Austria

FMA dreht Mattersburg-Bank zu: "Viele werden sehr viel Geld verlieren"

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt, die Bank ist laut Doskozil zu liquidieren. Einer der großen Kunden der Commerzialbank ist die börsennotierte IT-Firma Frequentis.

Bei der burgenländischen Commerzialbank Mattersburg ging es nach Unregelmäßigkeiten, die jetzt bei einer Vorort-Prüfung der Bankprüfer offenkundig geworden sind, dann ganz schnell. Der Vorstandschef Martin Pucher hat nach einer ersten Befragung gestern per sofort seinen Job zurückgelegt. Der Fall liegt bereits bei der Justiz.  Ein Sprecher der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat am Vormittag den Eingang der Anzeige durch die Finanzmarktaufsicht (FMA) bestätigt. Der Verdacht lautet auf Bilanzfälschung und Untreue.

Der Bank wurden heute Nacht die Geschäfte zur Gänze untersagt. Zum Regierungskommissär bestellt wurde der Wirtschaftsprüfer Bernhard Mechtler. Der Bescheid, der in der Nacht auf Mittwoch bekannt gegeben wurde, wurde sofort wirksam.

Die Bank hatte einst als Raiffeisenbank Schattendorf firmiert und sich Mitte der 90er Jahre aus dem Raiffeisensektor verabschiedet. Der zurückgetretene Bankchef Martin Pucher ist auch Clubchef des SV Mattersburg.

Einlagen bis 100.000 Euro gesichert

Mehr als 400 Millionen Euro an gedeckten Einlagen liegen in der Mattersburger Commerzialbank. Die Einlagensicherung ist schon aktiv, der Einlagensicherungsfall bereits eingetreten. Dafür muss nicht erst ein Konkurs einer Bank abgewartet werden. In der Bank sind selbst damit keine weiteren Einzahlungen oder Abhebungen oder Überweisungen möglich. Für Auszahlungen von Einlagen springt die gesetzliche Einlagensicherung ein. Gesichert sind Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person (auch für Kleinunternehmen).

Die Einlagensicherung Austria GmbH hat innerhalb von 15 Arbeitstagen gesicherte Guthaben (Girokonten, Gehaltskonten, Studentenkonten, Pensionskonten, Sparbücher und Sparkonten, Wertpapierverrechnungskonten sowie Bausparverträge) auszuzahlen. Wie heute mitgeteilt wurde, ist die Einlagensicherung dafür schon mit der Bank in Kontakt. Man bereite die Abwicklung der Auszahlung vor.

Betroffene Einleger können sich auch telefonisch oder per e-mail an die Einlagensicherung wenden: Telefon: +43 (1) 533 98 03-0, via mail: office@einlagensicherung.at.

Doskozil: Lage „dramatisch"

Die Bank steht vor der Liquidation. "An einen Fortbestand ist in keinster Weise zu denken. Die Bank ist zu liquidieren", betonte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Das Land richtet nun Hotlines für Betroffene ein. Viele Unternehmen und Privatpersonen würden durch den Bilanzskandal "höchstwahrscheinlich am Ende des Tages sehr viel Geld verlieren", sagte Doskozil.

Sowohl in der Landesregierung als auch in der Wirtschaft Burgenland (WiBuG) werde eine Hotline eingerichtet, die Privatpersonen beziehungsweise Unternehmen zur Verfügung stehen wird. Zudem werde ein Jurist engagiert, der kostenlose Rechtsberatung bieten werde.

Das Land selbst ist laut Doskozil nicht betroffen. Es habe keine Geschäftsbeziehung zur Commerzialbank gegeben. Die Energie Burgenland habe allerdings rund fünf  Millionen Euro dort veranlagt. "Ich gehe davon aus, dass das Geld weg ist", sagte Doskozil. Die Höhe des Schadens sei derzeit noch nicht absehbar. Die Finanzmarktaufsicht habe ihm jedoch mitgeteilt, dass die Lage "dramatisch" sei, so der Landeshauptmann.

Börsennotierte IT-Firma Frequentis stark betroffen

Einer der Betroffenen ist die börsennotierte Wiener Technologiefirma Frequentis, einer der großen Kunden der Commerzialbank. Frequentis hält bei dem burgenländischen Geldhaus, das nun liquidiert wird, mit heutigem Tag Einlagen in Höhe von ungefähr 31 Millionen Euro, so das Unternehmen am Mittwoch. "Frequentis beobachtet die Situation sehr genau und evaluiert alle Maßnahmen, um ihre Rechte zu wahren", so das Unternehmen, das Anlagen für sichere Kommunikation anbietet. "Bei anderen Banken verfügt die Frequentis-Gruppe per 30. Juni 2020 über Einlagen von mehr als 56 Millionen Euro." Das Geld liege sowohl auf Banken in Österreich als auch in anderen europäischen Ländern sowie in Asien und Amerika.

Frequentis habe unmittelbar nach Bekanntwerden der Verwerfungen bei der Mattersburg-Bank etwaige Auswirkungen geprüft: das alles habe keinen Einfluss auf das operative Geschäft. "Das operative Geschäft bei Frequentis geht in gewohntem Umfang weiter. Trotz der Coronakrise sind wir mit Aufträgen voll ausgelastet", so Finanzchefin Sylvia Bardach.

Bank Burgenland hilft aus

Die Bank Burgenland kündigte an, Kunden der Commerzialbank Mattersburg schnell und unbürokratisch zu unterstützen. Es wurden Hotlines für Privatkunden (02626 675 70 3675) und Firmenkunden (02682 605 3605) eingerichtet. Kurzfristig werden die Mitarbeiterkapazitäten erhöht und gleichzeitig die Öffnungszeiten in der Filiale Mattersburg verlängert.

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