Switzerland

Schweizer Startups sammeln trotz der Pandemie viel Investorengeld ein

Covid-19 hat den Schweizer Risikokapitalmarkt nicht zum Erliegen gebracht. Den hiesigen Jungunternehmen floss reichlich Kapital zu. Obwohl sich eine wichtige Gruppe von Geldgebern rarmachte, hält damit der langfristige Trend an.

Die Firma Climeworks, die CO2-Filteranlagen baut und betreibt, hat im ersten Halbjahr 73 Mio. Fr. an Investorengelder eingesammelt.

Die Firma Climeworks, die CO2-Filteranlagen baut und betreibt, hat im ersten Halbjahr 73 Mio. Fr. an Investorengelder eingesammelt.

Arnd Wiegmann / Reuters

Das Coronavirus konnte der Risikolust nichts anhaben – zumindest nicht jener der Risikokapitalgeber. Diese investierten im ersten Semester des laufenden Jahres 760 Mio. Fr. in Schweizer Jungunternehmen (Startups). Diese Summe kam in 105 Finanzierungsrunden zusammen. Dies ist dem «VC Report 2020» zu entnehmen, der in dieser Woche publiziert wurde. Obwohl das Resultat deutlich unter dem des Vorjahres lag (2019 wurden annähernd 1,2 Mrd. Fr. investiert), bleibt auf lange Sicht der Wachstumstrend intakt.

Die starke Abnahme im Wert liege daran, dass die «Mega-Finanzierungsrunden» mit einem dreistelligen Millionenvolumen im ersten Jahr ausblieben, sagt Stefan Kyora, Autor der Studie von Startupticker.ch und der Investorenvereinigung Seca. Die grossen Runden werden vor allem von ausländischen Investoren bestritten, und diese blieben dem hiesigen Markt in der Corona-Pandemie fern.

Markt hat Resilienz entwickelt

Vergleiche man dieses Resultat mit den Krisen von 2002 und 2008, dann habe der Schweizer Markt eine «wirkliche Resilienz» entwickelt, sagt Kyora. Es sei zu einer Konzentration der Engagements gekommen – denn es wurde etwas weniger Geld in deutlich weniger Startups investiert. Der Median der Investitionsvolumen lag 20% über jenem des Vorjahres. Mit diesem Resultat hebt sich die Schweiz klar vom Venture-Capital-Markt der umliegenden Länder ab, die deutlich schwächer abschnitten.

Damit haben sich die Befürchtungen, die Pandemie könne auch im Startup-Bereich zu vielen Opfern führen, nicht bewahrheitet. Die Nothilfe des Bundes erreichte «reifere» Jungunternehmen nicht. Die Einschränkung, dass der Kredit höchstens 10% des Umsatzerlöses ausmachen darf, schloss zahlreiche Startups aus. Die Ausnahmeregelung in der Verordnung kam nur für Firmen, die im laufenden Jahr gegründet wurden, zur Anwendung.

Grössere Finanzierungen stemmen

Die Stabilität des Schweizer Risikokapitalmarktes während der Krise zeigt gemäss Thomas Heimann von Seca, dass unser Land aufhole. Es gebe mehr Spezialisten in den Bereichen Seed (Anschubfinanzierungen) und Venture sowie neue Fonds und Family-Offices, die sich in diesen Bereichen engagierten. «Zudem haben wir mit dem neuen Entrepreneurs-Fund und Redalpine nun auch grosse Fonds, die Wachstumsfinanzierungen stemmen könnten», fügt er an. Der Anteil von Schweizer Risikokapitalgebern am insgesamt investierten Kapital stieg von rund einem Viertel auf rund die Hälfte.

Die Autoren der Studie sind überzeugt, dass die Covid-19-Pandemie die Digitalisierung stark beflügeln wird. Die Erwartung der Investoren hat man in den stark steigenden Notierungen von Tech-Aktien in den vergangenen Monaten gesehen. Das werde sowohl Startups als auch Börsengänge und Firmenverkäufe im Bereich Technologie antreiben. Im ersten Halbjahr 2020 verzeichnete das Zürcher IT-Unternehmen Scandit mit einem Volumen von 77 Mio. Fr. die grösste Finanzierungsrunde.

