Switzerland

Millionen für die Biodiversität: Der Zürcher Kantonsrat will den Einsatz für die Feldlerche verdoppeln

Der Zürcher Kantonsrat will sehr viel mehr Geld in den Schutz bedrohter Tiere und Pflanzen fliessen lassen als heute. Einzig die SVP spricht sich gegen den Gegenvorschlag zur Natur-Initiative aus.

Die Feldlerche trällert im Kanton Zürich immer seltener.

Die Feldlerche trällert im Kanton Zürich immer seltener.

Stefan Gerth / Keystone

Die Population der Feldlerche, einst einer der am häufigsten vorkommenden Vögel des Mittellands, ist ein krasses Beispiel für den Artenschwund. 1988 zählten Vogelkundler 2900 Brutpaare im Kanton Zürich. Drei Jahrzehnte später waren es weniger als ein Zehntel.

Um die Biodiversität ist es im Kanton Zürich wie anderswo nicht zum Besten bestellt. Der Zustand der Natur bleibe insgesamt unbefriedigend, die bisherigen Massnahmen reichten für den langfristigen Erhalt der bedrohten Lebensräume und Arten nicht aus, schrieb etwa die Fachstelle für Naturschutz, als sie 2017 ein Zwischenfazit zum Naturschutzgesamtkonzept zog.

Ungefähr zur selben Zeit begannen die Verbände Pro Natura, Birdlife, WWF, Aqua Viva und der kantonale Fischereiverband, eine Volksinitiative auszuarbeiten. Ihr Zweck: Der Kanton Zürich soll für Schutz von Feldlerche, Graslilie und Co. deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen als bisher. Es gebe zwar genügend Gesetze, sagt Andreas Hasler, der Geschäftsführer von Pro Natura Zürich und Kantonsrat der Grünliberalen. Sie führten aber nicht zu einer Zunahme der Biodiversität. «Wir müssen daher den Einsatz erhöhen.»

Das bedeutet laut Hasler, dass es mehr Projekte wie die Regeneration des Torfriets am Pfäffikersee braucht. Dieses Moor litt unter den Folgen des Torfabbaus, der dort früher stattgefunden hatte. Um Gegensteuer zu geben, liess die Fachstelle für Naturschutz vor zwei Jahren Wehre zur Regulierung des Wasserstands installieren und alte Gräben mit Holzwänden verschliessen, damit das Regenwasser im Torfriet zurückbehalten wird und die Lebensbedingungen seltener Arten wie der Grossen Moosjungfer verbessert werden.

Magerwiese angesät

Als weitere Beispiele nennt Hasler zwei Vorhaben aus Glattfelden und aus dem unteren Bachsertal. In Glattfelden wurden an einem Südhang zuerst unerwünschte Büsche und Bäume entfernt. Nachdem auch die oberste Bodenschicht abgetragen worden war, wurde der erschaffene Trockenstandort mit Saatgut aus Magerwiesen begrünt. An der Hohflue im Bachsertal geht es um die Pflege der Tier- und Pflanzenvielfalt in einem lichten Wald.

Das Geld hierfür stammt aus dem kantonalen Natur- und Heimatschutzfonds. 2020 zahlt der Kanton rund 27,5 Millionen Franken ein, wovon 7 Millionen Franken für den Denkmalschutz verwendet werden. Vom Rest geht ein stattlicher Anteil von 47 Prozent an die Landwirtschaft, als Ausgleich für die extensive Bewirtschaftung gewisser Flächen. Ein anderer Teil fliesst in den Unterhalt und die Pflege bestehender Schutzgebiete, was von Firmen, Vereinen oder Bauern besorgt wird. Laut Zahlen von 2015 wurde damals bloss rund ein Siebtel für neue Schutzprojekte verwendet. Aus Sicht der Naturschutzorganisationen viel zu wenig. «Wir haben Nachholbedarf», sagt Hasler. Es brauche mehr Projekte, um Lebensräume zu schützen.

Mit ihrer Volksinitiative «Rettet die Zürcher Natur» forderten die Organisationen eine Aufstockung der jährlichen Einlagen auf mindestens 55 Millionen Franken. Die Unterschriften hatten sie im Nu zusammen, ohne auch nur eine Minute auf der Strasse zu sammeln. Sie verschickten im Frühjahr 2018 die Bögen an ihre Sektionen und Mitglieder, und Wochen später konnten sie 14 000 Unterschriften einreichen. Zum Vergleich: 6000 wären nötig gewesen.

