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Partnersuche: Immer mehr Singles haben genug vom Online-Dating

Frustrierte Alleinstehende wenden sich wieder an klassische Partnervermittlungen – und lassen sich das einiges kosten.

Merkt schnell, wenn jemand blufft: Partnervermittlerin Andrea Klausberger. (Foto: Paolo Dutto)

Merkt schnell, wenn jemand blufft: Partnervermittlerin Andrea Klausberger. (Foto: Paolo Dutto)

Eigentlich wäre Rita (Name geändert) mit weniger zufrieden gewesen. Sie wollte bloss einen Mann, mit dem sie sich freundschaftlich austauschen kann. Über ihren Alltag als Sekretärin, ihre erwachsenen Kinder, über das Leben mit all seinen Unwägbarkeiten. Im Optimalfall ein lieber Mensch, der sich auch um ihre Bedürfnisse kümmert statt nur um sich selbst, wie das in früheren Beziehungen allzu oft der Fall war. Liebe? Daran hat die 50-Jährige gar nicht mehr gedacht.

Doch jetzt ist Rita so richtig verknallt, das Herzflattern ist seit fast einem Jahr gegenseitig. Ihr Angebeteter: ein Landwirt mit eigenem Betrieb und Angestellten. Sechs Jahre jünger als Rita, aufmerksam und erst noch lustig. Gefunden hat sie ihn über eine klassische Partnervermittlung, auf die heute wieder mehr Menschen zugreifen als auch schonaus Frust über all die Pleiten mit Online-Dates.

Balsam fürs gebeutelte Ego

Wers nicht selbst erlebt hat, kennt die haarsträubenden Tinder-Storys aus dem Bekanntenkreis: Hunderte Fake-Profile, Frauen, die sich plötzlich nicht mehr melden, Männer, die eigentlich verheiratet sind. Und wenns doch mal vielversprechend beginnt, heisst es am Schluss nicht selten: Sorry, ich habe einen anderen Favoriten. Weil alle mit mehreren Dates parallel anbandeln. Jeder und jede ist bloss ein Treffer unter vielen, allzeit austauschbar.

Klar, dass so viel harte Realität irgendwann am Selbstwert nagt. Enttäuschte Singles retten sich deshalb zu Agenturen, die einen individuellen Matching-Service bieten. Wer ein bisschen googelt, findet auf Anhieb Dutzende Anbieter, meist Frauen, die ihre professionellen Kuppel-Dienste im echten Leben anpreisen.

Beim Online-Dating ist jeder bloss ein Treffer unter vielen und allzeit austauschbar.

Die Vorteile gegenüber dem Internet? Klassische Partnervermittlungen ersparen Beziehungswilligen nicht nur die Qual der Wahl, sie entschleunigen auch die völlig überreizte Datingkultur. Online-Singlebörsen locken nämlich fast täglich mit einer schier endlosen Kandidatenauswahl, was die meisten komplett überfordert. Weil man dauernd mit mehreren Leuten gleichzeitig chattet und irgendwann im Gefühlschaos versinkt.

Anders bei Partnervermittlern: Rita traf sich mit dem ersten vorgeschlagenen Mann ein halbes Jahr lang, bis beide merkten, dass es nicht passt. Ihr aktueller Partner war der dritte Treffer. Einen neuen Vorschlag bekam sie erst, nachdem der vorherige nicht gepasst hat. Das macht die Sache übersichtlich und ist erst noch Balsam fürs Ego. Endlich ist man keine beliebige Nummer mehr unter vielen. Die typische Online-Dating-Panik, eine bessere Option zu verpassen, wenn man sich auf jemanden einlässt, kommt gar nicht erst auf.

Ansprechperson aus Fleisch und Blut

Andrea Klausberger kennt die Nöte der Internet-Dater. Viele ihrer Klienten hattens erst online probiert, bevor sie bei ihr anklopften. Die Ostschweizerin führt seit über 25 Jahren die «Partnervermittlung mit Herz». So richtig old school, mit einer Kundenkartei und Matching von Hand. Wie das geht? Sie erfragt die Interessen, Vorlieben und No-Gos, studiert dabei die Gestik, Körperhaltung und Ausdrucksweise des Vis-à-vis und mischt alles mit ihrem Bauchgefühl ab.

