Switzerland

«Meine Verurteilung zeigt den verletzten Stolz der Schweizer Justiz»

Hervé Falciani, bald entscheidet ein spanischer Richter, ob Sie an die Schweiz ausgeliefert werden. Haben Sie Angst?
Nein. Die Schweiz scheiterte ja schon einmal mit so einem Antrag. Auf mich loszugehen, ist schlicht ein Fehler der Schweizer Justiz. Dank mir wurden weltweit Hunderte Steuersünder verurteilt. Die HSBC musste inzwischen 350 Millionen Franken in Frankreich und 40 Millionen in der Schweiz bezahlen. Da liegen doch die Verbrechen.

Spanien verlangt von der Schweiz die Auslieferung zweier Katalaninnen. Werden Sie Opfer eines Kuhhandels?
In den ersten 40 Tagen eines Auslieferungsverfahrens gibt es in Spanien eine politische Debatte. Und da meldeten sich tatsächlich spanische Politiker, die mich quasi eintauschen wollten gegen die Katalanen. Das war ein hässliches Spiel. Glücklicherweise ist dieses Mal die Schweiz nicht darauf eingestiegen.

Wovon leben Sie heute?
Ich lebe bescheiden. Derzeit arbeite ich als Finanzberater im Bereich Kundenprüfung und Betrugsermittlung.

Betrugsermittlung? Sie?
Ja. Ich arbeite für Beratungsfirmen und für einige Grosskonzerne in Panama, Hongkong und Spanien. Es gibt sogar Schweizer Firmen, die mich anfragen. Ich habe auch schon Fälle von Geldwäscherei verhindert. Daneben arbeite ich ehrenamtlich in einem Kryptowährungsprojekt namens Taboow. Ich bin CEO und Chefstratege.

Warum haben Sie sich ­entschieden, mit Bankdaten zu dealen?
Vorsicht: Die Schweiz hat mich nicht für Bankdatendiebstahl verurteilt, sondern nur für wirtschaftlichen Nachrichtendienst. Treibende Kraft war dabei ein Gefühl der Ungerechtigkeit. Die meisten Bankkunden sind ehrlich, aber gewisse nutzen das System aus. Dies musste einfach an die Öffentlichkeit.

Wirklich? Zeugen sagten, Sie wollten die Daten einfach verkaufen und viel Geld ­machen. Ihre Ex-Freundin sagte aus, Sie hätten eine ­Verkaufstour bei Banken im Libanon gemacht.
Das ist falsch! Ihre Aussagen sind voller Widersprüche. Die Schweizer Justiz hat keinerlei Beweise, dass ich im Libanon sensible Daten angeboten hätte.

Aber Sie waren dort und haben Bankdaten angeboten?
Ja, ich war im Libanon, aber ich wollte keine Daten verkaufen. Ich wollte mit der Aktion ein Verfahren in der Schweiz auslösen, was dann ja auch geschah. So wussten die Schweizer Behörden schon, dass ich Material hatte, als ich nach Frankreich flog, und sie verlangten es von den Franzosen zurück. Erst diese Anfrage aus der Schweiz erlaubte es den Franzosen, die Daten offiziell von mir zu beschlagnahmen und auszuwerten.

Sie wurden aber vorher in der Schweiz festgenommen und kamen nur per Zufall wieder frei und konnten fliehen. Sie behaupten, das war geplant?
Ich bin kein Genie. Aber wenn Sie wissen, wie die Gesetze ­funktionieren, ist das leicht. ­Deshalb werde ich auch nicht ausgeliefert. Nichts geschieht aus Zufall.

Selbst Ihr Bruder erklärte, Sie hätten die Bankdaten ­verkaufen wollen.
Das ist Quatsch! Absurd. Man muss sich auf die Beweise verlassen, nicht auf Vernehmungsprotokolle. Das hat er so bestimmt nicht gesagt. Er erfindet ja keine Dinge. Vielleicht hat er etwas unter Zwang gesagt oder weil er Angst hatte. Es haben viele gelogen in dieser Affäre. Sie haben alle gar nicht verstanden, was eigentlich passiert.

Die Schweiz hat ein umfang­reiches Verfahren gegen Sie geführt, an dessen Ende Sie in Abwesenheit verurteilt wurden.
Das Verfahren gegen mich war nicht seriös. Als ich 2010 die damals federführenden Bundesanwälte am Genfer Flughafen traf, haben sie versucht, mir einen Deal anzubieten. Ich sollte ein abgekürztes Verfahren erhalten.

Das haben Sie aber abgelehnt.
Womöglich hat man einfach versucht, die Affäre so noch zu vertuschen. Aber die Daten gingen dann ja an die Journalisten, und sie berichteten unter dem Schlagwort «Swissleaks». Nur deswegen kam es wohl zu so vielen Prozessen weltweit.

Sie haben gesagt, Ihre ­Verurteilung sei lächerlich.
Sie zeigt doch nur den verletzten Stolz der Schweizer Justiz. Das war ein Versuch, die Geschichte neu zu schreiben. Demnach gab es nur einen Kriminellen: Hervé Falciani. Aber mal ehrlich, selbst wenn die Spanier mich nun ausliefern und ich im Gefängnis landen sollte, glauben Sie wirklich, die Schweiz würde am Schluss als Retter der Gerechtigkeit dastehen? (lacht)

Könnte es nicht sein, dass Sie sich einfach später als Whistleblower umdefiniert haben?
Sehen Sie, es wird immer zwei Meinungen geben zu dieser Frage. Ich weiss ganz genau, was ich gemacht habe. Viele erlauben sich darüber nun ein Urteil. Aber wie viele von ihnen hätten den Mut, das zu tun, was ich gemacht habe? (Tages-Anzeiger)

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