Switzerland

«So kickt die Schweiz»: Der FC St. Gallen muss in Quarantäne, Sitten und Basel gewinnen die Nachtragsspiele

Unsere Legende der Woche, Livio Zanetti, kam aus dem Fussball-Brachland Puschlav nach Zürich und wurde mit GC Meister. Und unsere Wochenkolumne dreht sich um eine Aargauer Tragikomödie. Wissenswertes, Legendäres und Spannendes zum Schweizer Fussball gibt es in «So kickt die Schweiz».

Auf nzz.ch/sport finden Sie an dieser Stelle täglich Legendäres, Statistisches und Aktuelles aus der höchsten Schweizer Fussballliga – alles wohlgeordnet und kurz nach Schlusspfiff aktualisiert. Willkommen bei «So kickt die Schweiz».

St. Gallens Trainer Peter Zeidler und seine Mannschaft müssen in Quarantäne.

St. Gallens Trainer Peter Zeidler und seine Mannschaft müssen in Quarantäne.

Anthony Anex / Keystone

(sda) Die für diesen Sonntag geplante Super-League-Partie zwischen Zürich und St. Gallen kann nicht stattfinden.

Nachdem mit Betim Fazliji und Lukas Watkowiak zwei Spieler der Ostschweizer positiv getestet worden waren, stellte das St. Galler Kantonsarztamt die gesamte Mannschaft bis und mit dem 1. Dezember unter Quarantäne. Fazliji und Watkowiak müssen für zehn Tage in Isolation.

Dem Verschiebungsgesuch der St. Galler gab die Swiss Football League statt, weil dem Klub für die Partie gegen den FCZ nachweisbar weniger als 14 Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung stehen. Wann das Spiel der 9. Runde nachgeholt wird, ist noch offen.


Luca Clemenza (r.) gibt zu beiden Toren der Sittener die Vorlage.

Luca Clemenza (r.) gibt zu beiden Toren der Sittener die Vorlage.

Jean-Christophe Bott / Keystone

Tore: 15. Bamert (Clemenza) 1:0. 59. Khasa (Clemenza) 2:0. – Im sechsten Spiel der Super-League-Saison erringt der FC Sion den ersten Sieg. Die Walliser gewinnen das Nachtragsspiel im Tourbillon gegen Servette 2:0. Der Innenverteidiger Jan Bamert nach einer Viertelstunde und der eingewechselte Offensivspieler Jared Khasa nach 58 Minuten erzielten mit Kopfbällen die beiden Tore. Beide waren bei ihren Abschlüssen aus kurzer Distanz unbedrängt.

Was uns aufgefallen ist: Guillaume Hoarau war zum ersten Mal in der Sittener Startformation, aber vom langen Franzosen war nichts zu sehen, bis er nach 60 Minuten einen Flachschuss aus günstiger Position knapp verzog. Viel mehr zu sehen war dafür von Luca Clemenza. Der 23-jährige Leihspieler von Juventus Turin bestimmte hinter den Walliser Stürmern das Spiel. Er bereitete die Tore mit Flanken vor und war auch an fast allen Angriffen beteiligt. Er scheint diese Position besser auszufüllen als in der letzten Saison Anto Grgic. Dieser war im Match gegen Servette Clemenzas Partner zur Rechten.

Nach der frühen Führung zogen sich die Walliser in diesem recht spektakulären Romandie-Derby zurück. Servette erarbeitete sich so viele Spielanteile und Torchancen, dass es für einen Punktgewinn hätte reichen müssen. So musste Sions Goalie Kevin Fickentscher gegen Boris Cespedes mit einem Reflex auf der Linie retten, und Boubacar Fofana traf von der Strafraumgrenze die Latte. (sda)


Tore: 41. Stocker (Jorge) 1:0. 76. Kasami (Frei) 2:0. 91. Guessand (Turkes) 2:1. –Nach zwei Niederlagen hat der FC Basel in der Super League zum Siegen zurückgefunden. Er gewann das Nachtragsspiel gegen Lausanne-Sport 2:1.