Die Forderung nach mehr Geld stiess auf offene Ohren. Dennoch legte der Regierungsrat einen Gegenvorschlag vor, den die zuständige Kommission noch verfeinert hat. Deren Version sieht nun vor, dass jährlich zwischen 50 bis 80 Millionen Franken in den Topf fliessen – allerdings erst nach einer dreijährigen Übergangsfrist mit schrittweise höheren Beträgen. Zudem soll die Spanne auf 40 bis 60 Millionen Franken sinken, wenn Ende Jahr mehr als 30 Millionen Franken im Fonds liegen. Dies soll für die Verwaltung ein Anreiz sein, das Geld auch auszugeben. Die Initianten waren bei der Ausarbeitung des Kompromisses nahe dabei: Neben Hasler gehörten mit Jonas Erni und Theres Agosti (beide sp.) zwei weitere Mitglieder des Initiativkomitees der vorberatenden Kommission an.

Lob von links bis rechts

Der Gegenvorschlag erhielt am Montagnachmittag im Kantonsrat Lob von links bis rechts. Damit würden die Kräfte für ein wichtiges Anliegen gebündelt, sagte der FDP-Sprecher Stephan Weber (Wetzikon). Als besonders wichtige Punkte hob er hervor, dass die Einlagen schrittweise erhöht werden und der Fondsbestand «bedarfsgerecht» bei 100 Millionen Franken limitiert wird. Auch der Baudirektor Martin Neukom (gp.) begrüsste im Namen des Regierungsrats den Kompromiss. Die Biodiversität sei allein mit einer Reduktion von Beeinträchtigungen nicht zu erreichen. Man müsse Ersatz und somit neue Lebensräume schaffen.

Vorbehalte äusserte einzig die SVP. Eine Erhöhung der Einlagen sei für den Kanton derzeit nicht tragbar, sagte der SVP-Sprecher Domenik Ledergerber (Herrliberg). Auch sei ein zielgerichteter Einsatz von Steuermitteln nicht sichergestellt, wenn die Fachstelle für Naturschutz nur alle zehn Jahre einen Controlling-Bericht vorlegen müsse. Allerdings stellte Ledergerber in Aussicht, dass die SVP auf ein Referendum verzichten wird. Die Initianten kündigen zudem ihrerseits an, das Volksbegehren zurückzuziehen, falls der Kompromiss angenommen wird. Daher stehen die Chancen gut, dass der Gegenvorschlag dereinst in Kraft tritt. Die zweite Lesung und die Schlussabstimmung sollen in zwei Wochen stattfinden.

Der Zürcher Bauernverband unterstützt die Aufstockung der Fondsgelder zugunsten der Natur, wie der Geschäftsführer Ferdi Hodel auf Anfrage sagt. Er stellt auch die Defizite bei der Biodiversität nicht in Abrede. Mit der Initiative und dem Gegenvorschlag ist der ZBV jedoch nicht rundum zufrieden. Auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche sei seit den neunziger Jahren extrem viel Land für die Biodiversitätsförderung ausgeschieden worden, und trotzdem nehme die Artenvielfalt weiter ab, sagt Hodel. Wichtig wäre es nun, die Massnahmen einer Wirkungskontrolle zu unterziehen.

Ambivalentes Verhältnis zur jetzigen Praxis

Die Landwirtschaft hat ein ambivalentes Verhältnis zum heutigen System. So erhalten Bauern zwar Ausgleichszahlungen für die extensive Bewirtschaftung von Flächen. Andererseits ist die Regulierung hoch. Zudem wirken sich die Massnahmen nicht nur auf die Naturschutzgebiete, sondern auch auf angrenzende Flächen aus. Denn um die geschützten Habitate werden Pufferzonen ausgeschieden, die nicht intensiv bewirtschaftet werden dürfen.

Hodels Kritik richtet sich vor allem gegen die bisherige Praxis der Kantonsverwaltung. «Wir wissen viel zu wenig, welche Massnahmen wirklich etwas nützen», sagt er und fürchtet, die Aufstockung des Naturschutzfonds werde den «Flächenhunger der Verwaltung» anfachen. «Man muss nicht mehr Schutzflächen schaffen, sondern die Qualität der heutigen steigern», sagt Hodel.

Hierfür wünscht sich der ZBV auch einen stärkeren Einbezug der Landwirte. Geht es nach ihm, wird die Verwaltung einem Bauern in Zukunft nicht mehr im Detail sagen, was er zu tun hat, sondern mit ihm Biodiversitätsziele vereinbaren. Ein entsprechendes Projekt bereitet der Verband derzeit mit der Verwaltung und dem Strickhof vor.

Andreas Hasler will sich einer Diskussion mit den Bauern, wie mehr Biodiversität um die Schutzgebiete herum erreicht werden kann, nicht verschliessen. «Es gibt nicht einfach einen Weg», sagt der Zürcher Pro-Natura-Geschäftsführer. Er sei aber auch der festen Überzeugung, dass die wichtigsten Gebiete per Verordnung geschützt werden müssten. Bei vielen sei dies geschehen, aber längst nicht bei allen. Es werden aber einige hinzukommen, wenn der Kantonsrat den Gegenvorschlag annimmt.

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