Switzerland

TV-Kritik «Tatort»: Die Grenzen der DNA-Ermittlung

«Rebland» beweist wieder einmal, dass es selten eine gute Idee ist, ein wichtiges Thema in den Mittelpunkt eines «Tatorts» zu stellen.

Die Kommissare Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) im Schwarzwald-«Tatort».

Die Kommissare Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) im Schwarzwald-«Tatort».

Foto: Benoit Linder / SWR

In diesem Schwarzwald-«Tatort» wird am Anfang eine Frau auf dem Nachhauseweg vom Fest im Weinberg vergewaltigt. Den Täter hat sie nicht gesehen, aber schnell geraten drei Männer ins Zentrum der Ermittlungen. Ein Hawaiihemd tragender Friseur, weil eine Kundin ihn vor langer Zeit wegen sexueller Belästigung angezeigt hat. In der Akte steht das nicht mehr, aber die Ermittler Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) erfahren es trotzdem. Zweitens ein verhaltensauffälliger Polizist, weil er bei dem Fest war und dem späteren Opfer einen Wein ausgab. Und als Dritter ein eh schon durchgeknallter, alleinerziehender Witwer, der das Jugendamt am Hals hat.

Auf letzteren kommen die Ermittler, weil sie sich die noch unerlaubte, erweiterte DNA-Merkmalsuntersuchung vom Täter eines ähnlichen Falls im nahen Frankreich unter der Hand besorgt haben und Augen- und Hautfarbe des Mannes ins Genmuster passen. Im Abspann wird erklärt, dass diese erweiterte DNA-Analyse Anfang 2020 auch in Deutschland eingeführt wurde. Es geht hier also um die Risiken und Nebenwirkungen von DNA-gestützter Fahndung.

Das Thema ist wichtig, aber «Rebland» beweist wieder einmal, dass es selten eine gute Idee ist, ein wichtiges Anliegen in den Mittelpunkt eines «Tatorts» zu stellen. Hier führt das dazu, dass dramaturgisch vieles andere aus dem Blick gerät. Das Opfer zum Beispiel, tapfer gespielt von Victoria Trauttmansdorff, das im Stil von Hui Buh ziemlich wahllos auftaucht, vielleicht auch nur, damit man es im Lauf des Films nicht vergisst. Die vorgeführten bürgerlichen Familien und Beziehungen wiederum sind allesamt so elend, die Beteiligten müssen so ängstlich oder innerlich leer schauen, dass man denken könnte, das Weingebiet heisst so, weil da alles zum Weinen ist. So baut sich keine Fallhöhe und keine Spannung auf. Am Ende muss Franziska Tobler dem gestellten Täter vorerzählen, was er empfunden hat. «Stimmt's?» Der Täter schweigt zum Glück.

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