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Streit um Mohammed-Karikaturen: Die französische Kuh fliegt raus

Viele Supermärkte in arabischen Ländern boykottieren französische Produkte. Zugleich erhöht der türkische Präsident die Spannungen zwischen Paris und der islamischen Welt mit Beleidigungen gegen Frankreichs Präsidenten.

Ein Supermarkt in Sanaa, Jemen. Wo jetzt Lücken sind, stehen sonst französische Produkte.

Ein Supermarkt in Sanaa, Jemen. Wo jetzt Lücken sind, stehen sonst französische Produkte.

Die lachende Kuh, sie hat gerade nicht viel zu lachen. Gerade noch stand der beliebte französische Schmelzkäse in Dreiecksform, «La vache qui rit» (französisch: Die Kuh, die lacht), auf dem Frühstückstisch arabischer Haushalte, nun befindet er sich in politischer Verbannung. In Kuwait, Katar und Jordanien nahmen Dutzende Händler und Konsumgenossenschaften am Wochenende französische Milchprodukte aus dem Kühlregal. Bilder und Videos von leeren Supermarktregalen überfluten seitdem das arabische Netz.

Am Montag heizte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Diskussion weiter an, in dem er seine Landsleute dazu aufrief, keine französischen Produkte mehr zu kaufen. Am Wochenende sorgten seine Aussagen bereits für politischen Zündstoff. So nannte Erdogan den französischen Präsidenten Emmanuel Macron einen Krankheitsfall und riet ihm, sich untersuchen zu lassen. Daraufhin berief Frankreich seinen Botschafter aus Ankara ab. Die Boykottaufrufe in der arabischen Welt folgten, nachdem Macron vergangene Woche angekündigt hatte, Frankreich werde auch in Zukunft nicht auf Mohammed-Karikaturen verzichten.

In Bagdad waren Plakate zu sehen, die Macron mit Schuhabdruck zeigen.

In Bagdad waren Plakate zu sehen, die Macron mit Schuhabdruck zeigen.

Foto: Khalid Mohammed (Keystone)

Mitte Oktober enthauptete ein 18-jähriger Islamist den Lehrer Samuel Paty, der in seinem Unterricht jene Karikaturen zeigte. Macron hatte nach der Tötung Patys angekündigt, stärker gegen radikalen Islamismus vorzugehen. Am Sonntag meldete sich Macron via Twitter zu Wort: Man werde niemals nachgeben, schrieb er auf Arabisch. Hassrede werde nicht akzeptiert und die vernünftige Debatte verteidigt. In der islamischen Welt sind Abbildungen von Propheten in menschlicher Gestalt verboten. Am Sonntag warnte der Grossimam der in der islamischen Welt viel geachteten Azhar-Universität in Kairo davor, den Islam in politische Debatten zu verwickeln. Man werde nicht akzeptieren, dass «unsere religiösen Symbole Opfer von Wahlkampagnen in der politischen Arena» werden, twitterte Ahmed el-Tayeb.

Unter dem arabischen Hashtag «Ausser der Prophet» versammeln sich seit dem Wochenende Zehntausende Tweets, in denen französische Produkte aufgelistet werden, die allesamt mit dicker, roter Farbe durchgestrichen sind: Parfümmarken, Luxus-Labels und Supermarktketten wie Carrefour sollen boykottiert werden. In einigen arabischen Ländern wurden Demonstrationen angekündigt. Die Qatar University in Doha kündigte an, die französische Kulturwoche auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Vor allem die Aussage des ehemaligen ägyptischen Fussballstars Mohamed Abo Treka kursiert derzeit im Netz. Darin sagte er, es gebe einen grossen Unterschied zwischen den Reaktionen arabischer Staaten und denen der arabischen Bevölkerung. Diesmal könne jeder Einzelne was tun, so Abo Treka in einer Talkshow. Reaktionen islamischer Staaten blieben bislang weitgehend aus. Nur Marokko, Jordanien und Pakistan verurteilten die Veröffentlichung der Karikaturen.

Das französische Aussenministerium fordert nun ein Ende der Boykottaufrufe. Die Aussagen würden von einer radikalen Minderheit instrumentalisiert und politisiert. In den vergangenen Jahren hatten Mohammed-Karikaturen immer wieder Aufruhr in der islamischen Welt ausgelöst. Auslöser waren damals Karikaturen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten. Viele befürchten nun, dass ein neuer Karikaturenstreit bevorsteht. Diesmal scheint er im Supermarkt zu beginnen.

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