Wo ist mein Herzblatt? Manche Singles lassen sich coachen, um beziehungstauglicher zu werden.

Wo ist mein Herzblatt? Manche Singles lassen sich coachen, um beziehungstauglicher zu werden.

Foto: plainpicture/André Schuster

Ihre rund 600 Kundinnen und Kunden, darunter auch Menschen mit Behinderung, hat sie auf diese Weise alle sehr persönlich kennen gelernt. Wer blufft, sei dies beim Gewicht, Alter oder generell, fliegt sofort auf. Fakes gibt es keine. Dafür immer mehr Online-Geschädigte, darunter auch einige unter dreissig, die sich eine Ansprechperson aus Fleisch und Blut wünschen, einen Profi, der für sie die richtige Wahl trifft.

Seit dem Lockdown hat dieser Trend erst recht angezogen. Andrea Klausberger hat so viele Anmeldungen wie kaum zuvor. «Singles haben in der Corona-Krise ihre Einsamkeit teils sehr deutlich zu spüren bekommen, und das wollen sie jetzt ändern, auch im Hinblick auf einen weiteren Lockdown», sagt die 53-Jährige.

Bei der Partnersuche klammern sich Frauen wie Männer viel zu oft an alte Rollenklischees.

Die Rettung vor dem Alleinsein darf denn auch ruhig etwas kosten. Berufstätige ohne Kinder zahlen für das Basispaket 1660 Franken, Alleinerziehende 1260 Franken. Während eines Jahres organisiert Klausberger dafür 5 Treffen mit einem geeigneten Kandidaten aus ihrer Datenbank. Das teuerste Paketein uneingeschränktes Abo bis zum Erfolg, sprich: bis zur Beziehunggibts für 8660 Franken. Zum Vergleich: Eine Jahresmitgliedschaft beim Online-Portal Parship kostet rund 840 Franken, allerdings ohne Garantie auf ein Date.

Frauen wollen einen Beschützer

Andreas (Name geändert) hat bereits einige Dating-Anbieter ausprobiert, erst online, seit vier Jahren auch offline. Doch obwohl der 29-Jährige einen guten Job bei einer Versicherung hat, seit Jahren die Welt bereist und später gern Kinder möchte, findet er keine Gefährtin. Der Haken: Andreas ist sehbehindert. Sein ernüchterndes Fazit: «Viele Frauen wünschen sich nach wie vor einen starken Beschützer, und bei mir denken sie, dass sie mich dauernd bemuttern müssten.»

Bei Klausberger hat er ein Paket gelöst, das ihm eine uneingeschränkte Anzahl von Vorschlägen garantiert. In vier Jahren hat er zehn bekommen, doch bisher noch nie jemanden getroffen. Mal wollte er nicht, oft wollte sie nicht. Vermittlerin Klausberger kennt die teils überrissenen Ansprüche von Frauen. «Manche hätten am liebsten die eierlegende Wollmilchsau als Partner.»

«Manche hätten am liebsten die eierlegende Wollmilchsau als Partner.»

Andrea Klausberger. Partnervermittlerin

Männer seien allerdings nicht viel besser. «Wir alle sind nicht so fortschrittlich und tolerant, wie wir gern glauben.» Gerade bei der Partnersuche würden sich Frauen wie Männer noch viel zu oft an alte Rollenklischees klammern, egal, ob sie 50 oder 30 seien. Der Mann muss Sicherheit und Status bieten, die Frau möglichst jung sein und bitte nicht gebildeter als der Partner.

Klausbergers Aufgabe besteht deshalb nicht selten darin, ihre Kunden auf den Boden der Tatsachen zu holen. «Erst dann kann ich sie auch erfolgreich verkuppeln.» Durchschnittlich gelingt ihr das bei jedem zweiten Single. Parship schafft das übrigens nur bei etwas mehr als einem Drittel seiner Online-Kunden. Erfolgsquoten von 80 Prozent und mehr, wie sie zum Teil die Konkurrenz ausweist, hält Klausberger nach über 25 Jahren im Geschäft für «relativ unrealistisch».

Selbstoptimierung für den richtigen Match

Doch Partnervermittlungen sind längst nicht die einzigen, die in der realen Welt bei der Suche nach Liebe mitmischen. Manche Singles sehnen sich so sehr nach einer längerfristigen Beziehung, dass sie sich von Profis monatelang anleiten lassen, wie sie das am besten hinkriegen. «Coaching» nennt man es heute.

