Switzerland

Wegen Corona: Feintool schreibt im ersten Halbjahr rote Zahlen

Beim Lysser Unternehmen Feintool droht ein Arbeitsplatzabbau. Das Unternehmen hat in der Coronakrise stark an Umsatz verloren und schreibt im ersten Halbjahr einen hohen Verlust.

Blick in eine Fabrikationshalle von Feintool in Lyss. (Archivbild)

Blick in eine Fabrikationshalle von Feintool in Lyss. (Archivbild)

Foto: Keystone/Gaetan Bally

Die Lysser Industriegruppe Feintool hat in der Coronakrise stark an Umsatz verloren und schreibt im ersten Halbjahr einen hohen Verlust. Nebst Corona belastet auch die Krise in der Automobilindustrie. Es droht ein Stellenabbau.

Der Umsatz der Gruppe fiel in den Monaten Januar bis Juli gegenüber dem Vorjahr um gut einen Drittel auf noch 212,3 Millionen Franken zurück, wie es in einer Mitteilung vom Freitag heisst. Im grössten Geschäftsfeld, der Teilefertigung, brachen die Verkäufe um 34 Prozent auf 197,5 Millionen Franken ein, im Geschäft mit Feinschneideanlagen gar um 47 Prozent auf noch 22,9 Millionen.

Mit diesem weiteren Umsatzrückgang und wegen hoher Abschreibungen fällt Feintool im Halbjahr in die roten Zahlen. Auf Stufe EBIT beläuft sich das Minus auf 17,4 Millionen Franken nach einem Plus von 10,5 Millionen im Vorjahr. Und unter dem Strich verbleibt ein Reinverlust von 17,5 Millionen nach einem Gewinn von 4,7 Millionen.

Massnahmen eingeleitet

Um in der Coronakrise weiter bestehen zu können, ergreift Feintool eine Reihe von Massnahmen. Es sollen etwa Kosten eingespart werden, insbesondere beim Personal.

An den europäischen Standorten befinden sich seit April alle Werke und wichtige Abteilungen in Kurzarbeit und noch in diesem sowie im nächsten Jahr soll den Angaben zufolge Personal abgebaut werden. Wie viele Stellen verloren gehen sollen, wird nicht angegeben.

In den USA hat Feintool derweil bereits im Frühling einen grossen Teil der Belegschaft freigestellt. Das sei den dort gültigen Regeln am Arbeitsmarkt geschuldet. Immerhin konnten inzwischen mit der sich abzeichnenden Erholung wieder Mitarbeitende zurück in die Werke geholt werden. In China werde sich die Anzahl Mitarbeiter aufgrund laufender Projekte dagegen erhöhen.

Weiter hat Feintool zur Senkung der laufenden Kosten geplante Investitionen gestoppt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Auch seien die Bestände an Rohstoffen und Fabrikaten optimiert worden. Und zur Sicherung der operativen und finanziellen Flexibilität wurde mit Hausbanken ein neuer Kreditvertrag abgeschlossen. Dies hatte Feintool bereits Ende Juni angekündigt.

Hoffnung auf E-Mobilität

Trotz der momentanen Unsicherheiten rund um Corona und der Krise im Automobilmarkt schaut Feintool optimistisch in die Zukunft. Grund dazu gibt etwa der Trend hin zur E-Mobilität, wo Feintool mit dem Standbein im Elektroblechstanzen punkten will. Das Auftragsvolumen sei dort vor allem in Europa und China angestiegen und mittel- bis langfristig rechnet die Gruppe in diesem Marktsegment mit einem bedeutenden globalen Wachstum.

Positiv stimme auch, dass in den ersten sechs Monaten für bestehende und neue Kunden der Automobilindustrie in allen Weltregionen Projekte gewonnen werden konnten. Feintool geht für die zweite Jahreshälfte gegenüber dem ersten Halbjahr von einem leicht höheren Umsatz und einer deutlich verbesserten Profitabilität aus. Fürs Gesamtjahr wird aufgrund der Unsicherheiten aber nach wie vor auf eine Guidance verzichtet.

Zudem wird Finanzchef Thomas Bögli in den Ruhestand gehen und sein Amt im April 2021 abgeben. Nachfolger wird Samuel Künzli, der zuletzt Finanzchef der Schweizer Division des Bahnherstellers Stadler war.

sda/tag

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