Austria

Pro & Contra: Braucht Wien einen Pool am Gürtel?

Noch bis 30. August kann man am Gürtel planschen. Dekadentes Spaßprojekt oder gelungene Intervention im öffentlichen Raum?

von Julia Schrenk, Josef Gebhard

PRO:

von Julia Schrenk

Haben wir keine anderen Probleme?“ – kriegt man in einer Diskussion über „den Pool“ oft zu hören. Und: „Gibt es nichts  Wichtigeres zu tun?“

Ja, eh.

 Aber wer so argumentiert, der darf sich in seinem Leben auch abseits  von Pool-Debatten kein bisschen Spaß erlauben. Wer abends einmal nett essen gehen möchte, muss – um dieser Logik zu folgen – dann leider absagen. Schließlich kann man sich ja auch zu Hause ein feines Butterbrot machen! Wer am Wochenende einen Ausflug ins Grüne machen möchte, muss verzichten. Denn sicher sind zu Hause noch Hemden zu bügeln oder die Fenster zu putzen!

Ja, 150.000 Euro für ein Planschbecken, in dem maximal sechs Leute baden dürfen, ist sehr viel Geld. Aber es hilft, den Gürtel-Pool nicht nur als das zu sehen, was er auf den ersten Blick zu sein scheint: eine viel zu teure Spaßaktion in einem Jahr, in dem wir alle eigentlich „andere Probleme“ haben. Man kann dem Pool durchaus etwas Positives abgewinnen.

Er ist eine Intervention im öffentlichen Raum. Er zeigt den Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Stadt, dass man auf Straßen auch anderes  tun kann als Autofahren.  Dass Freiraum geschaffen wird, dass Politiker auch ein Projekt umsetzen, bei dem von vornherein klar war, dass es polarisieren wird. Der Sprung ins kalte Wasser sei jedem und jeder empfohlen, vor der nächsten Pool-Debatte. Das schafft einen kühlen Kopf bei erhitzen Gemütern.

CONTRA:

von Josef Gebhard

Kaum jemand stellt heute noch die Sinnhaftigkeit der verkehrsberuhigten Mariahilfer Straße infrage. Beinahe vergessen ist, dass die geplante Fußgängerzone die Grünen seinerzeit fast in den politischen Abgrund gerissen hätte. Weil sie den Wienern nicht klar vermitteln konnten, worum es bei dem Projekt  geht und wie es nach der Fertigstellung aussehen wird.

Nicht viel anders verhält es sich mit dem Planschbecken beim Westbahnhof. Dass ein Pool mitten im Gürtel-Verkehrsgewühl, der von maximal sechs Personen gleichzeitig benutzt werden kann, außerhalb der Innenstadt-Hipster-Community kaum auf Begeisterung stoßen wird, ist nicht sehr überraschend.

Das gilt auch für das am Rande des Zynismus schrammende Argument, hier eine Urlaubsalternative für Menschen zu schaffen, die corona-bedingt heuer daheim bleiben müssen.
Nun  beeilen sich die rot-grünen Verantwortlichen zu erklären, dass es ja eigentlich nicht um den Pool geht.

Sondern um die Verkehrsberuhigung eines Stadtentwicklungsgebiets und die Verbindung zweier Bezirke. Zweifelsohne ein verfolgenswertes Projekt. Vielleicht hätte es aber bessere, verständlichere Wege als einen kaum benutzbaren Mini-Pool gegeben, dies der Bevölkerung näher zu bringen. Denn so bleibt in den Köpfen vieler Menschen nur ein ebenso teures wie dekadentes Spaßprojekt zurück.

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