Das ist uns aufgefallen: Der FC Basel ist in seinem Verjüngungsprozess vor Rückschlägen nicht gefeit. Er kann aber auch verdient gewinnen, so wie an diesem frühen Mittwochabend zu Hause im St.-Jakob-Park, an dem Timm Klose mit fünf gebrochenen Knochen in der linken Hand seine Premiere im Basler Stadion feierte und die Routiniers Valentin Stocker und Pajtim Kasami mit ihren Toren für den Heimsieg sorgten, der aufkommende kritische Stimmen fürs Erste tilgt.

Das 1:2 durch den eingewechselten Lausanner Evann Guessand fiel erst mit Anbruch der Nachspielzeit. Beim Gegentor liessen die Basler dem Gegner bei dessen Aufbau etwas gar viel Zeit und Platz, danach offenbarten sie auch Anzeichen von Nervosität. Einmal musste Nikolics Ersatz Heinz Lindner im Basler Tor in der Folge noch eingreifen, und ein bisschen wacklig wirkten die Abwehrbemühungen in den Schlusssekunden schon. Es war aber gleichwohl ein verdienter Erfolg, der die Basler nach den Niederlagen gegen die Young Boys und Zürich wieder auf fünf Punkte an Leader YB heranführte.

Mit Ausnahme der Nachspielzeit und einer Szene nach einer Stunde, als Aldin Turkes das 1:1 aus fünf Metern auf dem Kopf hatte, hatte der FCB des Geschehen unter Kontrolle. Ein Vorstoss über die linke Seite, die wiederum der Brasilianer Jorge beackerte, leitete fünf Minuten vor der Pause das 1:0 ein. Jorges Flanke wurde von Lausannes Joël Geissmann abgelenkt statt geklärt, der Ball kullerte dem schussbereiten Valentin Stocker vor die Füsse. Beim 2:0 spielte sich Kasami mit einem Doppelpass mit Fabian Frei durch die Lausanner Reihen. Der Neuzuzug aus Sitten brauchte zu seinem zweiten Treffer für den FCB alleine vor Lausannes Schlussmann Mory Diaw nur noch einzuschieben. (sda)

Livio Zanetti war oft zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, auf und neben dem Spielfeld.

Livio Zanetti war oft zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, auf und neben dem Spielfeld.

Keystone

ac.

· Der Kanton Graubünden ist Wintersportland. Es kommt selten vor, dass es ein Spieler aus dieser Gegend in die grosse Fussballwelt schafft. Einer der wenigen war Livio Zanetti. Er erreichte mit GC zwischen 1980 und 1983 zwei Meistertitel, einen Cup-Sieg und einen Uefa-Cup-Viertelfinal. Gemessen am Werdegang darf man diesen Palmarès getrost als Sensation bezeichnen.

Denn Zanetti ist nicht nur Bündner, sondern auch: Puschlaver. Und das Puschlav, dieses verträumte Tal auf der südlichen Seite des Alpenpasses Bernina, war vor einem halben Jahrhundert nahezu Fussball-Brachland. Die Spieler organisierten sich selber, ohne Trainer, wenn sie auf einer Wiese kicken wollten. Und die Trikots mussten sie über der Grenze im italienischen Tirano besorgen, weil bei ihnen kein Sportgeschäft solche im Sortiment hatte. Ihre Mütter nähten dann Rückennummern auf.

Irgendwann landete die AC Poschiavo plötzlich irgendwie in der 3. Liga – und Zanetti beim grossen GC. Er verstand sich prächtig mit dem Trainer Timo Konietzka und stürmte an der Seite von Claudio Sulser. Dass es überhaupt dazu kam, war Zufällen zu verdanken, wie Zanetti der Zeitung «Südostschweiz» erzählte: «Wenn ich damals, ein Jahr vor der Maturaprüfung, wegen Missachtung der Internatsregeln nicht aus der Klosterschule Disentis verwiesen worden wäre, die Dinge hätten sich wohl komplett in eine andere Richtung entwickelt.»

Wegen dieses Hinauswurfs suchte er eine Teilzeitarbeitsstelle, um sich das Jus-Studium zu finanzieren, und er fand diese bei einer Bank in Zürich. Weil er dort in der 1. Liga bei den Young Fellows auf eine beachtliche Torquote kam, wurde GC auf ihn aufmerksam. Es zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: Zanetti war oft zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, wie man gerne sagt.

