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Später Impfstart : Warum Deutschland bei der Covid-Impfung schneller ist

Die Deutschen beginnen Mitte Dezember mit der Impfkampagne, die Schweiz erst im Frühling. An den Herstellern liegt es nicht, der Grund liegt woanders.

Angestellte in Schutzanzügen arbeiten in der Wirkstoffproduktion eines Impfstoffherstellers in Deutschland.

Angestellte in Schutzanzügen arbeiten in der Wirkstoffproduktion eines Impfstoffherstellers in Deutschland.

Foto: Hendrik Schmidt (Keystone)

In Deutschland werden bereits die Impfzentren vorbereitet. Schon in zwei bis drei Wochen sollen bei unseren Nachbarn die ersten Menschen gegen Covid geimpft werden, wie der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn ankündigte. Auch die USA sind schon in den Startlöchern für Impfungen vor Weihnachten. Die Schweiz dagegen wird erst mal zuschauen.

«Wir machen so schnell wie möglich, wahrscheinlich wird es aber erst im Verlauf des ersten Halbjahrs 2021 eine Impfung geben», sagte Virgine Masserey vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) an der Medienkonferenz am Dienstag.

Der Grund, warum in der Schweiz später losgeimpft wird: Die Impfstoffe stehen zwar bereit. Die Schweiz hat für sich – wie andere reichen Staaten – inzwischen mehr als genug Impfstoffe reserviert. Doch die Freigabe braucht hier länger als in Europa und den USA. «Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe haben für uns höchste Priorität, sie müssen durch Swissmedic geprüft und zugelassen werden, bevor sie in der Schweiz zum Einsatz kommen», erklärt eine Sprecherin des BAG.

In den USA, Europa und der Schweiz arbeiten die Zulassungsbehörden eigentlich alle gleich: Im rollierenden Verfahren reichen die Pharmafirmen die Daten aus ihren klinischen Impfstoffstudien in vorher vereinbarten Schritten ein, die extra dafür freigestellte Teams sofort evaluieren. Auch bei Swissmedic läuft das so. Doch anders als in den USA und der Europäischen Union gibt es in der Schweiz für ein Vakzin keine Notfallfreigabe, noch während die Zulassungsprüfung läuft. Die ist nur für Covid-Medikamente für Kranke möglich, nicht aber für einen Impfstoff, der Gesunden gespritzt wird.

In den USA dagegen gibt es diese Notfallnutzung für eine Impfung noch vor ihrer eigentlichen Zulassung. Zeigen erste Daten, dass der Nutzen das Risiko überwiegt, darf eine Impfung gespritzt werden. Entscheidend ist dabei die Wirksamkeit. Laut den Zwischenergebnissen, die jüngst von den ersten Impfprojekten kamen, sollte sie sehr hoch sein und dürfte so mögliche Nebenwirkungen relativieren.

Notfallfreigabe nur für bestimmte Gruppen

Mit einer Notfallfreigabe geimpft werden dürfen allerdings nicht breite Bevölkerungsschichten, sondern besonders gefährdete Personen. Dazu zählt auch das Gesundheitspersonal.

Die EU – und damit eben auch Deutschland – will bei dieser Notfallfreigabe gleichziehen. Ziel sei, eine positive Empfehlung für die Impfung zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie die USA zu geben, sagte die Chefin der Europäischen Zulassungsbehörde diese Woche.

Die Impfung mit dem Vakzin von Pfizer/Biontech dürfte so in den USA wie auch in Europa noch dieses Jahr beginnen. Pfizer teilte schon mit, dass man wenige Stunden nach der Notfallfreigabe durch die Behörden mit der Auslieferung beginnen werde. Impfstoffe wie auch Transporter stehen bereit.

Auch die Impfstoffe von Moderna und Astra-Zeneca werden von den Zulassungsbehörden in den USA, Europa und der Schweiz geprüft.

In der Schweiz sollte die erste Zulassung eines Vakzins im ersten Quartal oder auch ersten Halbjahr 2021 folgen. Swissmedic hat zwar nicht die Möglichkeit einer Notfallfreigabe, aber sie könnte ein anderes Instrument nutzen: die befristete Zulassung. Im Vergleich zur Notfallfreigabe müssen für sie jedoch mehr Daten vorliegen, betont Swissmedic-Sprecher Lukas Jaggi.

«Sicherheit und Wirksamkeit für die relevanten Ziel-Altersgruppen müssen belegt sein.»

Lukas Jaggi, Sprecher von Swissmedic

«Sobald eine Pharmafirma genügend Daten eingereicht hat, kann ein Nutzen-Risiko-Entscheid gefällt und eine Zulassung, allenfalls unter Auflagen, erteilt werden», sagt Jaggi. Noch sind die bisher geprüften Datenpakete allerdings zu wenig aussagekräftig, um einen Entscheid zu fällen.

Ähnlich wie in den USA und Europa könnte es sein, dass die Impfung zunächst nur für bestimmte Personen erlaubt wird. Das hängt von den Daten der klinischen Versuche ab. Denn liegen zunächst etwa nur für eine bestimmte Altersgruppe genügend Informationen aus den Tests vor, wird eine Impfung auch nur für diese zugelassen. «Sicherheit und Wirksamkeit für die relevanten Ziel-Altersgruppen müssen belegt sein», so Jaggi.

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