Switzerland

Unternehmer-Paar Cornelia (48) und Fredy Gantner (52) im grossen Interview: Reich, religiös, engagiert

Glaube und Geld, darüber spricht man nicht: Cornelia (48) und Fredy Gantner (52) machen eine Ausnahme, das Ehepaar zählt nicht nur zu den Reichsten hierzulande, sondern gehört auch der Kirche Jesu Christi an. Anlass für eines der seltenen Interviews des Unternehmers und seiner Frau ist der Dokumentar-Film von Cornelia Gantner: «That Girl» feierte am Zurich Film Festival Premiere, sechs Jahre arbeitete sie an dem Film, er gibt Einblick in das langjährige karitative Engagement der Gantners in Afrika.

Einen Teil von dem, was man hat, mit anderen zu teilen, ist Ihnen beiden wichtig. Hat das etwas mit Ihrem Glauben zu tun?
Cornelia Gantner: Die Wurzeln unserer Gesellschaft liegen im Christentum. Die Nächstenliebe ist eine der wichtigsten Lehren dieser Religion. Ich glaube, unsere Einstellung zum Teilen ist deshalb nicht so aussergewöhnlich. Anderen etwas abzugeben, das war für Fredy und mich schon selbstverständlich, als wir noch Studenten waren. Die Beträge haben sich über die Zeit verändert, aber die Selbstverständlichkeit ist die gleiche geblieben. Wir fühlen uns gesegnet, in jungen Jahren hatten wir wenig übrig, jetzt mehr. Für uns ist klar, dass wir das jenen Menschen zukommen lassen, die das wirklich brauchen.

Vor ein paar Jahren haben Sie bei «Jeder Rappen zählt» mit einer Spende von einer Million Franken für Aufsehen gesorgt.
Cornelia: Ja, mit so viel Aufmerksamkeit hatten wir allerdings nicht gerechnet. An jenem Samstag führten in Oberägeri vor der Molkerei Dorf einige Teenager einen Tanz auf, um Geld für die Aktion zu sammeln. Dieses pers��nliche Engagement hat uns beeindruckt, und wir haben spontan entschieden, bei «Jeder Rappen zählt» mitzumachen, ausnahmsweise öffentlich. Damit wollten wir den Einsatz unzähliger Menschen in der ganzen Schweiz würdigen, welche Geld gesammelt hatten. Wenige Stunden später hatte Fredy unverhofft den grossen Auftritt am Radio, den ja alle verdient hätten, die mitgemacht haben.

Spenden in dieser Grössenordnung macht man sonst anonym.
Fredy Gantner: Es wäre schade, wenn nur die guten Taten zählen, über die man spricht. Es passiert sehr vieles im Stillen, und das ist gut so. Aber darin liegt auch eine Ambivalenz. Wenn Vermögende zu diskret sind, dann kommt das Gefühl auf, dass abgesehen von den Steuern alles angehäuft wird. Darum muss man einen Mittelweg finden, das war die Motivation, diese Spende für einmal öffentlich zu machen. Das ist erstaunlich gut angekommen, auch im Umfeld unserer Kinder. Aber wiederholen würden wir das so nicht.

In den USA sind Milliardäre weniger diskret, viele haben sich «The Giving Pledge» von Bill Gates angeschlossen und geben damit ein öffentliches Versprechen ab, einen Teil ihres Vermögens zu spenden.
Cornelia: In der Schweiz haben wir eine andere Kultur, man ist zurückhaltender. Man brüstet sich nicht, weder mit seinem Reichtum noch mit grossen Gaben. Das heisst nicht, dass Schweizer nicht grosszügig sind, jährlich fliessen hier 100 Milliarden Franken in Stiftungen. Das Elend der anderen ist nicht egal.
Fredy: Ich verstehe die Idee hinter Plegde durchaus. Denn es gibt auch einen Populismus gegen Reiche, darum stehen sie hin und sagen, ich gebe mindestens die Hälfte zurück. Ob man deshalb über jede einzelne gute Tat berichten muss, das kann man hinterfragen. Uns ist wichtig, dass unsere Kinder nicht mit der Idee aufwachsen, dass sie mal ein riesiges Vermögen erben. So haben wir sie nicht erzogen, und so funktionieren sie auch nicht. Ein substanzieller Teil unseres Vermögens wird in humanitäre Projekte fliessen.

