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Rock-Superstar Jon Bon Jovi im Interview: «Liebe ist harte Arbeit»

Er ist einer der grössten Rockstars unserer Zeit, Star-Allüren legt Jon Bon Jovi (58) beim Interview mit SonntagsBlick in einem Londoner Luxushotel keine an den Tag. Mit seiner grau gewordenen Mähne, in altbekannter Lederjacke, trinkt er im Gesprächsraum zwei Red Bull – gegen den Jetlag. «Ich bin gestern von New Jersey hierher geflogen», erklärt er und bietet uns ein Wasser an. Gross geklotzt wird dafür beim neuen Album: «Bon Jovi 2020» behandelt die Themen, die die Welt derzeit beschäftigen, und wirkt wie ein Wahlprogramm des Amerikaners.

SonntagsBlick: Wollen Sie nun Präsident werden?
Jon Bon Jovi: Nein. Klar ist der Titel angelehnt an das Wahljahr 2020. Aber es soll auch zeigen, dass wir als Band eine klare Vision haben und ein Statement setzen. Unser letztes Album war nach dem Ausstieg unseres Gitarristen Richie Sambora von Unsicherheit geprägt. Und obwohl noch heute kein Tag vergeht, an dem ich Richie nicht wieder gerne in der Band hätte, haben wir die Zeit der Verunsicherung überwunden.

2020 wird ein neuer US-Präsident gewählt. Wie politisch interessiert sind Sie?
Dieses Thema interessiert mich genauso, wie es Sie in Europa wohl auch interessiert (lacht). Ein US-Präsident ist ja nicht nur unser Präsident, sondern eine Person mit globaler Macht. Wenn ich die Wahlen verfolge, stelle ich fest, dass wir in einer dunklen Zeit leben.

Inwiefern?
Egal, wer gewählt wird: Meine Nation ist zweigeteilt. Die Leute sehen nur noch Menschen, die zu ihnen halten oder gegen sie sind. So kann man keine Diskussion führen. Die Fronten sind so verhärtet, dass Argumente gar nicht mehr zählen. Das zu sehen, ist wahnsinnig erschreckend.

Dieses Phänomen der verhärteten Fronten gibt es global.
Klar, in vielen Teilen der Welt werden plötzlich Störenfriede gewählt, die extreme Meinungen vertreten. Ich würde aber auch nie sagen, dass Donald Trump ein A*** ist. Für viele ist er ein Genie. Meine Hoffnung liegt darin, dass die Abstimmungen fair ablaufen und der Gewinner das Land am Ende gut führt. Wie man die beiden Fronten wieder zusammenbringt – das weiss ich auch nicht.

Für viele Menschen weltweit gelten Sie als ein grosses Aushängeschild der USA. Wie patriotisch sind Sie?
Bei mir geht es nicht nur um «Stars and Stripes». Klar bin ich Amerikaner, bin in New Jersey geboren und werde wohl auch da sterben. Ich könnte mich aber genauso in der Schweiz oder in Grossbritannien wohlfühlen. Ich sehe mich als Weltenbürger. Ich bin so weit rumgereist, quer über den Erdball. Und ich habe Mitgefühl mit den vielen Menschen, die auf der Welt leiden – und setze mich für diese ein. Am Ende geht es doch für alle nur ums Gleiche: Kindern ein gutes Zuhause, Essen und ein Dach über dem Kopf zu geben.

Klingt alles andere als abgehoben. In einem Interview mit Oprah Winfrey sagten Sie einst: «Je grösser der Star, desto netter die Person.» Was hält Sie am Boden?
Ich habe weder goldene Schallplatten noch Auszeichnungen bei mir zu Hause. Einzig eine kleine Gitarre und ein Keyboard sind dort, um spontan zu komponieren. Ich arbeite hart, und das hält mich bescheiden. Wenn ich nicht täglich Singstunden nehmen und mich aufs Laufband zwingen würde, wäre ich schon längst der dicke Elvis (lacht). Zudem gibt es ja viel wichtigere Aufgaben im Leben: den Nobelpreis bekommen, ein Mittel gegen Krebs finden. Ich bin Unterhalter und schon viel zu lange im Geschäft, als dass ich noch abheben könnte.

Wohltätigkeit ist Ihnen sehr wichtig. Wie kann jeder dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen?
Man muss bei sich selbst anfangen. Sich fragen, wie man eine bessere Version seiner selbst werden kann. Man muss ja nicht gleich wie ich Suppenküchen oder Häuser für Bedürftige aufbauen, es fängt schon im Kleinen an. Beispielsweise wenn man hier im Hotel der Raumpflegerin oder dem Raumpfleger bei einer Begegnung im Gang ein Lächeln schenkt und dieser Person den Tag verschönert.

Die «Black Lives Matter»-Bewegung hat während der Corona-Pandemie einen extremen Aufschwung erhalten. Auf Ihrem neuen Album widmen Sie einen Song dem geschassten NFL-Star Colin Kaepernick, der sich 2016 vor einem Footballspiel bei der Nationalhymne als Protest nicht erhob.
Colin Kaepernicks Aktion ist komplett aus dem Kontext gerissen worden. Eigentlich protestierte er gegen Polizeigewalt und Rassismus gegenüber Schwarzen. Stattdessen empfand es Donald Trump als Auflehnung gegen die US-Flagge. Kaepernick bekam nie eine zweite Chance, auch nicht vom Verband. Der Protest, den Kaepernick ausgelöst hat, ist zu etwas viel Grösserem geworden, weil die Bedeutung geändert wurde.

