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Luxembourg

Neue Broschüre: Erster Schritt zur seelischen Behandlung

An dritter Stelle der häufigsten Ursachen für Krankschreibungen bei der Arbeit sind psychische Erkrankungen.
An dritter Stelle der häufigsten Ursachen für Krankschreibungen bei der Arbeit sind psychische Erkrankungen.

Foto: Shutterstock

Rosa CLEMENTE

Rosa CLEMENTE

Ein Viertel der Menschen leidet mindestens einmal an einer schweren psychischen Störung. Die Ligue - Service d'information et de prévention will Tabus brechen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jede vierte Person mindestens einmal im Laufe ihres Lebens an einer mentalen Erkrankung leidet. Und auch Experten aus Luxemburg sind sich einig: Psychische Störungen sind häufig, sie betreffen weitaus mehr Menschen, als ärztlich bekannt sind.

Association ATP in Kehlen. Kehlen, Luxembourg - 15. 10. 2019 photo: Matic Zorman / Luxemburger Wort
Gleiche Arbeitschancen für psychisch Erkrankte

Arbeiten wie andere: Auch Menschen mit psychischen Störungen sollten der Vereinigung Ateliers thérapeutiques et protégés zufolge beruflich aktiv sein dürfen.

Denn viele Betroffene brauchen oft Monate, bis sie sich mit ihren Symptomen überhaupt an einen Arzt wenden - von einem Besuch bei einem Psychologen oder einem Psychiater ganz zu schweigen. Einige psychisch erkrankte Menschen suchen erst gar nicht nach Hilfe. 

"Der Besuch beim Psy wird noch immer stark stigmatisiert. Betroffene wollen oft selbst nicht zugeben, dass sie seelisch krank sind. Oder wollen nicht, dass ihre Familie, Freunde oder Arbeitskollegen etwas von ihrem Gesundheitszustand mitkriegen. Sie sehen die psychischen Störungen nämlich oft als Schwäche an, anstatt als Krankheit", erklärt Dr. Barbara Bucki vom Service Information et Prévention der Ligue. 

Informationsheft in fünf Sprachen

Um dieser Angst und Stigmatisierung entgegenzuwirken, stellte die Ligue am Dienstag, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Experten für mentale Gesundheit, eine neue Broschüre vor, die für Aufklärung in Sachen ärztliche und therapeutische Behandlung von psychischen Erkrankungen sorgen soll. 

Psychotherapeutin Delphine Prüm, Psychologe Marc Stein (hinten), Dr. Barbara Bucki (vorne), Psychotherapeut Grégory Lambrette (hinten), Dr.Juliana D'Alimonte, Allgemein Medizinerin Dr. Stéphanie Obertin und Psychiater Dr. Paul Hedo (v.l.n.r.).

Psychotherapeutin Delphine Prüm, Psychologe Marc Stein (hinten), Dr. Barbara Bucki (vorne), Psychotherapeut Grégory Lambrette (hinten), Dr.Juliana D'Alimonte, Allgemein Medizinerin Dr. Stéphanie Obertin und Psychiater Dr. Paul Hedo (v.l.n.r.).

Foto: Anouk Antony

"Ziel ist es, mit dieser Broschüre so viele Menschen im Großherzogtum wie möglich zu erreichen. Deshalb wird diese auch in fünf Sprachen - Deutsch, Französisch, Luxemburgisch, Englisch und Portugiesisch - veröffentlicht. Die  Menschen müssen erkennen, dass mentale Gesundheit ein Teil des Ganzen, also der allgemeinen Gesundheit ist und man sich dafür nicht schämen soll", fährt Barbara Bucki fort. 

Nicht nur werden im Informationsheft die Berufe Psychologe, Psychiater und Psychotherapeut vorgestellt und deren Aufgabenbereiche aufgezählt. Zu finden sind in der Broschüre auch Links zu den jeweiligen Webseiten (siehe Kasten oben), auf denen die Fachleute, die hierzulande tätig sind, aufgelistet sind. Dort stehen dann auch Details zu den jeweiligen Tarifen. 

