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Austria

Martin Bernhofer: Ein Jugendsender kann Ö1 nicht sein

Der neue Ö1-Chef Martin Bernhofer steht zum Amtsantritt vor einigen Herausforderungen. Mit der „Presse am Sonntag“ sprach er über die Übersiedlung des Senders, digitale Transformation, neue Zielgruppen und sein Faible für Reiseführer.

Seit zweieinhalb Wochen ist Martin Bernhofer als Ö1-Chef im Amt. Doch sein Büro schaut noch so aus wie unter Vorgänger Peter Klein. Nur der Buddha-Kopf, den er von einer seiner jährlichen Asienreisen – aus Myanmar – mitgebracht hat, steht schon da. „Das ist das erste Objekt, das mich begleitet hat“, sagt Bernhofer. Vier Gesichter hat der Kopf, jedes zeigt eine andere Emotion – und in eine andere Richtung. „Das soll darstellen, dass ich die Welt gerne aus verschiedenen Perspektiven sehe. Und dass man auch in Gegensätzen denken kann.“ Fähigkeiten, die er als Chef des Senders, für den er seit 1985 arbeitet, vermutlich gut brauchen kann.

Auch wenn er wohl nur fünf Jahre bleiben wird – Bernhofer wird heuer 60 –, es gibt viel zu tun. Allem voran die von vielen ungeliebte Übersiedlung auf den Küniglberg. „Nachdem die Entscheidung gefallen ist, werden wir einen konstruktiven Weg finden.“ 2022 ist es so weit. Versüßt wird der Abzug aus der Innenstadt dadurch, dass Ö1 am „Campus“ ein neues Haus bekommt – nah an den anderen ORF-Medien. „Es soll einen multimedialen Austausch geben. Das üben wir jetzt schon, wenn es Themenschwerpunkte oder gemeinsame Aktionen gibt. Das sind Kooperationen, die wir in der neuen Nachbarschaft intensivieren können.“

„Ö1 Dossier“ in der Pipeline. Zweiter Punkt auf der To-do-Liste des neuen Chefs: Innovation und digitale Transformation. Das sei als Thema fürs Programm genauso zu denken wie für den Sender an sich, sagt er. Den Einwand, dass Ö1 derzeit nicht gerade ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung sei, lässt Bernhofer nicht gelten – und verweist auf science.orf.at, an dessen Entstehung er maßgeblich beteiligt war. Vor knapp 20 Jahren. „Solche Projekte will ich verstärkt initiieren“, sagt er. Eine Idee hat er schon in der Pipeline: Das „Ö1 Dossier“. Hier sollen aktuelle Produktionen mit Archivmaterial angereichert und digital ausgespielt werden. Allerdings ist Ö1 (wie allen ORF-Sendern) die Verwendung von Archivinhalten nur begrenzt erlaubt. Was sich Bernhofer also von einer neuen Regierung wünscht? „Gerne hätten wir, dass wir all die Schätze, die wir tagtäglich produzieren, über einen längeren Zeitraum anbieten können als es derzeit aufgrund der 7-Tage-Regelung möglich ist.“ Ö1 könne so zum „Nationalarchiv des Wissens“ werden. Das Archiv sei „ein öffentliches Gut, das wir der Gesellschaft gerne zurückgeben würden.“

Womit wir beim nächsten Punkt wären: 700.000 Hörer täglich nützen das Angebot von Ö1, das entspricht einer Reichweite von 9 Prozent. Geht noch mehr? „Ich mache mir jetzt keine Zielvorgaben“, sagt Bernhofer. Und er habe auch keine vorgegeben bekommen. Aber er weiß auch: Bei den jungen Hörern ist noch Luft nach oben.

Die Jungen im Fokus. Ö1 wird in nächster Zeit ressortübergreifend den Fokus auf die jüngere Generation richten – auf „junge Musiker, junge Gedanken, innovative Ansätze“, sagt er. „Das heißt aber nicht, dass wir ein Jugendsender werden wollen. Das kann Ö1 nicht sein.“ Ein Programmumbau sei nicht geplant, die Sendungen bleiben, wie und wo sie sind. „Nicht nur als Programmmacher, auch als leidenschaftlicher Ö1-Hörer finde ich das Verhältnis von Wort und Musik ausgewogen.“ Er sieht das Tuning als „einen evolutionären Prozess, der sich innerhalb des Schemas und innerhalb bestehender Strukturen ergeben wird.“ Auch beim Radio-Symphonieorchester bleibe alles wie gehabt. Im Zuge des ORF-Sparplans muss jedoch auch Ö1 die Kosten senken. Immerhin einen Posten hat der bisherige Ressortleiter für Wissenschaft und Bildung eingespart: Seinen eigenen. „Bis auf weiteres bleibt diese Agenda unter meiner Obhut.“ Es wird also nicht nachbesetzt.

Ob da noch die Zeit für Hobbys bleibt? Vier bis fünf Mal Sport pro Woche, Ashtanga-Yoga, Theater, Festspiele, Kino zählt er auf und „Bücher, Bücher, Bücher“ – Wissenschaft, Belletristik, asiatische Literatur und Reiseführer. Von denen hat er so viele, dass er sie daheim auf der Stiege stapelt. Nicht alle hat er gelesen. „Das Präsenthalten der Bücher, die man noch lesen sollte, ist doch ein intellektuelles Vergnügen.“

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