In den vergangenen Jahren war auch der aufstrebende Krypto-Bereich das Ziel vieler Venture-Investitionen – ob über Initial Coin Offerings (ICO) oder traditionelle Finanzierungsrunden. In diesem Segment fehlten die grossen Kapitalaufnahmen im ersten Semester. Die Seba Bank sammelte etwa 2018 100 Mio. Fr. ein. Das Blockchain-Unternehmen Tezos erhielt im Jahr 2017 in einem ICO über 230 Mio. $. Doch diejenigen, die in diese «Krypto-Firmen» investierten, waren meist nicht die klassischen Risikokapitalgeber. Vor wenigen Tagen nahm das Westschweizer-Startup Metaco, ein Technologiedienstleister für Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte, in einer Finanzierungsrunde 17 Mio. Fr. auf.

Biotech und Medtech dominieren

Grösste Finanzierungsrunden im 1. Halbjahr 2020, in Mio. Fr.

Firma Branche Summe
Scandit ICT 77,7
Climeworks Cleantech 73
Skycell Biotech 63
Spineart Medtech 50
Polares Medical Medtech 37,9
VectivBio Biotech 33,9
Monte Rosa Therap. Biotech 31,5
Lunaphore Medtech 23
Numab Biotech 22
NBE Therap. Biotech 21,4

Am auffälligsten war im ersten Halbjahr die Zunahme der Investitionen im Medtech-Bereich (von rund 3% auf deutlich über 20%). Der Trend muss sich in den nächsten Monaten allerdings noch bestätigen. In einer Studie kommen jedoch die ZHAW sowie der Think-Tank Health-Trends zum Schluss, die Schweiz verfüge über eine dynamische, sich schnell entwickelnde Startup-Landschaft im Bereich Digital Health. Von den zurzeit insgesamt zwischen 180 bis 200 Jungunternehmen sei eine Mehrheit in den Segmenten Data-Health und Tech-Health zu verorten. «Wir gehen davon aus, dass sich der Bereich Digital Health und die dazugehörige Startup-Szene in den kommenden Jahren rasant weiterentwickeln werden. Durch die Covid-19-Pandemie dürfte sich dieser Trend noch stark beschleunigen», heisst es in der Studie.

Fintech noch wenig bedeutend

Anteil am investierten Kapital, in %

0102030BiotechICTMedtechCleantechFintechÜbrigeBranche

Keine grossen Krypto-Finanzierungen

Die Entwicklung der Finanzierungsrunden für hiesige Startups hängt nicht nur von den Schweizer Investoren ab. Um den Wachstumskurs fortzusetzen, müssen ausländische Geldgeber wieder verstärkt zurückkehren. Damit Venture-Vehikel über neue Mittel verfügen, um Investitionen zu tätigen, brauchen sie einerseits frische Kundengelder, andererseits aber auch Einnahmen aus Exits – diese können durch Weiterverkäufe von Beteiligungen und Börsengänge (IPO) erfolgen. Dazu wäre aber eine Belebung des M&A- und IPO-Marktes vonnöten.

Kein IPO in der Schweiz

Diese Exits nahmen im ersten Semester deutlich ab. In den Jahren 2015 und 2019 kam es jährlich zu rund 30 bis 50 Exits. Mit 21 liegt da das laufende Jahr noch im Durchschnitt. Doch handelte es sich hier um 20 private Firmenverkäufe und einen Börsengang. Dazu gilt es anzumerken, dass die Hälfte der Transaktionen noch im Januar getätigt wurde und der Börsengang in den USA stattfand.

Die waadtländische ADC Therapeutics nahm beim Börsengang an der US-Tech-Börse Nasdaq annähernd 270 Mio. $ auf und wird nun mit 3 Mrd. $ bewertet. Der Biotech-Markt in den USA ist gemäss Heimann «sehr aktiv». Während der Covid-19-Krise boomten Unternehmen, die in diesem Bereich tätig waren. Später sprang der Boom auf die ganze Branche über. Bereits mehrere Biotech-Unternehmen aus der Schweiz haben die US-Börse der hiesigen vorgezogen.

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