Finanzierung als Bremse

Und genau um diese, oft sehr teuren, Tarife kursieren seit längerem heftige Diskussionen. Denn: Die Umsetzung des 2015 eingeführten Psychotherapeutengesetzes lässt seit mehr als vier Jahren auf sich warten. Die Umsetzung ist jedoch nötig, damit die Gesundheitskasse (CNS) die Kosten für die teuren psychotherapeutischen Behandlungen übernimmt. 

Psychotherapeutengesetz: Erzwungene Konvention

Die Umsetzung des Psychotherapeutengesetzes lässt seit vier Jahren auf sich warten. Trotz des guten Dialogs mit den Psychotherapeuten zieht Sozialminister Romain Schneider nun den gesetzlichen Joker.

Im vergangenen Sommer legte Sozialminister Romain Schneider (LSAP) den Entwurf einer großherzoglichen Verordnung vor, um die Umsetzung des Gesetzes zu beschleunigen. "Es fehlen noch einige Schritte bis die Sache durch ist, unter anderem das Gutachten des Staatsrats. Der Ministerwechsel im Gesundheitsministerium bremst das Ganze natürlich auch ein wenig ab. Wir wissen also nicht, wann es so weit ist", meint Delphine Prüm, Präsidentin der Fédération des associations représentant des psychothérapeutes au Luxembourg.

Eines ist aber klar: Eine Kostenübernahme durch die CNS würde den Zugang zu psychotherapeutischen Behandlungen für viele Menschen vereinfachen. "Wir sprechen von Behandlungen, die so viel kosten können, wie der Mindestlohn", weiß Delphine Prüm. Marc Stein, Leiter der Société luxemburgeoise de psychologie, fügt hinzu: "Es kann nicht sein, dass man, wenn man beispielsweise Rückenprobleme hat, nicht für die Behandlung zahlen muss, bei psychischen Störungen aber andere Regeln gelten."

Mentale Erkrankungen sind immer noch mit einem negativen Stigma behaftet.
Psychische Krankheiten: Kaum Vorsorge und überlastete Hilfsstellen

Die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben an einer psychischen Krankheit zu erkranken, liegt bei 43 Prozent. Eine flächendeckende Psycho-Prophylaxe gibt es bisher nicht, und die Anlaufstellen sind mit der Nachfrage überfordert.

Bislang übernimmt die Gesundheitskasse nur die Therapiekosten eines Psychiaters oder, wenn der Patient die psychologische Betreuung im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts erhält. Es gibt aber auch Psychologen und Psychotherapeuten, die nicht liberal, sondern in einem vom Staat subventionierten Dienst arbeiten - zum Beispiel bei der Ligue:  Dann werden die Kosten der Therapien teils oder ganz vom Dienst beziehungsweise dem Staat übernommen. 

Zuerst den Hausarzt aufsuchen

Alles in allem gilt die Regel: So schnell wie möglich reagieren."Je schneller man sich entscheidet, Hilfe aufzusuchen, desto besser. Denn, wenn man zu lange wartet, kann das Folgen haben. Depressionen können sich verschlimmern, Erkrankte können schneller rückfällig werden", meint Marc Stein. 

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Und zwar sollte der Patient als erstes den eigenen Hausarzt aufsuchen. Dieser kennt den Betroffenen, dessen Krankenakte und sein familiäres Umfeld am besten. Er kann also schneller ärztliche Entscheidungen treffen - Den Patienten medikamentös behandeln oder ihm ein Termin bei einem Psychologen, einem Psychiater oder einem Psychotherapeuten empfehlen. "Eine kombinierte Behandlung aus Medikamenten und Psychotherapie ist in der Regel am wirksamsten", weiß Psychiater Dr. Paul Hedo, Leiter der Société luxemburgeoise de psychiatrie, pédopsychiatrie et psychothérapie. 

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