Austria

Covid-Regelverstöße: Schützenhöfer will Zugriff auf Privatbereich

Der steirische Landeshauptmann lehnt die Forderung seiner ÖVP-Kollegen, die Quarantäne von K1-Personen zu verkürzen, ab. Und lässt mit Kritik an der Bundesregierung aufhorchen.

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) will einen verfassungsrechtlich gangbaren Weg suchen, um bei Verstößen gegen Corona-Regeln auch im Privatbereich eingreifen zu können. "Für bestimmte Fälle, für bestimmte Zeiten", meinte er im "Kurier“ vom Dienstag. Außerdem spricht sich Schützenhöfer gegen die Forderung seiner Parteikollegen aus, die Quarantäne von K1-Personen zu verkürzen.

Bei gesundheitlichen Herausforderungen wie Corona gebe es "Einschränkungen der Freiheit", erklärte Schützenhöfer. Er sei für Einschränkungen, "dort wo sie erklärbar sind", so der Landeshauptmann. "Ich will ja nicht in Schlafzimmer hineinschauen, aber wenn bei Privatpartys in einem Keller oder in einer Gartenhütte Exzesse gefeiert werden, muss man das auflösen können." Er sei dafür, "dass wir hier einen verfassungsrechtlich gangbaren Weg suchen", bei dem man auch die anderen Parteien einbinde.

Gegen "Freitesten"-Vorschlag von Köstinger

Von der Forderung seiner Parteikollegin, Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), die Quarantänezeit von K1-Kontaktpersonen im Tourismus von zehn auf fünf Tage zu verkürzen, indem man sich "freitesten" kann, hält Schützenhöfer, der zuletzt selbst in Isolation musste, nicht viel: Studien würden das nicht hergeben. "Für bestimmte Gruppen verkürzen, halte ich sowieso für gefährlich, weil warum tut man das genau für diese? Und es gibt für mich auch keinen Anhaltspunkt dafür, dass man die Quarantänezeit für alle verkürzen sollte." Auch ÖVP-Chef und Kanzler Sebastian Kurz hatte sich zuletzt für eine kürzere Quarantäne ausgesprochen.

Auch andere Maßnahmen, die ebenfalls von Kurz beworben wurden, lehnt Schützenhöfer derzeit ab: "Nur weil zwei Bezirke in der Steiermark rot sind, drängt man auf Maßnahmen wie frühere Sperrstunde oder Registrierungspflicht im Gasthaus. Aber ich sehe nicht, dass dort, wo die Sperrstunde vorverlegt wurde, weniger Infektionen sind." Die eigentlichen Ansteckungen passierten bei den Festen der Vereine in den Gemeinden - die steirischen Regierungsmitglieder dürfen an solchen Feiern nun nicht mehr teilnehmen, sie sollten verschoben oder abgesagt werden, rät Schützenhöfer.

„Gemeinsamkeit der Regierung ist abhandengekommen"

Überhaupt lässt der Landeshauptmann mit Kritik an der Bundesregierung aufhorchen: In zentralen Punkten wie der Sperrstunde oder der Maskenpflicht hielte er es für besser, wenn man bundeseinheitlich vorgehen würde. Das "Hauptproblem" sei aber, "dass uns in den letzten Monaten einerseits die Gemeinsamkeit der Regierung abhandengekommen ist", befand Schützenhöfer. "Zwischen der Volkspartei und den Grünen gibt es sehr divergierende Meinungen, wie man vorgeht. Da werden ja Maßnahmen angekündigt, die dann nicht kommen, weil man sich nicht einigen konnte."

Und man müsse "auch mit Bedauern feststellen, dass die Zusammenarbeit, der Gleichklang, der Schulterschluss zwischen Bund und den Ländern nicht mehr so wirklich funktioniert". Hinsichtlich seines eigenen Bundesparteichefs betont Schützenhöfer aber: "Der Bundeskanzler bemüht sich sehr."

Neue Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft fänden bei Schützenhöfer wenig Anklang. Die Regierungs-Ansage "Koste es, was es wolle" am Beginn der Pandemie habe ihn "wirklich geschreckt". Fixkosten zu ersetzen könne man sich vielleicht bis zum Frühjahr leisten, "darüber hinaus nicht".

>>> Hermann Schützenhöfer im „Kurier“ 

(APA)

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