Dafür geben sie nicht nur Tausende von Franken aus und besuchen diverse Kurse, sie sind sogar bereit, hart an sich zu arbeiten und vor allem: sich zu ändern, um beziehungstauglicher zu werden. Das ist Selbstoptimierung im besten Sinne. Oder wie es Dating-Coach Trea Tijmens formuliert: «Wer den richtigen Partner will, muss erst selbst der richtige sein.»

Hilft Singles, sich selbst zu helfen: Dating-Coach Trea Tijmens.

Hilft Singles, sich selbst zu helfen: Dating-Coach Trea Tijmens.

Foto: PD

Seit fünfzehn Jahren lehrt die ehemalige Headhunterin Singles, wie sie eine längerfristige Partnerschaft finden. Nicht nur im realen Leben, sondern auch im Internet. Zur Klientel ihrer Agentur «SuccessMatch» gehören gut ausgebildete, beruflich sehr erfolgreiche Menschen, die eigentlich alles haben ausser einer Beziehung. 85 Prozent von ihnen fänden ihr Glück danach auch privat, sagt Tijmens.

Wer jedoch glaubt, mit dem Anheuern einer Dating-Coach sei die Sache geregelt, irrt. «Wenn jemand zu mir kommt und sagt, eigentlich bräuchte er oder sie keinen Partner, aber es wäre trotzdem nett, ist diese Person bei mir definitiv falsch», sagt die 55-Jährige. Mit dem Dating sei es wie dem Sprachenlernen oder Abnehmen: Man muss es ernst nehmen, sonst klappt es nicht.

«Die meisten Leute glauben, die Liebe passiert einfach. Dem ist aber leider nicht so.»

Trea Tijmens, Dating-Coach

Will heissen: Die bindungswilligen Frauen und Männer müssen sich erst einmal mit den eigenen Unzulänglichkeiten beschäftigen und bereit sein, in alten Wunden zu bohren, bevor sie sich unter Tijmens Obhut überhaupt auf die Suche machen dürfen. Allerdings ist ein Coaching nicht nur eine Frage des Wollens. Man muss es sich auch leisten können.

Tschüss Romantik?

Eine Begleitung in der Gruppe kostet ab 7500 Franken, individuelle Beratungen beginnen bei 18000 Franken. Im Paket enthalten sind mehrere Coaching-Sessions und Dating-Kurse, ein professioneller Fototermin und Stilberatung, ausserdem ist Tijmens fast rund um die Uhr erreichbar, wenn man dringend einen Rat braucht.

Nadia (Name geändert), Kaderfrau im juristischen Bereich, lebt dank Tijmens harter Lebensschule seit knapp eineinhalb Jahren in einer Beziehung. Die 38-Jährige hat sich für ein Privatcoaching entschieden und sagt: «Die Zeit war sehr intensiv, aber sie brachte mich auch sehr schnell auf die richtige Spur.» Nadja traut sich heute zum Beispiel, sympathische Herren einfach auf der Strasse anzusprechen, weil sie das mehrfach üben musste. «Einmal sollte ich an einem Netzwerkanlass mit fünf Männern anbandeln. Das hat mich enorm viel Überwindung gekostet.»

«Wer den richtigen Partner will, muss erst selbst der richtige sein.»

Trea Tijmens, Dating-Coach

Gleichzeitig war Nadja froh, dass sie jemand antreibt und immer wieder kontrolliert, ob sie sich auch wirklich anstrengt. «Ohne Begleitung hätte ich viel mehr getrödelt und mich manchem schlicht nicht gestellt.» Im Grunde sei das wie eine Weiterbildung gewesenmit klaren Lernzielen, Aufgaben und Lieferfristen.

Und wo bleibt bei all der Disziplin die Romantik? «Die meisten Leute glauben, die Liebe passiert einfach. Dem ist aber leider nicht so», ist Tijmens überzeugt. Klar, wer zehn Stunden am Tag arbeitet, kann nicht auch noch entspannt daten. Wer nicht weiss, wie der Partner sein soll, wird ihn auch nicht finden. Die Liebe aber bleibt trotzdem unberechenbar. Zum Glück.

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