Zanetti galt als sogenannter Strafraumstürmer und Abstauber, also als einer, der vor dem gegnerischen Tor den Riecher hatte, wohin die Bälle als Nächstes fliegen könnten. In 89 Nationalliga-A-Spielen für GC und Wettingen gelangen ihm 26 Tore. Mit Kampf kompensierte er technische Defizite, die seiner spärlichen fussballerischen Grundausbildung geschuldet waren. 1985, mit erst 27 Jahren, beendete Zanetti die Karriere. Er litt unter Knieproblemen.

Doch der Erfolg blieb ihm hold. Zanetti etablierte sich in Zürich als Rechtsanwalt, in einer Kanzlei am Hegibachplatz. Valposchiavo Calcio, der heute einzige Fussballklub des Puschlavs, spielt in der 3. Liga, in der Organisation des Ostschweizer Fussballverbands. Das Tal scheint nun noch abgeschnittener von der Fussballwelt zu sein als früher: Die Amateure benötigen bei Auswärtspartien für jede Anreise mehr als zwei, manchmal sogar mehr als drei Autostunden. Ein Spieler sagt in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Zwölf», sie kämen manchmal wie lahme Fliegen am Spielort an.

Lust auf weitere Legenden? Hier geht es zu den gesammelten Legenden der Woche.

Wäre bei einem Meistertitel von Lugano im nächsten Frühling 58 Jahre alt: Maurizio Jacobacci.

Wäre bei einem Meistertitel von Lugano im nächsten Frühling 58 Jahre alt: Maurizio Jacobacci.

Laurent Gillieron / Keystone

bsn. · Der FC Lugano hat die Länderspielpause überraschend als Leader der Super League verbracht. Noch gibt es kaum jemanden, der damit rechnet, dass sich die Tessiner bis am Saisonende an der Spitze behaupten.

Auch die Statistik spricht dagegen – genauer: das Alter des Trainers. Maurizio Jacobacci wird im nächsten Frühling 58 Jahre alt – und es ist Jahrzehnte her, dass ein Meistertrainer in der Schweiz älter war. Die deutsche Trainerlegende Hennes Weisweiler war 63 Jahre alt, als er die Grasshoppers 1983 zum Meister machte. Weisweiler führte GC in der Saison 1982/83 nicht nur zum Meister-, sondern auch zum Cup-Titel. Kurz nach dem Double erlag Weisweiler einem Herzinfarkt.

Der zweitälteste Meistertrainer der vergangenen vierzig Jahre war Bernard Challandes, der sich mit dem FC Zürich mit 57 den Titel sicherte. Deutlich am jüngsten war ebenfalls ein FCZ-Trainer: Daniel Jeandupeux gewann 1981 als 32-Jähriger den Titel. Am nächsten kommen ihm die 36-jährigen Meistertrainer Rolf Fringer (1993, mit Aarau) und Heiko Vogel (2012, mit Basel).

Die ältesten Meistertrainer

in den letzten 40 Jahren

Hennes Weisweiler (GC/1983)Bernard Challandes (FCZ/2009)Christian Gross (FCB/2008)Urs Fischer (FCB/2017)Urs Fischer (FCB/2016)Christian Gross (FCB/2005)Lucien Favre (FCZ/2007)Christian Gross (FCB/2004)Alberto Bigon (Sitten/1997)Friedel Rausch (1989/Luzern)63575351505049494949

Die jüngsten Meistertrainer

in den letzten 40 Jahren

Daniel Jeandupeux (FCZ/1981)Heiko Vogel (FCB/2012)Rolf Fringer (Aarau/1993)Murat Yakin (FCB/2013)Murat Yakin (FCB/2014)Marcel Koller (FC St.Gallen/2000)Enzo Trossero (Sitten/1992)Guy Mathez (Servette/1985)Gerardo Seoane (YB/2019)Christian Gross (GC/1995)32363638393939394040

cov. Es ist nicht gerade die lustigste Zeit für die Menschheit, das wissen wir seit Monaten. Und geht’s den Menschen schlecht, läuft’s dem Sport nicht besser. Wer weiss, wie lange noch.

