Stadt Sumgait, in Stepanakert demonstrierten Tausende Armenier für eine Angliederung Karabachs an Armenien. Nach dem Ende der Sowjetunion brach dann ein offener Krieg aus, der von 1992 bis 1994 dauerte. Die Zahl der Toten wird auf 25 000 bis 50 000 geschätzt. Mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben: Aserbaidschaner flohen aus Armenien, Nagorni Karabach und den angrenzenden Gebieten; Armenier mussten Aserbaidschan verlassen.

Die in Stepanakert ausgerufene Unabhängigkeit der «Republik Nagorni Karabach» wird von keinem Uno-Mitglied anerkannt, auch nicht von Armenien. Vor einem formellen Zusammenschluss schreckt Erewan ebenso zurück. Nagorni Karabach ist wirtschaftlich allein nicht überlebensfähig. 50 bis 70 Prozent des Budgets sind direkt oder indirekt von Armenien finanziert. Eine gut ausgebaute Strasse verbindet Armenien mit Nagorni Karabach. Der Bau dieser Strasse direkt nach dem Ende der Kampfhandlungen war das sichtbarste Zeichen dafür, dass Armenien und das auch schon zuvor mehrheitlich von Armeniern bewohnte Gebiet näher zusammenrückten.

In Armenien wird der aserbaidschanische Angriff auf Karabach als direkter Angriff auf Armenien und das armenische Volk verstanden. Die Erfahrung des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich 1915/16 sowie die Massaker und die Vertreibungen der armenischen Bevölkerung auf dem Gebiet der aserbaidschanischen Sowjetrepublik und des unabhängigen Aserbaidschan vor und nach 1991 wirken bis heute. Darum melden sich in Erewan zahlreiche Freiwillige für den Kampf in Nagorni Karabach.

Immer wieder haben Karabach-Armenier in Erewan höchste Posten eingenommen, so zum Beispiel der frühere armenische Präsident Robert Kotscharjan. Der derzeitige Amtsinhaber Nikol Paschinjan hingegen hat keine Verbindungen zu Karabach. Bei seinem Amtsantritt 2018 kamen deshalb Hoffnungen auf, dass er Bewegung in die verfahrene Karabach-Frage bringen könnte. Paschinjans ursprünglich konziliante Haltung änderte sich aber schnell, gerade weil er sich in einem politischen Umfeld absichern musste, das sich über das Einstehen für Karabach definiert. So schickte er demonstrativ seinen Sohn zum Militärdienst in die Region.

Traditionell ist Russland die Schutzmacht der christlichen Armenier im Kaukasus, die Türkei steht dagegen den muslimischen Aserbaidschanern nahe, deren Sprache eng mit dem Türkischen verwandt ist. Russland sieht den südlichen Kaukasus als seine Einflusssphäre und hätte am ehesten die Möglichkeit, schlichtend einzugreifen. Moskau unterhält in Armenien einen grossen Militärstützpunkt.

Armenien ist Mitglied in der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, einem von Russland angeführten Militärbündnis ehemaliger Sowjetrepubliken. Im Fall eines Angriffs könnte Armenien auf die Unterstützung der Verbündeten zählen. Dies gilt aber nicht bei einem Angriff auf das Territorium von Nagorni Karabach.

Zudem unterhielt Moskau in den vergangenen Jahren nicht nur gute Beziehungen zu Armenien, sondern auch zur autoritären Führung in Aserbaidschan. Beide verfeindeten Länder belieferte es mit Waffen. Auf eine diplomatische Offensive westlicher Länder oder Organisationen würde Moskau empfindlich reagieren.

Seit Ende des Krieges 1994 sucht die sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nach einer langfristigen Lösung des Konflikts. Der von Russland, Frankreich und den USA geführte Prozess verlief bisher ergebnislos. Die OSZE kämpft gegenwärtig mit internen Problemen und konnte bis anhin nicht effektiv auf das erneute Aufflammen der Konflikte reagieren.

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