Viele Musiker, darunter Rihanna, boykottieren die Superbowl-Halbzeitshow wegen des Vorfalls, obwohl es eine der grössten Bühnen der Welt ist. Wie sehen Sie das?
Ich habe das schon vor einigen Jahren abgehakt. Aus Protest – und weil es nicht ist, das ich noch erreichen möchte.

Sie singen auch über Waffengewalt in den USA. Ein Thema, das in Europa ganz anders behandelt wird als in den USA.
Ja, es ist schon sehr bizarr: Man kann erst mit 21 ein Bier kaufen. Eine Maschinenpistole bekommt man schon mit 18, ohne dass die Hintergründe abgecheckt werden. In der Schweiz würde man in diesem Zusammenhang wohl nicht vom gesunden Menschenverstand sprechen. Ich will aber gar nicht sagen, was richtig oder falsch ist, sondern eine sachliche Diskussion anregen. Bislang konnte mich noch niemand überzeugen, wieso unser Waffengesetz in dieser Form richtig ist.

Riesige Tourneen, wie auch Sie sie durchführen, gelten als Klimasünder. Wie begegnen Sie dem Thema Klimawandel?
Ich bin echt erschüttert, wenn ich sehe, was meine Kinder mal erwartet. Ich werde dann ja wahrscheinlich tot sein. Aber wenn ich an die Nachkommen denke, läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Dass es die Polarschmelze gibt, ist Fakt. Hier geht es einfach um die Leute, die nur an ihr Portemonnaie denken und nicht an die nächsten Generationen. Es ist unverantwortlich. Wir können uns alle verbessern, wenn es um die Umwelt geht.

Was machen Sie für Mutter Natur?
Wir gleichen die ganzen Emissionen unserer Flüge und Trucks ausnahmslos aus. Für unsere Suppenküchen haben wir eine eigene Farm, auf der wir Gemüse anbauen und auf eine natürliche Zucht achten. Ich bin zwar jetzt auch für dieses Interview nach London geflogen. Aber es war nicht mein eigenes.

Sie sind mit einem Linienflug hierher geflogen?
Ja, kommerziell. Meine Frau sagt immer: «Jetzt fliegst du mit den Leuten!» (lacht)

Sie sind 31 Jahre verheiratet. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Wir hatten das Glück, uns schon von klein auf zu kennen. Wir sind zusammen in diese Beziehung reingewachsen. Liebe ist harte Arbeit. Wir haben uns gegenseitig immer Freiheiten gegeben, uns nicht zurückhalten lassen. Die Ehe ist wirklich etwas, was ich richtig gemacht habe. Ich würde meine Frau gegen nichts in der Welt tauschen.

Klingt überhaupt nicht nach Sex, Drugs & Rock 'n' Roll.
Was glauben Sie, wer vor Ihnen sitzt? Ich bin Jon Bon Jovi! (lacht) Klar, habe ich diesen Lifestyle gelebt. Schliesslich sind wir eine Rockband.

Haben Sie dieses Kapitel heute geschlossen?
Heute ist es anders. Wir trinken Wein statt Bier und leben anders. Es ist nicht mehr der Lifestyle, den ich als 25-Jähriger hatte. Ich bin aber auch noch weit vom Rentnerleben entfernt.

Sie mussten während der Corona-Pandemie wohl auch einen Gang runterschalten, eine Amerika-Tour mit Bryan Adams absagen und Ihre Albumveröffentlichung vertagen. Wie war das für Sie?
Zu Hause zu bleiben, war kein Problem für mich. Ich konnte zwei neue Songs fürs Album schreiben, lesen und mehr Zeit für mein Wohlbefinden nehmen. Zudem habe ich viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Das Verlangen, immer beschäftigt zu sein, ging irgendwann weg. Es war ein Neustart für mich.

Wann wird man sie wieder auf den grossen Stadionbühnen sehen?
Das wissen die Götter. Wir müssen wohl einen funktionierenden Impfstoff abwarten, bevor Konzerte wieder so sein können wie vor der Pandemie. Ich bin aber überzeugt, dass Menschen sich nach Unterhaltung sehnen – sei es die bei Sportveranstaltungen oder Rockkonzerten. Das Gemeinschaftsgefühl dieser Events kann mit keinem Livestream-Konzert nachgemacht werden. Und was Bon Jovi angeht: Wir werden zurück sein, wenn die Welt bereit ist.

Was möchten Sie noch erreichen?
Es geht mir nicht mehr um höher, schneller, weiter. Ich will Qualität. Qualität in meiner Musik, Qualität in meinen Konzerten und Qualität in meiner Stimme. Ich möchte keine Riesentourneen mit 240 Shows mehr machen. Ich bin glücklich, wenn ich meine Alben teilen, flexibel Interviews geben und Shows spielen kann, wann ich will. Der Rest ist mir mittlerweile egal.

Lebende Rock-Legende

Universal Music

Jon Bon Jovi hat Schweizer Vorfahren.

Jon Bon Jovi (eigentlich John Francis Bongiovi Junior) ist der Sohn eines sizilianischen Friseurs und eines amerikanischen Playboy-Modells mit Blumenladen. Der Frontmann der nach ihm benannten Band Bon Jovi hatte im Jahr 1986 mit «Livin' on a Prayer» seinen ersten globalen Hit, 1994 folgte «Always» und 2000 manifestierte er seinen Status als globalen Rockstar mit der Hymne «It's My Life». Seit 1989 ist er mit seiner Highschool-Liebe Dorothea Rose Hurley verheiratet. Das Paar hat vier Kinder. Bon Jovi hat auch Schweizer Blut: Die Familie seines Grossvaters mütterlicherseits stammt aus Bern.

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