Switzerland

Schlag den Olympia-Star: Hürden-Star Hussein geht gegen Amateur unter!

Ein bisschen Schatten würde jetzt gut tun. Im sonst so luftigen Letzigrund wähnt man sich an diesem Montag in einem Backofen. Kariem Hussein aber liebt diese Hitze. Wie die Solaranlage auf dem Dach des Stadions saugt er mit blanker Brust die Mittagssonne auf und wandelt sie in Energie um. «Das ist das perfekte Wetter für mich», schwärmt der 31-jährige Schweizer und bringt sein ägyptisches Blut in Wallung.

Während des Trainings kickt er seinen Körper mit hoher Kadenz über die flimmernde Tartanbahn – und scheut sich dabei nicht, zusätzlich eine schwere Hantelscheibe hinter sich herzuziehen. Die intensiven Sprints gehören zum Formaufbau und sind gleichzeitig der brennende Vorbau für die Challenge «Schlag den Olympia-Star».

Die Lust auf einen neuen Reiz

Nach der stündigen Einheit ist die Zeit gekommen, sich auf das 200-Hürden-Rennen mit BLICK-Leser Robin Birrer einzulassen – nicht ohne Risiko. «Es ist während der Wettkampfsaison ein schmaler Grat zwischen Belastung und Erholung, aber ich will heute einen neuen Reiz setzen», sagt Hussein und stellt sich der Prüfung, die ein spezielles Handicap bereit hält. Birrer startet mit 50 Meter Vorsprung in der Kurve und muss die Hürden nur auf der tiefsten Stufe überwinden.

Für den 27-jährigen Zürcher «eine coole Sache und eine tolle Gelegenheit, so einen Supersportler zu treffen». Als Sachverständiger für Wasserschäden sprudelt es beim Treffen mit Hussein nur so ihm heraus. «Ich bin positiv überrascht von Kariem – eine spannende Person. Sehr freundlich und bodenständig. Ein offener Typ», sagt Birrer und freut sich auf das Duell mit Hussein. Dieser aber ahnt Böses: «Das wird hart für mich!»

Der Goldlauf für die Ewigkeit

Obwohl die Beine schon etwas müde sind, vertraut der Arzt aus dem Thurgau gegen den gelernten Maurer vom TV Hinwil auf den Heimvorteil. Der Letzigrund ist seit Jahren nicht nur Trainingsstätte, sondern auch Kraftort. In dieser Arena triumphiert er 2014 an der EM über 400 Meter Hürden. Dank seines legendären Laufs und des Gewinns der Goldmedaille geht in jener lauen Augustnacht ein neuer Stern am Schweizer Leichtathletik-Himmel auf. Nur ein Jahr später verbessert er die Zeit aus dem Goldlauf um über eine halbe Sekunde und beweist auch 2017 mit der gleichen Marke, dass er mehr als eine Sternschnuppe ist.

Später aber verblasst sein Licht. Verletzungen im Gesäss und eine Operation an der Leiste zwingen ihn zu einer Veränderung. Um den Schmerz und auch andere ständige Begleiter loszuwerden, trennt er sich von seiner Trainingsgruppe in Holland. Zürich und St.Gallen werden zu seiner alten neuen Basis. Zum Schlüsselerlebnis auf dem Weg zur neuen Strahlkraft wird die Reise in seine zweiten Heimat Ägypten, wo er nach über acht Jahren Absenz eine neue Energie zu seinen Verwandten aufbaut.

Ausgerechnet das hitzigen Chaos von Kairo wirkt im Bezug auf seine arabischen Wurzeln wie eine Wasserbrause und stillt im Unterbewusstsein eine alte Sehnsucht. Der genährte Geist findet in der Schweiz während dem Lockdown zur nötigen Ruhe. «Bei Corona dominiert natürlich zuerst das Negative. Die vielen Kranken und Toten – das ist alles sehr traurig – ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen», sagt Hussein nachdenklich, «aber ich habe mich auf das Positive konzentriert. Ich konnte mich gut erholen und an meiner Physis arbeiten.»

An die Verschiebung von Tokio 2020 verschwendet er keinen Gedanken. Stattdessen will er dieses Jahr drei Wettkämpfe laufen und im September an der SM in Basel seine beste Leistung abrufen. Die BLICK-Challenge kommt da als zusätzlicher Test wie gerufen. Das 200-Meter-Rennen wird allerdings zur gnadenlosen Prüfung.

Auf den ersten Metern nach dem Start gewinnt Hussein gegenüber Birrer nur wenig Zeit, dann aber kommt der BLICK-Leser bei der zweiten Hürde kurz ins Straucheln. Der Vorsprung schmilzt wie Butter an der prallen Sonne. Am Ende aber ist der Vorsprung aber doch zu gross und die erste Saisonpleite für den Hürden-Star tatsächlich wahr. «Gratulation an Robin – ich zieh den Hut! Er war echt schnell unterwegs», sagt Hussein und findet im gleichen Atemzug eine kreative Ausrede für seine Niederlage: «Ich hatte in der Kurve extremen Gegenwind!»

Der Scherz überdeckt die Schmach und löst die Verlegenheit von Birrer: «Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach dem Stolperer noch gewinne. Ich bin immer noch perplex.» Zu Abschluss schenkt Hussein seinem Bezwinger noch ein Selfie und verabschiedet sich mit einem Grinsen im Gesicht. Er belohnt sich nach den Strapazen gleich selbst – mit einem Eisbad im Schatten.

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