Was geben Sie Ihren Kindern weiter?
Cornelia: Bodenhaftung. Unser Glaube ist ein wichtiger Anker. Wir haben das Glück, in eine Kirchgemeinde eingebunden zu sein, und unsere Kinder sind in die öffentliche Schule gegangen. Das hat im Umfeld teils Staunen ausgelöst, aber wir wollten, dass sie dem normalen Leben begegnen und Teil unserer durchmischten Gesellschaft werden. Als ganz normale Familie gehören wir dazu.
Fredy: Mein Anker ist Cornelia. Sie sorgt dafür, dass wir nicht abheben, darum zwänge ich mich bei Familienferien mit meinen 1,90 Meter und gut 100 Kilo auch immer in einen Economy-Sitz (lacht). Man muss mit gutem Beispiel vorangehen.

Was geht in Ihnen bei einer Katastrophe vor, so wie kürzlich in Beirut? Kommt der Impuls, zu spenden?
Fredy: Der Impuls ist immer da. Aber dort, wo Kameras drauf sind und je dramatischer das Geschehen ist, desto mehr Spenden fliessen. Oft vergisst man, dass es da draussen tagtäglich ein stilles Sterben gibt, und in ganz anderen Dimensionen, sogar schlimmer als eine solche Tragik wie in Beirut. Darum versuchen wir bei langfristigen Projekten dranzubleiben.

Sie engagieren sich vor allem in Afrika, warum?
Cornelia: Wir arbeiten dort schon über 20 Jahre mit einem Schweizer Ärztepaar im Bereich Gesundheit und Bildung zusammen. Sie haben uns den Weg geebnet, ein Afrika jenseits der touristischen Grenze kennenzulernen. Dank ihnen haben wir direkten Zugang zur Basis, dort können wir den Menschen auf Augenhöhe begegnen – und wir wissen, dass unsere Investitionen dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Ihr Film «That Girl» begleitet eines Ihrer Projekte in Sambia, dafür sind Sie während sechs Jahren elf Mal ins abgelegene Dorf Chewe gereist. Wie muss man sich das Leben der Menschen dort vorstellen?
Cornelia: Sehr einfach. Es gibt keine Schule, keine medizinische Versorgung und keine Perspektiven. Natürlich fragen wir uns auch, ob wir überhaupt das Recht haben, in diese Welt einzudringen und somit soziale Strukturen zu verändern. Aber den Leuten dort ist absolut bewusst, dass sie wirklich benachteiligt sind und andere ein besseres Leben führen. Nicht mal im Vergleich zu uns, sondern auch innerhalb von Sambia.
Fredy: Ich habe Cornelia einmal nach Chewe auf einen Dreh begleitet, ich bewundere, wie sie dort im Busch campiert hat. Es ist wirklich die einfachste Welt, die ich je gesehen habe. Es gibt keinen Strom, kein fliessendes Wasser oder keine sanitären Anlagen, bloss ein Plumpsklo. Dort hat jeden Abend eine riesige Spinne auf mich gewartet (lacht). Die Leute dort haben wirklich nichts, auch kein Bargeld, es gibt höchstens Tauschhandel.
Cornelia: Und man darf nicht vergessen, wie hoch die Kindersterblichkeit ist. Als Mutter im ländlichen Sambia muss man leider davon ausgehen, dass mehrere Kinder innerhalb des ersten Lebensjahrs sterben. Es gehört zum Alltag. Das heisst aber nicht, dass der Verlust für diese Mütter nicht schlimm ist. Sie trauern genauso um ihr Kind, wie wir das tun würden. Das Leben dort kann wirklich hart sein.

Ihr Engagement gilt insbesondere Mädchen und Frauen.
Cornelia: Inspiriert von meinem Film habe ich die «Be That Girl Foundation» gegründet. Sie bezweckt, Menschen zu begleiten auf ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung. Frauen haben das dringender nötig, weil ihr Leben von Brüdern, Vätern und Ehemännern bestimmt wird.
Fredy: In unseren 20 Jahren Engagement in Afrika haben wir früh gesehen, was heute eine anerkannte Faustregel in der Entwicklungshilfe ist: Frauen können besser mit Geld umgehen als Männer. Sie neigen weniger zu Alkohol und Tabak, und ihre Rückzahlungsrate bei der Mikrofinanzierung ist deutlich besser. Effektive Hilfe funktioniert besser über Frauen.

