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Explosivstoff von Beirut: Was Ammoniumnitrat so gefährlich macht

Das Bild zeigt jene gewaltige Detonation, die am Dienstag Beirut erschütterte.

© EPA/@tayyaraoun1

Die Chemikalie soll die Explosion in Beirut verursacht haben. Der KURIER hat sich bei Experten darüber kundig gemacht.

von Marlene Patsalidis

Nach der Explosion in Beirut läuft die Ursachenforschung auf Hochtouren. Die libanesischen Ermittler vermuten derzeit, dass riesige, in einem Hafen-Lager vorrätige Mengen Ammoniumnitrat die gewaltige Detonation ausgelöst haben könnten.

Berichten zufolge sollen über 2.700 Tonnen der Substanz dort deponiert gewesen sein. Doch worum handelt es sich bei der offensichtlich sehr gefährlichen Chemikalie überhaupt?

Was ist Ammoniumnitrat?

Ammoniumnitrat ist ein fester, farbloser, kristalliner Stoff. "Ein Salz, das sich einfach aus Ammoniak und Salpetersäure herstellen lässt", erklärt Michael Reithofer, Assoziierter Professor des Institutes für Anorganische Chemie der Universität Wien. Die Substanz wird konkret durch die Neutralisation von Ammoniak mit Salpetersäure gewonnen. Indem man die Säure mit der Base mischt. Dabei entsteht Wärme, weswegen die Bildung nur unter starker Kühlung stattfinden kann. Die Kristalle werden auch als Ammonsalpeter, Ammoniaksalpeter oder brennbares Salpeter bezeichnet.

Wozu wird es verwendet?

Dünger, Raketenbrennstoff, Sprengmittel: Zur Herstellung dieser Produkte wird Ammoniumnitrat üblicherweise eingesetzt.

Warum ist es hochexplosiv?

"Ammoniumnitrat ist ein starkes Oxidiermittel. Wenn man es erhitzt, entsteht Sauerstoff, der als Brandbeschleuniger wirkt. Zudem hat Ammoniumnitrat einen hohen Stickstoff-Anteil. Grundsätzlich gelten alle Verbindungen, die einen hohen Stickstoff-Anteil haben, als explosiv. Da die treibende Kraft die Bildung von elementarem Stickstoff, welche die stabilste Form von Stickstoff darstellt, ist", sagt Michael Reithofer. Ammoniumnitrat benötigt allerdings spezifische Bedingungen, um zu explodieren wie zum Beispiel große Hitze durch ein Feuer. Wenn Ammoniumnitrat als Sprengstoff verwendet wird, wird es meist mit Ölen, etwa Petroleum, gemixt und per Initialzündung zum Detonieren gebracht.

Bei der Erhitzung zersetzt sich Ammoniumnitrat in Wasser, Stickstoff und Sauerstoff. Durch ebenfalls gebildete Stickoxide (NOx) entsteht eine rotbräunliche Wolke, welche auch auf Bildern in Beirut zu sehen ist.

Ist die Explosionswolke typisch für eine solche Detonation?

"Das passiert grundsätzlich bei jeder Explosion, weil dabei physikalischen Gesetzen folgend viel Gas aus festen oder flüssigen Ausgangsstoffen gleichzeitig entsteht und viel mehr Volumen beansprucht – und sich dadurch Druck in Schallgeschwindigkeit in alle Richtungen ausbreitet", sagt Johannes Theiner, Leiter des Mikroanalytischen Laboratoriums der Fakultät für Chemie, Universität Wien.

Die sogenannte Druckwelle wird von der Gaswolke ausgelöst, die bei der Explosion gebildet wird. Die schnelle Ausbreitung erfolgt aber aufgrund physikalischer Gesetze ("Aerodynamik", Dynamik von Fluiden) direkt in der Luft und ist nicht mit dem Transport der Explosionsprodukte verbunden.

Ist die Substanz als Ursache für die Explosion in Beirut plausibel?

"Diese Frage muss kriminalistisch beurteilt werden", meint Johannes Theiner. Das Problem: "Wenn Ammoniumnitrat unter Einfluss von Hitze vollständig zerfällt, spaltet es sich in seine Bestandteile auf und es bleibt kein fester Rückstand", sagt er. Aus dem libanesischen Präsidialamt heißt es, dass das Ammoniumnitrat jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert worden sei.

Die Gefährlichkeit von großen Mengen an Ammoniumnitrat ist spätestens seit dem Unglück im Oppauer Stickstoffwerk (BASF) am 21. September 1921 bei Ludwigshafen am Rhein bekannt, wo große Mengen von Ammoniumsulfatnitrat mittels lokaler Sprengungen für den Abtransport gelockert und bereitgestellt werden sollten. Damals explodierten etwa 400 Tonnen der Verbindung.

Stichwort Lagerung: Worauf muss dabei geachtet werden?

Unter normalen Lagerbedingungen und bei mäßigen Temperaturen entzündet sich Ammoniumnitrat, wie bereits beschrieben, nur schwer. Die Chemikalie sollte nicht in großen Mengen gelagert werden, je mehr Material auf einem Haufen vorhanden ist, desto größer die Gefahr. Um bei Unfällen das Risiko einer Katastrophe zu minimieren, müssen Löschmittel vorbereitet und höchste Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Im industriellen Umfeld sorgen gesetzliche Bestimmungen und die Behörden (Arbeitsinspektion) dafür, dass Lagerhallen und Arbeitsbereiche über vorgeschriebene Sicherheitsausstattung verfügen, die den umgesetzten Stoffarten und –mengen angemessen sind. Es ist ein gutes Zeichen für die nationale Gesetzgebung und deren Umsetzung, dass große Unfälle in Österreich und den benachbarten EU-Ländern eher selten sind.

Wo wurde Ammoniumnitrat bereits für Anschläge eingesetzt?

Sprengstoffe mit Ammoniumnitrat werden immer wieder bei Anschlägen verwendet. Timothy McVeigh – er verübte im Jahr 1995 zusammen mit Terry Nichols und Michael Fortier den Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City – oder der norwegische Attentäter Anders Breivik – er verübte 2011 Anschläge auf der Insel Utøya – griffen auf den Stoff zurück.

Auch in Bali, bei einer Explosion im chinesischen Tijanjin und in der Rohrbombe, die 2012 am Bonner Bahnhof in Deutschland entschärft werden konnte, fand sich die Substanz als Bestandteil des Sprengstoffes.

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