Switzerland

Skiferien in der Schweiz und Österreich: Jetzt will Söder auch die Tages-Trips verbieten

Weiterhin will die EU-Ratsvorsitzende Merkel auf eine koordinierte Lösung für Skiferien über die Weihnachtstage im Alpenraum drängen. Es sei nicht sinnvoll, die nationalen Regeln, die in Coronazeiten keinen Tourismus zuliessen, «jetzt auszuhebeln durch einen zu frühen Wiederbeginn der Skisaison», betonte Merkels Sprecher Steffen Seibert auf Anfrage von CH Media.

Deutschland wolle in Europa «mit der Kraft der Überzeugung» auf ein einheitliches Vorgehen hinarbeiten. Ob die Kanzlerin in den nächsten Tagen das Gespräch mit Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga suchen wird, liess Seibert offen. Es gäbe eine Vielzahl von Kontakten. Indes: Grenzkontrollen wie zu Beginn der Pandemie soll es über die Feiertage nicht geben: «Grenzkontrollen sind derzeit nicht in Planung», hiess es aus dem Innenministerium.

Das «Ischgl-Trauma» vom vergangenen März steckt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder noch immer in den Knochen. Er fürchtet sich vor den Rückkehrern aus den Skigebieten in Österreich und der Schweiz, die das Coronavirus in den Freistaat einschleppen.

Die Folgen könnten verheerend sein, fürchtet Söder. Ein härterer Lockdown, überlastete Spitäler, steigende Todeszahlen? Der CSU-Chef ist quasi Wortführer beim strittigen Skifahr-Thema. Der 53-Jährige legt sich ins Zeug wie kaum ein anderer deutscher Spitzenpolitiker, damit die Skigebiete in den Alpenregionen über die Weihnachtstage geschlossen bleiben.

Der Franke, heisst es im politischen Berlin, hat Merkel erst auf die Idee einer koordinierten Schliessung der Skigebiete gebracht. Die Kanzlerin hat vorige Woche angekündigt, sie werde sich in Europa um eine Abstimmung bemühen, «ob wir alle Skigebiete schliessen könnten». Merkels Wort hat in diesem Winter Gewicht, Deutschland hält den EU-Ratsvorsitz inne.

In der Schweiz kann Merkel kein Verbot durchsetzen

Allerdings weiss auch Merkel, dass sie im Nicht-EU-Mitgliedstaat Schweiz ein Skifahr-Verbot kaum wird durchsetzen können, zumal Schweizer Bahnbetreiber bereits angekündigt haben, die Pisten über die Feiertage öffnen zu wollen. Deutschland setzt auf die Vernunft der Bürger, das Skifahren im Coronawinter bleiben zu lassen.

Das Gros der Deutschen hat einer Umfrage zufolge ohnehin kein Verlangen danach, im Pandemie-Winter in ein Schweizer Bergdorf zu entfliehen. 73,8 Prozent geben in einer Umfrage an, sie hielten eine Schliessung der Skigebiete für richtig.

Empfindliche Bussen für Quarantäne-Brecher

Jenen Teil der Bevölkerung, der Abwechslung von der Tristesse auf der Skipiste sucht, will Deutschland mit Restriktionen zur Räson bringen. Skiferien in der als Risikogebiet geltenden Schweiz ziehen eine zehntägige Quarantäne-Pflicht nach sich. Wer die Selbstisolierung bricht, muss mit empfindlichen Bussen rechnen, einen möglichen Verdienstausfall wohl auch selbst tragen. Den meisten verdirbt alleine die Aussicht auf Selbstisolation schon die Lust, den Skianzug aus dem Keller zu holen.

Mit noch rigoroseren Massnahmen will Bayerns Regierungschef Söder seine Bürger vor Winter-Reisen ins nahe Österreich oder in die Schweiz abhalten. Der Freistaat hat die Quarantäne-Regeln auch für Kurz-Trips ins Nachbarland verschärft, die bisherige 24-Stunden-Ausnahme, die von der Quarantäne-Pflicht befreite, gilt für Skifahrer ab sofort nicht mehr.

Après-Ski als Pandemie-Treiber

Südbayern, die morgens ins Bündnerland reisen, den Tag auf den Brettern stehen und abends in den Freistaat zurückkehren, müssen danach verpflichtend für 10 Tage in die Quarantäne. «Natürlich ist das normale Fahren auf der Piste nicht das Problem», erklärt Söder in der ARD, «aber alles was drumherum ist, an Liften, Après-Ski», das könne zum Pandemie-Treiber verkommen.

Der Regierungschef schlägt gar vor, Reisende über die Feiertage an den Grenzen etwas genauer kontrollieren zu lassen. «Beim Skifahren gibt es eine relativ gute Möglichkeit um zu erkennen, ob jemand vom Skifahren kommen», spielt Söder auf Skier auf Auto-Dächern an und kündigt an, «dass wir dann die eine oder andere stichprobenartige Kontrolle machen müssen».

Immerhin: Die Schweiz könnte von Tagestouristen aus Baden-Württemberg profitieren. Ein Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart bestätigt auf Anfrage, dass die Ausnahmeregel für 24-stündige Grenzübertritte auch in der neuen Quarantäne-Verordnung bestehen bleibt. Das heisst: Schweizer dürfen auch über die Feiertage nach Süddeutschland fahren, die Baden-Württemberger für einen Tagestrip die Schweizer Berge besuchen - ohne Quarantäne-Pflicht.

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