Switzerland

Zwei Finals – zweimal vor Fans: In Australien feierten sie in Stadien – trotz Corona

Am Wochenende fanden sowohl der Final der Australian Football League als auch jener der National Rugby League statt. Über 67’000 Fans waren in den Stadien.

Erstmals Austragungsort des «Grand Final» im Australian Football: Der Brisbane Cricket Ground. Und trotz Corona mit 29’707 Fans zu zwei Dritteln belegt.

Erstmals Austragungsort des «Grand Final» im Australian Football: Der Brisbane Cricket Ground. Und trotz Corona mit 29’707 Fans zu zwei Dritteln belegt.

Foto: Reuters

Neun Neuinfektionen auf einem Kontinent mit fast 26 Millionen Einwohnern. Ein Meisterschaftsfinal vor 37’000 Zuschauerinnen und Zuschauern, der andere vor knapp 30’000. Führen sich Sportfans in der Schweiz diese Zahlen vor Augen, lassen sie einen nur ratlos und nachdenklich zurück. Denn während hierzulande die Zahl der täglichen der Corona-Infektionen drastisch steigt, zahlreiche Kantonsregierungen verschärfte Massnahmen zur Eindämmung des Virus erlassen und Fans der Zugang zu Stadien wieder verboten wird, fanden am Wochenende in Down Under sowohl das Endspiel der Australian Football League (AFL) als auch jenes der National Rugby League (NRL) statt. Vor Zuschauerzahlen, die das Sportlerinnenherz vor Neid erblassen lassen.

Als in der Schweiz der Fussball-Meister aus Bern in einem Geisterspiel gegen den FC Luzern gewann, pilgerten in Sydney, wo traditionell seit 1999 das Endspiel der Rugby-Meisterschaft ausgetragen wird, Zehntausende ins Stadion zum «Grand Final» zwischen den Penrith Panthers und Melbourne Storm. Der Final war dabei fast genauso denkwürdig wie eine Saison, die im März beim Ausbruch der Pandemie noch unterbrochen worden war, im Mai aber unter strikten Auflagen wieder fortgesetzt wurde. Nach der ersten Halbzeit führte Melbourne 22:0, kurz nach der Pause und einem erneuten Try 26:0, nur um die Panthers in der zweiten Halbzeit bis zum Endstand auf 20:26 herankommen zu lassen. Dabei erzielten die Panthers ihren vierten Try drei Sekunden vor Schluss und hatten die Chance, die Partie mit dem letzten Spielzug endgültig zu kehren – der Erfolg blieb ihnen jedoch versagt.

«Es ist ein fantastisches Gefühl. Wir waren seit über fünf Monaten nicht zu Hause, und um diese herausfordernde Saison abzuschliessen, nehmen wir diesen Sieg», sagte Melbournes Captain Cameron Smith nach dem Sieg, dem 37’303 Fans beiwohnten. Als im Juni im Bundesstaat Victoria die Zahl der Neuansteckungen langsam zu steigen begann, reagierten Liga und lokale Behörden. Die Storm mussten «umziehen» nach Sunshine Coast, in Queensland gelegen. Bis heute zählt der nördlich gelegene Bundesstaat nur rund 1200 Corona-Fälle – in Victoria sind es 20’300. Noch immer ist Victoria mitsamt dem Hotspot Melbourne vom Rest des Landes abgeschottet.

Bruch mit der Geschichte

Deshalb fand der zweite «Grand Final» des Wochenendes auch in Brisbane und nicht in Melbourne statt – erstmals seit 122 Jahren. Für unzählige Fans des Australian Football ein schwerer Schlag, findet das Endspiel der Meisterschaft doch traditionell im Melbourne Cricket Ground statt, einem der bedeutendsten und grössten Stadien Australiens.

Blick ins Rund: Der leere Melbourne Cricket Ground.

Blick ins Rund: Der leere Melbourne Cricket Ground.

Foto: Quinn Roone (Getty Images)

Die 1854 eröffnete Spielstätte bietet über 100’000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz, ist Austragungsort für die Heimspiele von gleich vier Football-Teams aus Melbourne. Überhaupt ist die Millionenmetropole mitsamt ihren Vororten die Wiege des «Footy», hiess die Liga ursprünglich «Victorian Football League», sind derzeit zehn von 18 Mannschaften in Victoria beheimatet. Normalerweise.

Weil aber 2020 alles andere als normal ist, musste Brisbane, Bundeshauptstadt von Queensland, praktisch die gesamte AFL beherbergen. Die Austragung des «Grand Final» war deshalb auch ein Dank an die Stadt. Und so konnten auch in Pandemie-Zeiten für Schweizer Verhältnisse immer noch unfassbare 29’707 Fans im Brisbane Cricket Ground mitverfolgen, wie die Richmond Tigers gegen die Geelong Cats 81:50 gewannen und ihre dritte Meisterschaft innert vier Jahren sicherten.

Zwei nicht vollends belegte Spielstätten, insgesamt 67’044 Zuschauerinnen und Zuschauer, die ihre Teams feierten: Es wirkt aus Schweizer Sicht nicht nachvollziehbar. Am 26. Oktober meldete das BAG die Zahl der Neuinfektionen in der Schweiz über das Wochenende: 17’440. In Australien sind es im gleiche Zeitraum 45, davon neun am Montag. Das Land hält an seinen Einreisebeschränkungen fest. Aktuell dürfen ausschliesslich australische Einwohner und Bürger sowie unmittelbare Verwandte nach Australien einreisen.

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