Der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt schaute gern von seinem Haus hoch über Neuenburg mit dem Fernglas auf die Maladière hinunter. Gute Zeiten damals. Heute würde er in ein leeres Stadion spähen. Eine Publikumssportart, die vom Live-Charakter lebt, reduziert auf 22 Männer und ihre Betreuer, die aus Pflicht und Existenznot weiterspielen – von einem unsichtbaren und unberechenbaren Virus umklammert.

Welch ein Stoff für Dürrenmatt! Ihn beschäftigten der Kalte Krieg, das drohende Unheil der Atombomben. Aber auch die Corona-Ära wäre wie geschaffen für ihn. Er hatte erkannt, dass der Lauf der Welt kaum zu beeinflussen ist, wie ein Zug, der immer schneller und unaufhaltsam auf irgendetwas zusteuert, in einer dunklen Röhre, die nie aufhört. So versinnbildlicht er seine Sicht in der Erzählung «Der Tunnel». Und in den meisten seiner Stücke ist unsere schöne, moderne Welt als Groteske dargestellt. «Wer so aus dem letzten Loch pfeift wie wir alle, kann nur noch Komödien verstehen», sagt Dürrenmatts Bühnenfigur Romulus. In den «Theaterproblemen» fand er: «Uns kommt nur noch die Komödie bei.»

Das Tragische unserer Zeit liess sich für ihn nur mit einem Schuss Komischem ertragen, mit übertriebener Groteske, die ein bitteres Lachen provozierte, eines, das im Hals steckenbleibt, weil die Wahrheit dahinter zu schmerzlich ist. Die Realität des Schweizer Fussballs braucht keine künstliche Groteske. Die Situation in Aarau ist wahr genug, um von sich aus tragikomisch zu sein. Seit den neunziger Jahren wird an einem Stadionprojekt gewerkelt, das Brügglifeld ist seit Jahrzehnten dem Abriss geweiht, auch weil es nicht ausreichend Sitzplätze hat. Als der Bundesrat per 1. Oktober 2020 wieder Spiele mit Publikum erlaubte, aber Sitzpflicht verordnete, bekam das Brügglifeld nun doch mehr Sitzschalen. Auf die alten Betonrampen schraubten unzählige Fans in Freiwilligenarbeit Holzlatten und Sitze an. Das dem Tod geweihte Stadion ist nun fast durchgehend mit funkelnden Plätzen ausgerüstet, eine hübsche Kleinarena, wie seit Jahren gewünscht.

Sie wurde genau einmal genutzt. Dann kam der Lauf der Welt – die zweite Welle.

(sda) Die 20 Vereine der Swiss Football League beschliessen mit einer Gegenstimme eine Neuregelung für Gesuche von Spielverschiebungen. Neu kann ein solches Gesuch nur noch eingereicht werden, wenn bei einem Klub nachweisbar weniger als 14 Feldspieler und zwei Goalies einer vorgängig eingereichten Spielerliste einsatzfähig sind. Diese umfasst in der Super League mindestens 30, in der Challenge League mindestens 25 Spieler.

Die bisherige Regel sah vor, dass eine Verschiebung beantragt werden konnte, wenn mindestens sechs Spieler wegen der gleichen ansteckenden Krankheit oder wegen Quarantäne nicht zur Verfügung standen. Die Zustimmung anlässlich der Generalversammlung erfolgte wegen der Coronavirus-Pandemie auf schriftlichem Weg.

Ebenfalls mit einer Gegenstimme sprachen sich die Klubs für eine Änderung im Lizenzreglement der SFL aus, die vom FC Aarau und dem FC Lugano beantragt wurde. Neu kann die Ausnahmebewilligung für die Austragung von Profispielen in einem eigentlich nicht den Vorgaben entsprechenden Stadion jeweils um ein Jahr verlängert werden, wenn der betroffene Klub den Nachweis erbringt, alles ihm Zumutbare unternommen zu haben, das Projekt voranzutreiben.

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