Switzerland

Streit um Löhne für Pflegepersonal: Die «Corona-Helden» gehen leer aus

Alle applaudierten den Pflegerinnen und Pflegern in den Spitälern und Altersheimen. Diese fordern flächendeckende Lohnerhöhungen. Doch die wird es 2021 nicht geben.

Bescheidene Löhne, aber viel mehr Arbeit wegen Corona: Pflegepersonal auf der Intensivstation im Spital La Carità in Locarno.

Bescheidene Löhne, aber viel mehr Arbeit wegen Corona: Pflegepersonal auf der Intensivstation im Spital La Carità in Locarno.

Foto: Valeriano Di Domenico

Plötzlich hatte die Schweiz wegen Corona neue Helden: Im März und April applaudierten Zehntausende auf ihren Balkonen dem Gesundheitspersonal. Und am 1. August ehrte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga auf dem Rütli 54 «Corona-Helden», darunter Irina Hellmann und Thomas Nüesch, eine Intensivkrankenpflegerin und ein Anästhesiepfleger des Kantonsspitals Baselland.

Schon vor ihrer Ehrung auf dem Rütli schrieb Hellmann auf ihrem Blog: «Nun soll uns allen was dran liegen, dass diese Wertschätzung nachhaltig ist. Wisst ihr, ich möchte eigentlich keine Heldin sein. Ich möchte einfach eine Expertin Intensivpflege sein, die ihrer Arbeit mit genügend Zeitressourcen nachgehen, ihr Fachwissen allzeit einsetzen kann und die auch dementsprechend entlöhnt wird.»

Die meisten Spitäler lehnen höhere Löhne ab

Doch Hellmanns Hoffnung dürfte sich zerschlagen. Eine Umfrage der SonntagsZeitung bei den grössten Universitäts-, Kantons- und Regionalspitälern in zehn Deutschschweizer Kantonen zeigt: Nur wenige Spitäler werden 2021 die Löhne für das Pflegepersonal und die Ärzteschaft erhöhen. Kein einziges verspricht flächendeckende Lohnerhöhungen, wie sie das Personal fordert.

So lässt die Solothurner Spitäler AG, die in Solothurn, Olten und Dornach drei Krankenhäuser betreibt, ausrichten: «Auf 2021 wird es keine Lohnerhöhung geben.» Und das GZO Spital Wetzikon im Kanton Zürich teilt mit: «Wir beabsichtigen zum jetzigen Zeitpunkt keine Erhöhung der Löhne per 2021.»

Wenig Hoffnung auch für das Personal in den Altersheimen

Andere Krankenhäuser wie die Zürcher Stadtspitäler Waid und Triemli, die Berner Insel-Gruppe, das Kantonsspital St. Gallen, das Spitalzentrum Biel und das Zürcher Unterländer Spital Bülach stellen individuelle Lohnerhöhungen in Aussicht. Alle lehnen jedoch flächendeckende Lohnerhöhungen ab. Dabei sind die Löhne des Pflege- und Betreuungspersonals schon heute bescheiden – jedenfalls im Vergleich zu anderen Berufen.

Wenig Hoffnung gibt es auch für das Pflegepersonal in den Altersheimen. Ihr Verband Curaviva richtet aus: «Die grosse Mehrheit der Alters- und Pflegeinstitutionen kann nicht einfach einer Forderung nach Lohnerhöhung nachkommen.» Der Grund: Die Kantone und Gemeinden müssten höheren Löhnen zustimmen. Und das sei ungewiss, da dann die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler zusätzlich belastet würden.

Zu wenig Geld, um die Löhne zu erhöhen

Ihre ablehnende Haltung begründen die meisten Spitäler damit, dass sie wegen Corona in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Denn ausgerechnet die Pandemie, die das Gesundheitspersonal mit erheblicher Mehrarbeit belastete, führte zu empfindlichen Mindereinnahmen.

Der Grund: Während fünf Wochen verordnete der Bund den Spitälern die Verschiebung von nicht dringlichen Eingriffen, damit genügend Personal und Infrastruktur für die Behandlung von Corona-Patienten zur Verfügung stand. Zudem sagten etliche Patienten von sich aus Wahleingriffe ab, aus Angst, sich im Spital mit dem Coronavirus anzustecken.

Den Spitälern entstand dadurch bis Ende Juni ein Schaden von 1,4 bis 1,8 Milliarden Franken. Das ergab eine Erhebung des Beratungsunternehmens PWC und des Vereins Spitalbenchmark, dem 230 Spitäler, Kliniken, Geburtshäuser und Rehabilitationszentren angehören. Hochgerechnet bis Ende Jahr, könnte sich der Schaden auf total 2,6 Milliarden Franken erhöhen.

Streit um Mindereinnahmen auf dem Buckel des Personals

Doch Gesundheitsminister Alain Berset machte Ende August klar, dass der Bund nicht für die Mindereinnahmen der Spitäler aufkommen wird. Er sehe keinen Grund dafür, sagte er nach einem Treffen mit Vertretern von Spitälern und Krankenversicherern vor den Medien. Denn es werde einen Nachholbedarf geben.

Laut Vertretern der Spitäler ist das illusorisch. Längst nicht alle aufgeschobenen Operationen und Behandlungen würden nachgeholt. Unterstützung erhalten die Spitäler vom Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger, der die Schweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz präsidiert. Weil der Bund und nicht die Kantone das Behandlungsverbot angeordnet hatte, müsse sich der Bund auch an den Ertragsausfällen beteiligen.

Der Streit wird auf dem Buckel des Personals ausgetragen. Solange nicht klar ist, ob die Spitäler für ihren finanziellen Schaden entschädigt werden, wird es kaum Lohnerhöhungen geben. Angesichts der Mehrausgaben wegen der Pandemie und der ungeklärten Frage, wie der Corona-bedingte finanzielle Schaden kompensiert werden kann, schätze der Spitalverband H-plus «den Spielraum der Spitäler und Kliniken als nicht sehr gross ein», sagt eine Sprecherin.

Es gibt jedoch noch einen zweiten Grund, weshalb die Spitäler ihren Angestellten keine Lohnerhöhungen versprechen mögen. Mehrere verweisen auf die negative Teuerungsrate, die in diesem Jahr knapp minus 1 Prozent betragen dürfte. Damit winkt dem Personal eine reale Lohnsteigerung von 1 Prozent – selbst, wenn der Arbeitgeber keinen Rappen mehr zahlt.

Personal kündigt Protestaktionen an

Die Personalvertreter sind enttäuscht. So sagt Yvonne Ribi, Geschäftsführerin Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK): «Es ist unverständlich, dass diejenigen Berufsangehörigen, welche die Covid-19-Patienten und die verletzlichen Menschen pflegen und betreuen, bis heute in den allermeisten Fällen keine finanzielle Anerkennung erhalten haben.» Die schwierige wirtschaftliche Lage der Spitäler sei zwar nachvollziehbar. «Deshalb sollte auch der Bund Unterstützung leisten, damit das Personal für seinen Einsatz honoriert werden kann.»

Diese Woche formierte sich ein Bündnis von Gewerkschaften und Berufsverbänden, darunter der SBK, der VPOD, die Syna, die Unia und der Schweizerische Verband der Berufsorganisationen im Gesundheitswesen. Es kündigt für den Herbst eine schweizweite Protestwoche des Gesundheitspersonals an. Zwei Forderungen stehen im Zentrum: ein besserer Schutz vor überlangen Arbeitszeiten – und eine Corona-Prämie in der Höhe eines Monatslohns.

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