Switzerland

Nach Halbjahresverlust von 266 Millionen Franken: Swiss rechnet mit langer Kurzarbeit

Auch wenn es nun wieder mehr Kondensstreifen am Himmel hat, so dicht wie vor dem Lockdown ist der Flugverkehr noch lange nicht. Jedes Land, das neu auf der Quarantäne-Liste des Bundes steht, führt zu einem erneuten Dämpfer der Nachfrage nach Flugkapazitäten.

Auf Anfrage von BLICK schreibt die Fluggesellschaft Swiss: «Gemäss unseren Einschätzungen wird es Jahre dauern, bis sich die weltweite Nachfrage nach Flugreisen wieder erholt hat.» Die Lufthansa-Tochter rechne bis Ende Jahr mit einem Flugprogramm von 50 Prozent des ursprünglich geplanten. Das heisst, die Swiss wird dieses Jahr gerade mal die Hälfte aller Flüge durchführen!

Kabinenpersonal vorinformiert

Und schon das ist eine optimistische Prognose, denn davon ist die Swiss im Moment noch ein gutes Stück entfernt: Der Buchungsstand betrage rund 20 Prozent eines normalen Jahres, sagt Swiss-Boss Thomas Klühr (58) in einem Interview. Das hat einschneidende Konsequenzen für das Personal – am Boden ebenso wie in der Luft. Viele arbeiten kurz, das könnte noch sehr lange so bleiben.

BLICK weiss, dass Teile der Swiss-Belegschaft schon mal auf eine Verlängerung der Kurzarbeit vorbereitet werden. «Wir haben das Kabinenpersonal darüber informiert, dass eine Verlängerung bis maximal Ende August 2021 gesetzlich möglich wäre», bestätigt Swiss die Recherchen. Ein Entscheid diesbezüglich sei allerdings noch nicht gefallen. «Deshalb werden wir die dynamische Lage genau beobachten und den Bedarf an Kurzarbeit fortlaufend prüfen.»

Gewerkschaft steht hinter Konzernleitung

Das macht auch das Arbeitsamt, allerdings fürchtet gerade der Kanton Zürich, dass die Arbeitsämter mit regelmässigen Überprüfungen bald schon überfordert sein könnten. Grundsätzlich hat der Bundesrat am 1. Juli die Höchstbezugsdauer von Kurzarbeitsentschädigung von zwölf auf achtzehn Monate verlängert. Diese Regelung gilt ab 1. September.

Swiss-Chef Klühr war einer der Ersten, die nach staatlicher Hilfe riefen, nun scheint die Fluggesellschaft darüber nachzudenken, auch die Möglichkeit der Kurzarbeitsentschädigung bis zum Maximum auszureizen.

Immerhin: Solange bei der Airline Kurzarbeit gilt, droht keine Entlassungswelle. Das sieht auch die Gewerkschaft Kapers so. Sie schreibt auf Anfrage: «Eine allfällige Verlängerung der Kurzarbeit bei der Swiss würden wir begrüssen.» Ob das reichen werde, sei schwer einzuschätzen, da sich die Situation täglich ändere, ergänzt die Gewerkschaft des Kabinenpersonals.

Bis jetzt keine Entlassungen

Im Gegensatz zum Mutterkonzern Lufthansa haben bei der Swiss die harten Gespräche über die Zukunft der Belegschaft noch gar nicht begonnen. «Längere Verhandlungen über Sparmassnahmen beim Personal beginnen Ende Monat», schreibt Kapers.

Auch Klühr betont, die Airline wolle ihre Angestellten möglichst behalten. Denn die Ausbildung der Leute dauere zum Teil Jahre. Derzeit herrsche ein Einstellungsstopp, was zu einem Stellenabbau führe. Eine Garantie, dass es zu keinen Entlassungen komme, könne er aber nicht geben. Denn: Wenn eine zweite Welle kommt und die Erholung auf den Langstrecken ausbleibt, wird es sehr schwierig», fürchtet der Swiss-Chef.

Grosser Verlust im ersten Halbjahr

Die erste Welle hat die Swiss auf alle Fälle hart getroffen. Die bisherige Gewinngarantin der Lufthansa-Gruppe hat im ersten Halbjahr 2020 einen Verlust von 266 Millionen Franken eingeflogen. Im Vorjahr stand zur gleichen Zeit ein Gewinn von 245 Millionen Franken.

Der Verlust kommt nicht überraschend, transportierte die Airline im April gerade mal noch ein Prozent der Passagiere des Vorjahresmonats, im Juni waren es acht Prozent.

Vor diesem Hintergrund ist das Nachdenken über eine Verlängerung der Kurzarbeit wohl mehr als nur eine Vorsichtsmassnahme. «Wir müssen sicher eine nachhaltige Kostensenkung in der Grössenordnung von 20 bis 25 Prozent erreichen», sagt Swiss-Chef Klühr anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen. Ohne Entlassungen dürfte dieses Sparziel wohl kaum zu erreichen sein.

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