Switzerland

Mitten in der Coronakrise: Die Kita des Kantonspitals Aarau «Zwärglihuus» erhöht ihre Tarife

Das Pflegepersonal des Kantonspitals Aarau muss künftig mehr für die Kinderbetreuung bezahlen. Personalchef Michael Zürcher versteht den Ärger, den das bei Angestellten und Politikern verursacht, verteidigt aber die Massnahme.

Eine weitere Belastung für das Pflegepersonal des Aarauer Kantonsspitals, zumindest für dasjenige mit eigenen Kindern: Die Kita Zwärglihuus hat bekanntgegeben, dass sie die Preise per 1. Januar 2021 um rund 10 Prozent erhöht und nicht mehr alle Kinder aufnimmt. Zudem fallen die Subventionen für Wenigverdiener weg. Das berichtet das Regionaljournal Aargau-Solothurn am Freitag.

«Hallo, geht's noch?»

Rund 200 Kinder werden in der Kita betreut. Diese geniesst einen sehr guten Ruf, hat gar schon Auszeichnungen erhalten. Das zählt nun aber alles nicht mehr viel. Vor den verschiedenen Häusern der Kita, die rund um das Kantonsspital Aarau verteilt sind, hängen Plakate mit Aufschriften wie «Nur Klatschen reicht nicht» oder «Flexibler Hort = flexible Dienste».

Und auch Lokalpolitiker stören sich ob der Entscheidung des Kantonsspitals. So schreibt der Buchser Einwohnerrat Reto Fischer auf Facebook: «Hallo, geht's noch? Wir befinden uns gerade in der grössten medizinischen Krise seit Jahren, es fehlt eh schon an Pflegepersonal und die Pflegejobs sind nicht gerade toll bezahlt – und genau in dem Moment schränkt man die Leistungen der spitalinternen Kita ein? Das ist ein Witz!»

Personal nicht im Stich lassen

Michael Zürcher, Personalchef des KSA kann den Ärger der Leute verstehen – zumindest teilweise. Gegenüber dem «Regionaljournal» sagt er, dass der Preis trotz der Erhöhung immer noch deutlich besser ist als am Markt und im Rahmen dessen, was auch andere Spitäler subventionierten. Zudem habe man die Preise seit 2012 nicht mehr erhöht.

Ausserdem: Neu soll das Angebot auf Kleinkinder ausgerichtet sein, Schülerinnen und Schüler werden künftig nicht mehr betreut. Das hat enttäuschte Reaktionen der Eltern zur Folge gehabt, die Personalchef Zürcher zwar versteht, gleichzeitig aber auch betont, dass nun Familien mit Kleinstkindern profitieren. Diese würden schon monatelang auf einen Betreuungsplatz warten.

Der Zeitpunkt, die Preiserhöhung und die Anpassungen im Betreuungsangebot inmitten der zweiten Corona-Welle zu kommunizieren, sei unglücklich, ist sich Zürcher bewusst. Allerdings sei der Zeitpunkt schon länger festgelegt worden und keine Absicht. Aber: Das Kantonsspital Aarau wolle das Personal nun sicherlich nicht im Stich lassen und baue das Angebot für Angestellte, die aktuell mehr Arbeit leisten müssen, während der Coronakrise noch aus. (cri)

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