Sie haben es vom Banklehrling zum milliardenschweren Unternehmer gebracht, eine geradezu märchenhafte Karriere, wie schafft man das?
Fredy: Ich bin ein Überzeugungstäter, das gilt für uns beide. Was immer wir tun, tun wir mit Leidenschaft. Wäre es mir nur um Geld und Karriere gegangen, wäre ich als 27-Jähriger bei Goldman Sachs geblieben, dort habe ich mehr als genug verdient. Aber ich wollte etwas Eigenes aufbauen, habe die beiden richtigen Partner gefunden und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und dann gehört da auch eine grosse Portion Glück dazu.

Heute sind Sie sehr vermögend. Macht Geld glücklich?
Cornelia: Nein. Das ist die einfache Antwort. Denn die wichtigsten Fragen des Lebens, kann Geld nicht beantworten. Natürlich ist es einfacher, glücklich zu sein, wenn man sich keine Sorgen machen muss über das Notwendige, und man hat mehr Optionen, mehr Möglichkeiten im Leben.
Fredy: Das ist ein grosses Thema im Film, die Möglichkeit zur Selbstbestimmung ist ein absoluter Schlüssel zum Glücklich-Sein, um sich persönlich entwickeln und entfalten zu können.

Wie haben Sie beide sich eigentlich kennengelernt?
Fredy: In unserer Kirche, wir haben uns gemeinsam um die Dekoration für einen Disco-Abend gekümmert. Das war kurz nachdem ich der Kirche Jesu Christi beigetreten war, und es wurde auch der Anfang unserer Liebe. Cornelia war damals 20, wenige Monate später haben wir geheiratet.
Cornelia: Eigentlich hatte ich komplett andere Pläne, nach der Matura wollte ich Indien bereisen und Journalistin werden. Aber ich habe schnell erkannt, dass Fredy der Mann meines Lebens ist. Also ging es gemeinsam in die USA, es war eine tolle und prägende Zeit, wir studierten auf dem gleichens Campus und lebten in einer kleinen Wohnung im Untergeschoss.

Wie kommt man dazu, der Kirche Jesu Christi beizutreten?
Cornelia: Ich bin in der Kirche aufgewachsen.
Fredy: Obwohl ich nicht religiös aufgewachsen bin, hatte ich mich immer mit Glaubensfragen auseinandergesetzt. Mit 23 Jahren ging ich für einen Sprachaufenthalt an die Brigham Young University in der Nähe von Salt Lake City. Dort bin ich mitten in die Mormonen-Community eingetaucht. Es war ein Schlüsselerlebnis und eine tiefe spirituelle Auseinandersetzung. Als ich nach Hause gekommen bin, habe ich mich taufen lassen. Bis heute kann ich voll hinter diesem Glaubensbekenntnis stehen. Das gibt uns als Ehepaar und als Familie eine wichtige Richtschnur.

Wie beeinflusst der Glaube die Liebe?
Cornelia: Es ist ein gemeinsames Fundament. Wir beten jeden Tag, einzeln und als Familie, lesen in der Bibel und im Buch Mormon, gehen jeden Sonntag zur Kirche, arbeiten in verschiedenen Funktionen mit. Fredy war lange ein lokaler Bischof, ich bin seit einem Jahr in der überregionalen Leitung der Kirche.
Fredy: Uns geht es wie vielen Paaren, wegen Kindern, Karriere und Kirche macht man Abstriche in der Beziehung. Wir hatten, seit die Kinder klein waren, jede Woche eine Date-Night. Das war wertvoll! Eine Ehe ist da, um gemeinsam zu wachsen, aber man soll sich auch gegenseitig persönliches Wachstum ermöglichen. Wir haben eine schöne und innige Beziehung. Jetzt sind die letzten Kinder ausgeflogen, das gibt neue Dynamik und Chancen. Wir freuen uns auf den nächsten Lebensabschnitt.

Was haben Sie noch für Träume?
Fredy: Ich freue mich nach 25 Jahren Familie, Firma und Kirche auf unsere Zeit, in der wir wieder mehr zu zweit sind. Auf unsere Projekte, mit denen wir viel bewegen wollen, und ich hoffe, dass ich schon bald mein erstes Enkelkind im Arm halten werde.
Cornelia: Mein Traum ist, dass ich in 25 Jahren zurückblicken und sagen kann, wow, meine «Be That Girl Foundation» hatte einen echten positiven Einfluss auf das Leben von Frauen und Mädchen. Aus einem spannenden Filmprojekt wird hoffentlich ein Engagement, welches Leben verändert. Das sind kühne Träume, aber schliesslich weiss ich jetzt, wie man an ein ambitiöses Projekt herangeht: «Dream wildly!», wie Gladys in meinem Film uns allen zuruft.

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